Unverantwortlicher Eingriff in die Amphibienpopulation des Rüdtwaldes

Amphibien

Nachdem im Dezember 2006 6,5 ha Wald gerodet wurden, bestätigte sich im Frühjahr 2007 die regional bedeutsame Amphibienpopulation im Rüdtwald : 3842 Tiere, darunter 710 Exemplare des besonders geschützten Springfroschs, wurden entlang des durch behördliche Auflagen angebrachten Amphibienzaunes, gezählt. Dabei handelt es sich lediglich um die geschlechtsreifen, paarungsbereiten Tiere, die zu ihrem Laichgewässer unterwegs waren. Nicht gezählt werden konnten die nicht wandernden Jungtiere.

Hinzu kommt, dass die Tiere innerhalb des Zaunes auf einer Fläche von 22 ha nicht gezählt werden konnten. (der Amphibienzaun umschließt die gesamte von der Stadt Bretten beabsichtigte Rodungsfläche) Diese Tiere wanderten durch den nach Norden offenen Zaun zum Laichgewässer wobei viele wegen den zeitgleich dazu durchgeführten Bauarbeiten vom Bagger überfahren wurden. Außerdem wurden durch die im Herbst durchgeführten Rodungsarbeiten auf einer Fläche von 6,5 ha der Lebensraum mit Lurchen zerstört! Der Gesamtbestand der Amphibien ist deshalb wesentlich größer!

Amphibien Amphibien

( Die Bilder zeigen das Fangergebnis des 7., sowie 19. März 2007 )

Das Ergebnis der Amphibienzählung zeigt, dass die Regierungspräsidien in Stuttgart und Karlsruhe ihre Aussage „die Amphibienpopulation kann in einem günstigen Zustand erhalten werden“ vorab ins Blaue hinein, d.h. ohne fundierte Grundlagen getroffen haben! Die Rodungsgenehmigung wurde erteilt ohne Kenntnis des Amphibienbestandes und bevor die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen wie Laichtümpel und Leiteinrichtungen angelegt waren.

Wer trägt jetzt die Verantwortung dafür, dass der Amphibienbestand nicht bereits während der Planungsphase quantitativ (!) erfasst wurde? Liegt hier ein schwerwiegender Verfahrensfehler vor oder ist dies Artenschutz nach baden-württembergischer Umweltpolitik?

Wiese

(das Bild zeigt die im Text erwähnten Bauarbeiten während der Laichzeit!)
Jetzt behauptet die Stadt Bretten „ durch die Schutzmaßnahmen wurde sichergestellt, dass bei den für September terminierten Erschließungsarbeiten sich im Erweiterungsgebiet keine Amphibien mehr aufhalten und dass sie in den für sie geschaffenen Umsiedlungsbereichen geschützt sind.“ (Amtsblatt 24. Mai 2007)

Diese Behauptung ist falsch, weil durch den nach Norden offenen Zaun junge Amphibien die Rodungsfläche bereits Ende Juli besiedelt hatten! Diese werden möglichen Bauarbeiten zum Opfer fallen. Außerdem gibt es keine ausgewiesene adäquate „ Umsiedlungsbereiche“. Ein (Ersatz-)Laichtümpel ist kein ganzjähriger Lebensraum für Amphibien. Der Verlust von 22 ha Sommer- und Winterlebensraum
kann durch noch so viele Tümpel niemals ersetzt werden.

Obwohl die Stadt Bretten bereits 6 ha unwiederbringlichen Lebensraum mit allen bisher darin lebenden Tieren vernichtet hat, behauptet OB Metzger : „Die Erhaltung der Artenvielfalt ist … auch im Interesse der Stadt.“
Um was es ihm wirklich geht zeigt er jedoch mit der Aussage, Zitat: „Insgesamt wurden 3.842 Tiere umgesetzt (Kosten pro Tier ca. 12 Euro).

Anbei noch Bilder des unermüdlichen Helfers, Edgar Mößner, der bei Wind und Wetter, täglich mit großem Engagement „seine“ Frösche einsammelte !

Omo Omo

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18 Antworten zu Unverantwortlicher Eingriff in die Amphibienpopulation des Rüdtwaldes

  1. ernst./K sagt:

    Zur Präzisierung von -el- am 22. August 2008

    Kultur, wie er sie sieht, war einmal.
    Heute sehe ich leider nur Unkultur in Deutschland.

  2. -el- sagt:

    Die Kultur einer Nation ist an ihrem Verhältnis zu Flora, Fauna, Habitat, am besten auszumachen.

  3. ul-d sagt:

    Die beiden Brettener Anzeigen-Blätter sind dafür ziemlich ungeeignet.

  4. -Must- sagt:

    „…, der sich in allen Medien widerspiegeln muß.“

    In welchen? Fernsehen, Rundfunk usw.

    Wenn überhaupt, dann in den Brettener Nachrichten! 🙂

  5. Clodw. sagt:

    Stadträte als Entscheidungsträger?

    Die Fotos zeigen das Ausmaß der Entscheidung!

  6. Ernst Frey sagt:

    Anscheinend spielen Vorkommen solcher schutzwürdigen Amphibienarten bei den Entscheidungsträgern keine Rolle. Die Lebensraumzerstörung findet nich nur im Regenwald statt, sondern auch in unserer Region. Erstaunlich, dass kein öffentlicher Aufschrei erfolgt, der sich in allen Medien widerspiegeln muß.

  7. Rd sagt:

    Nachfolgende Generationen werden es der jetzigen Generation gewiß danken.

  8. ch.u. sagt:

    Die Ökonomie muss endlich lernen, mit den vorhandenen Ressourcen auszukommen. Schließlich sind diese im ausreichenden Maß vorhanden.

  9. dr sagt:

    Das Ziel muss sein, beides miteinander zu koppeln und Wachstum und Flächenverbrauch zu entkoppeln.

  10. ulf. sagt:

    Der Artenschutz steht keinesfalls im Widerspruch zu wirtschaftlichen Interessen. Ökonomie und Ökologie als Gegensatz zu empfinden, ist schlichtweg falsch.

  11. ulf. sagt:

    Ergänzung zum 6. Kommentar

    Nach meiner Meinung ist das Regierungspräsidium Karlsruhe zuständig.

    Und zwar die Abteilung 5 – Umwelt.

    Insbesondere das Referat 55 Naturschutz, Recht und das Referat 56 Naturschutz und Landschaftspflege.

  12. mm sagt:

    Der perfekte Blender eben : hier Umweltpreise vergeben, sich an Wettbewerben beteiligen an denen jeder Teilnehmer ausgezeichnet wird, eine „ViaBono“ Modellstadt werden wollen und auf der anderen Seite die größte Umweltsünde in Südwestdeutschland anrichten. Diese Frechheit muß man erst mal besitzen, auch das ist „preiswürdig“!

  13. Ottm.Schu. sagt:

    Und keine Stelle schaltet sich ein, die diesem Treiben Einhalt gebietet.

  14. u/-d sagt:

    Kommunale Umweltpolitik der Stadt Bretten. Reif für eine Auszeichnung durch das Umweltministerium.

  15. OS-T sagt:

    Schon allein wegen des Berichts oberhalb gebührt ihm demnächst die Auszeichnung, die als „Umweltgurke“ oder so ähnlich lautend benannt wird.

  16. P.L. sagt:

    Dafür mit einem Riesenfoto – und er mittendrin.

  17. Man. sagt:

    Schauspielern!

  18. joh./mü. sagt:

    …Und derjenige, welcher ein großes Maß an Verantwortung daran trägt, vergibt in der heutigen Ausgabe der Brettener Nachrichten drei Umweltpreise der Stadt Bretten an drei Teilnehmer.

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