„Sturmfrei“ und das Warten auf das Toben von Kyrill

Extraschicht bei der Polizei, Feuerwehr in Bereitschaft
Von unseren Redaktionsmitgliedern Joachim Schultz und Rudolf Baier
Bretten. Thema Nummer eins am gestrigen Donnerstag: Wann kommt Kyrill im Kraichgau an? Wie schlimm wird der Sturm hier wüten? Die Ausläufer des für die erste Nachthälfte erwarteten Unwetters hatten es schon am Nachmittag in sich: Als wären sie Spielzeug, schleuderte Kyrill Werbetafeln durch die Fußgängerzone. Zeitungen und Unrat wirbelten die Böen meterhoch in die Luft. Frisch geleerte Mülltonnen kullerten über die Fahrbahn.

„Hoffentlich bleiben wir von größeren Sturmschäden verschont“ – diese Hoffnung hatte gestern Mittag nicht nur der Brettener Polizeirevierleiter Rolf Hilpp. Ständig rief er im Internet die aktuellen Vorhersagen des Wetterdienstes und der Unwetterzentrale für die Region ab. Um möglichst rasch reagieren zu können, blieben alle Polizeibeamte der Tagschicht länger im Dienst. „17 Beamte sind somit zusätzlich im Einsatz“, sagte Hilpp. Die Polizeiposten in Oberderdingen, Sulzfeld und Walzbachtal blieben gestern wegen des Sturms auch nach dem üblichen Dienstschluss besetzt. Darüber hinaus wurde der Streifendienst aufgestockt.
Was im Falle größerer Sturmschäden zu tun sei, wurde bei einem Treffen von Führungskräften von Polizei, Feuerwehr, Bauhof und Ordnungsamt um 17 Uhr bei OB Paul Metzger im Brettener Rathaus erörtert. Man werde Schäden zwar nicht verhindern können, räumte Metzger ein. Vor allem werde es bei dem Gespräch darum gehen, Strategien für eventuell notwendige Sperrungen zu erarbeiten. Oberste Priorität wurde der Zufahrt zur Rechbergklinik eingeräumt. Das Krankenhaus müsse in jedem Fall erreichbar bleiben.

Die Männer der Brettener Feuerwehr warteten derweil zu Hause auf mögliche Alarmrufe ihrer Leitstelle. Es sei wenig sinnvoll, die komplette Mannschaft auf Verdacht im Feuerwehrhaus zu versammeln, erklärte Kommandant Philipp Pannier. Dort taten lediglich die hauptamtlichen Kräfte Dienst. „Wir sind für alle Fälle gut vorbereitet“, betonte der Feuerwehrchef.
Einen erster Einsatz vermeldete die Brettener Polizei kurz vor 14 Uhr, nachdem ein Baum teilweise auf die Bundesstraße 35 (Höhe Karlsruher Dreieck) gestürzt war und den Verkehr behinderte. Mitarbeiter der Straßenmeisterei hatten den Baum aber rasch von der Straße geschafft, so Hilpp. Später am Nachmittag war die Freiwillige Feuerwehr im Einsatz, um in Gölshausen einen Dachstuhl, der noch nicht eingedeckt war, am Wegfliegen zu hindern.
Sorgen machte sich Oberbürgermeister Metzger, dass Sturmtief Kyrill im Rüdtwald Schäden anrichten könnte. Dort bietet der Waldsaum nach der nun begonnenen Ausstockung für die Industriegebietserweiterung dem Sturm eine große Angriffsfläche.

„Sturmfrei“ gab es gestern Nachmittag für die Kinder der Gondelsheimer Kraichgauschule. Um 12.40 Uhr war vorgezogener Unterrichtsschluss, um den Kindern einen sicheren Heimweg zu ermöglichen. Andere Schulleiter erachteten das Risiko als nicht so groß und machten von den von den Schulbehörden eingeräumten Möglichkeiten zum vorzeitigen Schulschluss keinen Gebrauch.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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4 Antworten zu „Sturmfrei“ und das Warten auf das Toben von Kyrill

  1. Th. sagt:

    „Zeitungen und Unrat wirbelten die Böen meterhoch in die Luft.“

    Der Ruf nach einer wie auch immer arbeitenden Stadtreinigung wird immer lauter. Es ist natürlich durchaus möglich, daß aus Kostengründen gar keine vor Ort ist.

    Wenn auf die beschriebene Weise der Unrat verwirbelt wird, beseitigt ihn wohl derjenige, bei dem er schließlich gelandet ist. So erledigt sich das Problem mit dem Unrat durch wetterbedingte Folgen von selbst.

  2. P.L. sagt:

    Die Frage muß gestattet sein: Was macht Herr OB Metzger überhaupt richtig?

  3. k-St. sagt:

    Ich frage mich immer öfter, ob der Mann überhaupt noch weiß, was er tut und was er sagt. Seine „Sorgen“ um den Rüdtwald nach der Ausstockung waren für jedermann als die zwangsläufige Folge der Ausstockung voraussehbar. Jedoch offensichtlich nur für ihn nicht.

  4. mm sagt:

    Tja, die Angst vor den Folgen der bösen Tat wird ihm hoffentlich noch manche Nacht rauben, denn der Waldsaum des brutalen Eingriffs in den Rüdtwald, wird immer dessen Achilles-Ferse bleiben. Zudem warten die Oberderdinger, als benachbarte Waldbesitzer, mit der für diesen Fall bereits angedrohten Klage !
    Mögen Sie weiterhin schlecht schlafen Herr Oberbürgermeister, ihre Mitbürger mögen Ihre Taten vergessen, die Natur nicht !

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