Ärger über Heilbronner Land

Brettens OB Metzger spricht zornig von Kleinstaaterei
BRETTEN. Künftig will das Unterland als Heilbronner Land um Besucher werben. Für die benachbarte Touristikgemeinschaft Kraichgau-Stromberg ist das ein herber Schlag. Ihr Vorsitzender droht jetzt sogar mit Rücktritt.
Von Wieland Schmid

Beleidigt sei er nicht, behauptet Paul Metzger (61). Aber dass er zornig und enttäuscht ist, kann der Oberbürgermeister von Bretten im Landkreis Karlsruhe nicht verhehlen. „Das tut uns saumäßig weh“, sagt Metzger über die Absicht sämtlicher Städte und Gemeinden im Kreis Heilbronn, künftig gemeinsam als Touristikgemeinschaft Heilbronner Land aufzutreten. Als Gründer und Vorsitzender der benachbarten Touristikgemeinschaft Kraichgau-Stromberg sieht Metzger sogar die Gefahr, dass das „Land der tausend Hügel“ zwischen Bietigheim-Bissingen und Heidelberg nun bei seinen Bemühungen um Ferienreisende erheblich ins Hintertreffen gerät. „Wir wissen nicht, wie“s weiter geht“, klagt Metzger. „Wir sind am Rudern.“

Wie berichtet, hat der Heilbronner Landrat Detlef Piepenburg unlängst die Stadt Heilbronn und die 46 Kreiskommunen im schwäbisch-fränkischen Unterland erstmals zu einer touristischen Allianz zusammengeschmiedet. Schon im nächsten Jahr wollen sie den Fremdenverkehr gezielt ins Heilbronner Land lenken und den neuen Begriff im In- und Ausland publik machen. Mit von der Partie sind allerdings auch neun Kommunen im Zabergäu, die bisher unter dem Dach der Touristikgemeinschaft (TG) Kraichgau-Stromberg um Reisende geworben haben. „Das Zabergäu war bisher ein zentrales Gebiet für uns“, sagt der TG-Chef Metzger. „Jetzt müssen wir damit leben, dass das nicht mehr so ist.“ Auch Eppingen im badischen Kraichgau war einer der Pfeiler im Landschaftskonzept von OB Metzger. Aber die große Kreisstadt liegt im Landkreis Heilbronn und ist damit in Zukunft ebenfalls Teil der touristischen Konkurrenzorganisation.

Die Gründung der TG Heilbronner Land ist für den Brettener Oberbürgermeister nichts anderes als ein Rückfall in eine touristische „Kleinstaaterei“, weil sie durch die Grenzen eines einzigen Landkreises definiert wird. Die TG Kraichgau-Stromberg dagegen versucht seit ihrer Gründung 1993, den Landstrich zwischen den Ballungsräumen Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Pforzheim und Heilbronn als Ferienregion aufzuwerten. Die derzeit 48 Mitgliedsgemeinden in fünf Landkreisen locken unter anderem mit dem Naturpark Stromberg-Heuchelberg, dem Unesco-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn und einer 325 Kilometer langen Weinstraße.

In den vergangenen sechs Jahren hat die TG mit Sitz in Bretten die Übernachtungszahlen auf mehr als eine Million pro Jahr verdoppelt. Doch jetzt sieht der Vorsitzende Metzger schwarz für die Zukunft. „Wenn der Kraichgau amputiert wird, werden wir es erheblich schwerer haben.“ Eine Doppelmitgliedschaft der abtrünnigen Kommunen in zwei Touristikgemeinschaften kommt für ihn jedoch auf keinen Fall in Frage. „Falls der Vorstand und die Mitglieder doch eine Doppelmitgliedschaft wollen, gebe ich den Vorsitz ab“, drohte Metzger dieser Tage auf der Mitgliederversammlung in Eppingen und deutete an, dass dann möglicherweise auch die Stadt Bretten aus der TG Kraichgau-Stromberg austreten könnte.

Ob es zum Bruch zwischen Metzger und den übrigen Mitgliedern kommt, ist offen. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen soll im Frühjahr auf einer Sonderversammlung gefällt werden. Metzger selbst will auf jeden Fall hart bleiben, denn: „Wenn alles zerfleddert, ist das nicht mehr meine Vision.“

Aktualisiert: 30.11.2006, 06:14 Uhr

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2 Antworten zu Ärger über Heilbronner Land

  1. OS-T sagt:

    „Ihr Vorsitzender droht jetzt sogar mit Rücktritt.“ Na und?

  2. l-rd sagt:

    „Wir sind am Rudern.“

    Herr Metzger rudert nicht nur als Vorsitzender der Touristik Gemeinschaft Kraichgau-Stromberg, sondern in vielen anderen Bereichen, die aufzuzählen Enttäuschungen bringen. Daher wird darauf verzichtet.

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