Die mobile Gesellschaft und der Stau

Verkehrsprobleme und ihre Lösung: Das zentrale Thema des Jahres im Raum Bretten
Die mobile Gesellschaft und ihre Folgen – das Dauerthema des Jahres 2006 im Raum Bretten. Einerseits die Notwendigkeit, dem Bedürfnis nach Mobilität mit einem gut ausgebauten Straßennetz zu entsprechen, andererseits das Problem, dass der Verkehr jenen, die an diesen Straßen leben, eine oft als unerträglich empfundene Last ist. Wie sich an der seit Februar geführten Diskussion über eine Entlastungsstraße im Brettener Westen zeigt: Die Achse Pforzheimer Straße/Wilhelmstraße/Melanchthonstraße wird auf Dauer den Verkehr nicht mehr aufnehmen können. Die bisher erörterten Umgehungs-Optionen haben nach Ansicht der Stadtverwaltung keine Chance zur Realisierung. Anders eine stadtnahe Trasse übers Rinklinger Tal und den Rechberg zur B 294 nach Pforzheim. Dank der höheren Entlastungswirkung könne man für diese Trasse mit Geld aus Stuttgart und Berlin rechnen, kalkulierte man im Rathaus.
Ganz anders sehen das Brettener Bürger, insbesondere Bewohner des Rechbergs rund um das Krankenhaus. „Entlastungsstraße ja, aber an anderer Stelle“ lautete die BNN-Überschrift zu einem Bericht über eine Ortsbegehung von Gegnern des Projekts, bevor die Sache in den Gemeinderat kam. Dort wiederum wurde der vorgesehene Grundsatzbeschluss für die ortsnahe Entlastungsstraße erst einmal vertagt. Wie stark die Vorbehalte gegen den Plan sind, erfuhr die Stadtverwaltung dann im März in einer Informationsveranstaltung in der Stadtparkhalle, in der es zeitweise die Emotionen hoch schlugen. Eine Bürgerinitiative wurde ins Leben gerufen und begann ihre durchaus erfolgreiche Lobbyarbeit. Mittlerweile hat sich eine große Mehrheit des Gemeinderats dafür ausgesprochen, die Planungen für die Rechberg-Trasse erst einmal auf Eis zu legen und mit neuen Daten alternative Möglichkeiten zu untersuchen. „Ortsentlastungsstraße zu den Akten?“ fragten die BNN Mitte Dezember.

Derweil rollt der Verkehr auf der innerstädtischen Trasse, auf der in den zurückliegenden zwölf Monaten zeitweise gar nichts mehr ging. Zum Beispiel Ende April, als für die Fertigstellung des umgebauten Alexanderplatzes die westliche Melanchthonstraße voll gesperrt wurde. Oder Ende Juli, als der ovale Verkehrskreisel bei der Jugendmusikschule asphaltiert wurde und einige Tage lang der Verkehr durch Innenstadtstraßen geführt wurde. Und auch im November, als wegen des Kreiselbaues beim neuen Kraichgaucenter die Autofahrer auf Umleitungen geschickt wurden. „Bretten blieb vom Verkehrschaos verschont“ – so stand es jeweils anschließend in der Zeitung, wobei freilich nur das ganz große Chaos gemeint war. Chaotisch ging es wegen der Sperrungen und Umleitungen das ganze Jahr über zu, zum Leidwesen der Autofahrer, aber auch der Anwohner, etwa im Wohngebiet Wanne, durch das zeitweise der komplette von Pforzheim kommende Verkehr geführt wurde.

Doch das ist jetzt alles erst mal vorüber. Der Alexanderplatz, jetzt breit wie eine Startbahn, wurde Ende April ohne Feierlichkeiten in Betrieb genommen und funktioniert seither problemlos. Am ovalen Kreisel bei der Jugendmusikschule wurde Ende Juli drei Tage lang die Fertigstellung gefeiert. Doch bei den Wasserspielen und bei der Verkehrsführung wurden Nachbesserungen notwendig, und statt der geplanten gläsernen Stelen stehen jetzt erst einmal zwei Christbäume auf dem steinernen Wall in der Mitte. Rund geht es nun auch am neuen Kreisel in der Pforzheimer Straße.
Davon profitiert auch eine Sorte Autofahrer, denen man auch in Bretten den Kampf angesagt hat: den Mautflüchtlingen. Seit die Benutzung der Autobahn mit Lastwagen Geld kostet, habe der Schwerlastverkehr drastisch zugenommen, klagen viele, auch aus dem Raum Bretten. Damit die Anwohner der Bundesstraßen wenigstens in Ruhe schlafen können, wurde ein Nachtfahrverbot ersonnen. Auch an den Bretten berührenden Bundesstraßen stehen die entsprechende Schilder. OB Metzger forderte wiederholt, auch tagsüber müsse ein solches Mautausweichverbot gelten. Doch Innenminister Rech lehnte das ab.
Ob das nächtliche Fahrverbot große Wirkung zeigt, ist umstritten. Tatsächlich hat es so viele Ausnahmen, dass nach wie vor ein Großteil der Lastwagen die Bundesstraßen benutzen darf. Und sollte einer tatsächlich das Nachtfahrverbot übertreten, ist das Risiko des Erwischtwerdens höchst gering: Die Polizei kontrolliere nur sporadisch, erfuhr die Landtagsabgeordnete Ute Vogt.

Auch der Schienenverkehr kann Probleme bereiten, insbesondere dann, wenn sich seinetwegen regelmäßig Schranken über eine Straße senken, wie etwa beim Gondelsheimer Bahnübergang. Dessen Beseitigung wird seit vielen Jahren diskutiert. Der Gondelsheimer Gemeinderat plädierte im November erneut für eine Umfahrung der Gemeinde im Norden, Brettens OB will aber eine Trasse zwischen Gondelsheim und Diedelsheim, die für Bretten nützlicher wäre. Entschieden wurde bisher noch nichts. Metzger will den Konflikt nun im Dialog mit den Nachbarn lösen.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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