Leserbrief : Rücksicht und Respekt gesucht

Mit den Verhältnissen in ihrer Heimatstadt beschäftigt sich diese Leserbriefschreiberin:
In Bretten geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen, studiert – und trotzdem hier geblieben. Seit es mich gibt, lebe ich in Bretten. Sehr gerne sogar.
Seit einiger Zeit frage ich mich jedoch – gemeinsam mit Freunden und Bekannten – wo sind sie in Bretten geblieben, die zwei Worte mit „R“ – Rücksicht und Respekt? Unsere schöne Stadt hat sich vom netten Örtchen zur großen Kreisstadt entwickelt, ist bekannt für Wirtschaft und Kultur, ist modern und konkurrenzfähig geworden.
Aber bedeutet dieser Fortschritt denn auch automatisch, dass die zwei oben erwähnten Worte an Bedeutung verlieren? Warum gibt es so oft nur Gegeneinander statt Miteinander oder sogar Füreinander? „Das ist halt der Lauf der Zeit“, sagen da viele. Eine sehr bequeme Erklärung. Überhaupt ist es doch viel bequemer, sich nur um sich und seinen Kram zu kümmern.
Warum sollte man auch der alten Dame hinter sich die Türe aufhalten, wenn man sie genauso gut einfach zufallen lassen kann? Warum sollte man die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners mitten in der Fußgängerzone entfernen, wenn das auch genauso gut jemand anders tun kann, nachdem er hineingetreten ist? Warum sollte man seinen Dreck in den Mülleimer werfen, wenn doch auch auf der Straße Platz dafür ist und ja sowieso die Stadtreinigung kommt?
Rücksicht und Respekt – wo sind sie?
„Das hilft doch eh’ nix, wenn Du da was sagst“, hat mir einer gesagt. Aber ich denke gar nicht daran, es zu lassen. Denn Wegschauen und nichts sagen bringt noch viel weniger!
Ein lieber Bekannter, der vor kurzem im Alter von fast 100 Jahren verstorben ist, sagte einmal zu mir: „Mädchen, ich möchte nicht mehr jung sein müssen. Euch fehlen so viele Werte.“ Ich glaube, ich verstehe jetzt, was er damals gemeint hat.

Christine Dörschel
Helene-Lange-Straße 3
Bretten

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