Metzger heizt Tourismusstreit an

Von Alexander Hettich
„Keine Doppelmitgliedschaft in Kraichgau-Stromberg und Heilbronner Land“
Brettens Oberbürgermeister Paul Metzger hat die Diskussion um die Organisation der Fremdenverkehrswerbung in der Region weiter angeheizt. „Eine gleichzeitige Mitgliedschaft gibt es nicht“, sagte der Vorsitzende des Vereins Kraichgau-Stromberg-Tourismus (KST) gestern in Eppingen. Damit weist Metzger der Fachwerkstadt und sieben weiteren Landkreisgemeinden die Tür, die sich der neu gegründeten Touristikgemeinschaft (TG) Heilbronner Land angeschlossen haben. Für den Fall, dass die Mitgliederversammlung seine Entweder-oder-Position nicht übernimmt, will Metzger vom Amt des Vorsitzenden zurücktreten.

Aus seiner Kritik an der von Landrat Detlef Piepenburg ins Leben gerufenen TG, zu der mittlerweile alle Gemeinden im Landkreis Heilbronn gehören, hat Metzger nie einen Hehl gemacht. Brettens OB wittert „touristische Kleinstaaterei unter Auflösung der Landschaftsbezüge“. Die Landkreis-TG, so Metzger am Rande der gestrigen Kraichgau-Stromberg-Mitgliederversammlung, sei „ein Stück Kreismarketing“, die „Verwaltungsgrenzen aufbaut, die der Gast nicht kennen will“. Im Schwarzwald habe man gerade den entgegengesetzten Weg beschritten und zu einer Tourismuswerbung gefunden, die nicht an Kreisgrenzen Halt macht, sondern die Landschaft als Ganzes im Blick habe. Durch die Heilbronner Initiative sieht Metzger auch die Philosophie der „Landschaftsmarke“ Kraichgau-Stromberg gefährdet.
 

Neun Gemeinden, die bei Kraichgau–Stromberg mitmischten, haben sich auch der Heilbronner TG zugewandt: Eppingen, Brackenheim, Cleebronn, Güglingen, Schwaigern, Zaberfeld, Lauffen, Nordheim und Pfaffenhofen. Sie hatten vergeblich darum ersucht, dass sie im Gegenzug für ihre TG-Beiträge bei KraichgauStromberg eine Ermäßigung erhalten. Lauffen hat seine KST-Mitgliedschaft mittlerweile gekündigt. Metzger dreht nun den Spieß um und schlägt den aus seiner Sicht Abtrünnigen die Tür zu: „Das gäbe sonst nur Doubletten bei der Werbung.“ Das Band zwischen den Organisationen soll aber nicht ganz zerschnitten sein. „Möglicherweise“, baut Metzger eine Brücke, „gibt es ein Kooperationsmodell für bestimmte Projekte.“ Auf seinen Vorstoß hätten die Vertreter der betroffenen Gemeinden „schockiert“ reagiert. Bei der Eppinger Stadtverwaltung war gestern Abend niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Mitgliederversammlung von Kraichgau-Stromberg tritt erst am 24. Mai wieder zusammen. Wenn sie die Doppelmitgliedschaft nicht ausschließt, lässt Metzger keinen Zweifel, „dann stehe ich nicht mehr zur Verfügung, dann ist es nicht mehr meine Vision“. Die TG-Gründung habe Kraichgau-Stromberg eine Hängepartie beschert. „Die Werbekonzeption ist um ein Jahr zurückgeworfen worden, der Druck der neuen Prospekte hat noch nicht begonnen.“ Doch der streitbare Tourismuswerber fürchte weiteres Unheil für seinen Verein. Auch im Kreis Ludwigsburg gebe es Gespräche darüber, ob man nicht seine eigene touristische Flagge hissen will – für Metzger wäre das der „Todesstoß“ für Kraichgau-Stromberg in der bisherigen Form. Wenn die Tourismusregion „weiter zerfleddert“, sei nicht ausgeschlossen, dass Bretten – Sitz der Geschäftsstelle und ein wichtiger Finanzier des Vereins – Kraichgau-Stromberg den Rücken kehrt. „Das“, so Metzger, „ist aber nicht meine Entscheidung.“

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9 Antworten zu Metzger heizt Tourismusstreit an

  1. -el- sagt:

    Bill Bonner
    Ein Mensch ist nur so weise – und da dürfen Sie mich gerne jederzeit zitieren – wie er sich des Ausmaßes seiner Unwissenheit bewusst ist. Je weiser er ist, desto mehr hält er sich selbst für einen unwissenden Dummkopf. Der wirkliche Dummkopf hingegen hält sich selbst für weise, er denkt, dass er Dinge weiß, die er unmöglich wissen kann.

  2. -an-i sagt:

    Passt der alte Spruch „Elefant im Porzelanladen“ auch hierzu?

  3. f-h sagt:

    Der 6. Kommentar mm trifft. Metzger wurde zum Opfer seiner Tat, was ihm hoffentlich eine Lehre ist.

  4. mm sagt:

    Man beachte den feinen Unterschied zwischen der Berichterstattung der beiden Zeitungen. Hier Metzger der Streithahn und uneinsichtiger Verteidiger seiner Vision (der einzig wahren, natürlich) und in den BNN, Metzger, das arme Opfer der bösen Konkurrenten.
    Vielleicht lernt Herr Metzger jetzt das Gefühl kennen, das er mit seiner teilweise brutal und rücksichtslos ausgeübten Wirtschaftspolitik bei den Umlandgemeinden seines „Königreiches“ seit Jahren verbreitet.

  5. i-L sagt:

    Ich werde den Verdacht nicht los, daß der Vereinsvorsitzende Oberbürgermeister Paul Metzger Druck auf die Mitglieder ausübt. So etwas rächt sich im allgemeinen.

  6. ch.u. sagt:

    Herr Metzger will vom Amt des Vorsitzenden zurücktreten, wenn die Mitgliederversammlung seine Entweder-oder-Position nicht übernimmt. Na und?

  7. n-Or sagt:

    Der Visionär Metzger kommt mit seinen Visionen nicht weiter. Es reicht halt nicht mehr aufgrund der Beitragshöhe, für den Verein auch das absolute Sagen dadurch haben zu wollen. Die Höhe des Beitrages hat absolut keine Wirkung auf eine zwangsläufige Folge für die Annahme einer Allgemeinverbindlichkeit – keine Austritte – durch die übrigen Mitglieder.

  8. rt sagt:

    Auch wenn die Stadt Bretten „ein wichtiger Finanzier“ des Vereins ist, geht damit noch lange nicht ein Anspruch auf eine einzige allgemeingültige Meinung einher. Der Vorsitzende sollte sich einmal überlegen, weshalb ihm zahlreiche Gemeinden den Rücken gekehrt haben.

  9. b.z. sagt:

    Herr Metzger läßt seine verbalen Muskeln spielen. Die wecken die Lachmuskeln der Leser und anderer. Die „abtrünnigen“ Gemeinden folgen nicht mehr der Vision ihres Vereinsvorsitzenden und haben sich einer anderen Gemeinschaft angeschlossen. Das war ihr gutes Recht. Nicht mehr und nicht weniger.

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