„Klimakatastrophe müssen unsere Kinder ausbaden“

Brettener Arbeitskreis gibt Tipps fürs Energiesparen und regt Nutzung von regenerativen Energiequellen an
Von unserem Redaktionsmitglied Joachim Schultz
Bretten. Der Brettener Gunter Lange ist froh, um den alarmierenden Weckruf des Weltklimarats. „Die Menschen müssen sich spätestens jetzt nach diesen klaren Worten über den einsetzenden Klimawandel verstärkt mit dem Thema beschäftigen. Heizt sich die Atmosphäre durch den Ausstoß von schädlichen Treibhausgasen durch die Menschen weiter auf, wird es zu immer dramatischen Folgen mit ungewöhnlichen Wetterphänomenen kommen. Auch in Bretten wird man dies zu spüren bekommen“, meint Lange, der sechs Jahre den Vorsitz im Brettener Arbeitskreis Klimaschutz inne hatte.
Lange interessiert sich seit geraumer Zeit für die Veröffentlichungen und Fakten, die eine globale Erwärmung vorhersagen. Aufmerksam hat der pensionierte Brettener Stadtbaudirektor die Medienberichte über das Treffen der 600 Klimaexperten aus 40 Ländern Ende voriger Woche verfolgt. „Ich halte die Prognosen, die übrigens nicht neu sind, für richtig. Es wird zu einem Klimachaos mit all seinen schrecklichen Auswirkungen kommen, wenn die Menschen so weitermachen.“ Insbesondere das Verfeuern von Öl, Kohle oder Gas und der damit verbundene Ausstoß von schädlichem Kohlendioxid heize die Atmosphäre weiter auf und trage zum Klimakollaps bei, sagt Lange weiter.

Seit 2000 versucht man in Bretten auf lokaler Ebene, etwas gegen die von Menschen gemachte Klimaveränderung zu tun. Im Projekt Lokale Agenda 21 gibt es seit sieben Jahren den Arbeitskreis Klimaschutz, der sich die Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes in der Großen Kreisstadt zum Ziel gesetzt hat. „Das sind zwar nur kleine Schritte, aber wir wollen damit helfen, die von der Politik gesteckten Ziele zu erreichen.“ Einiges wurde auf Anregung des Arbeitskreises in Bretten angegangen, beispielsweise die Modernisierung der Straßenbeleuchtung. „Die energiesparenden Leuchten brauchen weniger Strom. Damit entstehen auch weniger schädliche Treibhausgase bei der Energiegewinnung“, sagt Lange. Der Brettener Arbeitskreis, dem zwölf Personen angehören, gibt Ratschläge fürs Energiesparen im Alltag, informiert Hausbesitzer, wie sie ihr Gebäude besser vor Wärmeverlust schützen können, und regt die Nutzung von regenerativen Energiequellen (Solaranlagen) an.

Unterm Strich erbringen die angeleierten öffentlichen Projekte eine Einsparung von mehreren 100 Tonnen Kohlendioxid jährlich, doch das ist selbst im kleinen Rahmen nicht genug, zeigt sich Lange besorgt. „Die Menschen in den Industrieländern müssen runter von ihrem Energieverbrauch angesichts der vielen wirtschaftlich aufstrebenden Schwellenländer in Afrika und Asien, deren Energiebedarf in den nächsten Jahren stark anwachsen wird.“
Dazu braucht man nach Worten Langes eine Energiewende, die durch entsprechende Gesetze untermauert werden muss, um „das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Klimaschutzes, der jeden angeht, zu fördern“. Obwohl schon vielfach über den drohenden Klimakollaps berichtet wurde, zeigen nur die wenigsten Interesse, sich am Energiesparen zu beteiligen. „Ohne Gesetze und Strafen scheint der Mensch nur begrenzt über die Vernunft steuerbar.“

Neben den Heizanlagen in den Gebäuden und den Kraftwerken, die fossile Brennstoffe zur Stromerzeugung verbrennen, gehört der Autoverkehr zu den größten Verursachern von Treibhausgasen. Bei Umweltschützern gelten spritfressende Autos wegen des hohen Kohlendioxidausstoßes als Klimakiller. „Eigentlich müssen viel mehr Fahrzeuge mit umweltfreundlichem Hybridantrieb oder Drei-Liter-Fahrzeuge angeboten werden. So lange aber Farbe, Ausstattung, Image und Prestige beim Autokauf einen höheren Stellenwert einnehmen als der Umweltschutz, so lange wird sich nichts ändern.“ Er wünscht sich von Politikern deshalb den Mut zu unpopulären Gesetzen. „Man könnte die Steuern für Dreckschleudern hochsetzen und sparsame Umweltautos fördern.“

Die Menschen müssten endlich umdenken, weil es um den Schutz der folgenden Generation gehe. „Denn die Klimakatastrophe mit ihren Folgen müssen bereits unsere Kinder ausbaden und nicht erst die Enkel“, sagt Lange.
Info
Infos zum Arbeitskreis Klimaschutz beim Amt Technik und Umwelt im Brettener Rathaus, Telefon (0 72 52) 92 16 51.

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9 Antworten zu „Klimakatastrophe müssen unsere Kinder ausbaden“

  1. Ka. My. sagt:

    Wer trägt die Verantwortung für die Entscheidung der Brettener Stadtwerke, sich mit Geld an dem Bau eines Kohlekraftwerks in Brunsbüttel zu beteiligen? Und worin besteht die Verantwortung?
    Schlimmer geht´s nimmer!

  2. hv sagt:

    „Klimakatastrophe müssen unsere Kinder ausbaden“
    Eine völlig verständliche Schlagzeile. In allen politischen Ebenen (Bund, Länder, Gemeinden) – und sogar auf europäischer Ebene – tummeln sich Umweltpolitiker, die von ihrem Job sicherlich etwas verstehen wollen. Zumindest zeigen sie sich so gern der Öffentlichkeit.
    Wenn also jemand für eine drohende Klimakatastrophe einzustehen hat, dann doch diejenigen, welche auch noch für ihre in Frage stehenden Leistungen entlohnt werden. Für die Fehler von Politikern, auch Umweltpolitikern, gleich auf welchen Ebenen müssen die davon betroffenen Bürger regelmäßig einstehen.

  3. Lud sagt:

    Wenn die Aussagen im obigen Artikel allein auf die Stadt Bretten bezogen werden, dann stellen sie für mich als Leser entweder einen Gag oder einen Flop dar.

  4. f/gl. sagt:

    Welche Aufgaben hat eigentlich das Amt Technik und Umwelt der Stadt Bretten? In der Umwelt von Bretten nimmt man unschwer übermäßigen Lärm und Gestank wahr. In der Brettener Umwelt zerstört man einen Teil des stadteigenen Rüdtwalds.
    Was unternimmt dieses – seit wann bestehende – Amt gegen die massiven Umweltbelastungen. Hat es neben den Belastungen durch Lärm und Gestank auch gegen die Rüdtwald-Abholzung irgendetwas unternommen eventuell dergestalt, daß es sich irgendwann einmal mit einer eigenen fachlichen Meinung öffentlich zu Wort gemeldet hat?
    Bei Verneinung kann man das Amt auf Technik verkürzen. Umwelt wäre dann etwas, das drauf steht, aber nicht drin ist.

  5. joh. mü. sagt:

    Gesunder Brettener Rüdtwald wird platt gemacht. Und gleichzeitig redet der Brettener Arbeitskreis Klimaschutz über den Klimakollaps.

    Unqualifizierter geht es nicht mehr!

  6. b.z. sagt:

    Wissenswert wäre es, die Entscheidungsabläufe für die finanzielle Beteiligung an einem Kohlekraftwerk in Brunsbüttel in ihren Strukturen nur zu erahnen. Mögliche Entscheidungsträger waren Gemeinderat, Oberbürgermeister als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke, 1. Bürgermeister als Finanzchef, Aufsichtsrat der Stadtwerke, Geschäftsführer der Stadtwerke, Amt Technik und Umwelt und nicht zu vergessen der Arbeitskreis Klimaschutz.

    Wer trägt die Verantwortung?

  7. Ro. St. sagt:

    Am 30. Januar in den Brettener Nachrichten: Stadtwerke beteiligen sich am Kraftwerksbau.
    Anmerkung: Kohlekraftwerk mit Kohlendioxid im norddeutschen Brunsbüttel!

    Elf Tage später meldet sich der Arbeitskreis Umweltschutz zu Wort und klärt über das schädliche Kohlendioxid (Treibhausgas) auf. Er kommt damit leider zu spät. Aber wen stört es schon in Bretten, wenn demnächst in Brunsbüttel Kohle verfeuert wird? Wofür ist ein Amt Technik und Umwelt im Brettener Rathaus, das eine finanzielle Beteiligung der Stadtwerke an einem – wenn auch weit entfernten – Standort nicht verhindern konnte?

  8. E/A sagt:

    Insbesondere das Verfeuern von Öl, Kohle oder Gas und der damit verbundene Ausstoß von schädlichem Kohlendioxid heize die Atmosphäre weiter auf und trage zum Klimakollaps bei, sagt Lange weiter.
    Das ist doch nicht neu. Ziemlich neu ist, daß sich die Stadtwerke Bretten = hundertprozentige städtische Gesellschaft mit beschränkter Haftung finanziell (mit welchem Betrag steht in den Sternen) an einem Kohlekraftwerksbau in Norddeutschland beteiligen. Ihm wird es auch bekannt sein, daß ein Kohlekraftwerk schädliches Kohlenstoffdioxid ausstößt und damit den Treibhauseffekt fördert.

    Als pensionierter Stadtbaudirektor muß er umgehend seine Worte in die Tat umsetzen und mit Unterstützung des Arbeitskreises Klimaschutz auf die unbedingte Rücknahme der finanziellen Beteiligung durch die Stadtwerke Bretten setzen.

    Andernfalls wirken seine Ausführungen auf die Leser ziemlich unglaubwürdig.

  9. mm sagt:

    Dieser Beitrag ist in seiner Gänze nur noch peinlich. Die Stadt Bretten hat gegen den Willen der Bevölkerung eine beispiellose Naturzerstörung im Rüdtwald durchgesetzt und jetzt sollen es die Bürger mit Energiesparlampen und drei Liter-Auto wieder richten. Aber wie schon oft angemerkt : Hauptsache man steht in der Zeitung, egal was für einen Stuss man auch redet; wer schreibt, der bleibt?!

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