Klingeltöne werden Schuldenfalle

Mahnende Worte im Unterricht der Faust-Schule in Knittlingen: Mobilfunk-Unternehmen ohne Geduld
KNITTLINGEN. Für Jugendliche ist es selbstverständlich, mit dem Handy zu telefonieren, per SMS zu kommunizieren und die neuesten Klingeltöne zu haben. Dass dies erhebliche Kosten verursachen und zur völligen Überschuldung führen kann, wird gern verdrängt. An der Faust-Schule in Knittlingen werden Siebt- und Achtklässlern die Auswirkungen der „Schuldenfalle Handy“ aufgezeigt.

Die jungen Menschen im Alter von 13 bis 24 Jahren in Deutschland stehen mit durchschnittlich 1810 Euro in der Kreide. Da es auf der Einkommensseite häufig sehr mager aussieht, bedeutet für viele Jugendliche schon eine einmalige Handy-Rechnung von 200 Euro den ersten Schritt in die Schuldenfalle. Dass die Mobilfunkanbieter mit Mahnungen, Inkassounternehmen und gerichtlichen Mahnverfahren schnell bei der Hand sind, gehört zu den leidvollen Erfahrungen der jungen Leute.

Wenn es soweit komme, dass der Gerichtsvollzieher klingelt und von den Eltern den ausstehenden Betrag einfordert, sind Schulden und Nebenkosten auf eine Summe gestiegen, die erheblich höher sei als die ursprünglich nicht bezahlte Handy-Rechnung. Dass junge Leute trotz Handy-Flatrate und günstigen SMS-Paketen in die Schuldenfalle geraten können, machten gestern Berater der Volksbank aus Maulbronn deutlich. Sie wiesen in drei Klassen in einem je eine Schulstunde langen Vortrag auf die Gefahren hin.

So sei es kürzlich selbst Kollegen in der Bank passiert, dass sie per SMS Klingeltöne bestellten und erst später bemerkten, dass sie laut Kleingedrucktem ein Zwei-Jahres-Abonnement bezahlen mussten. Das seien zwar nur wenige Euro pro Monat, doch insgesamt komme ein beachtlicher Betrag zusammen. An der Faust-Schule ist die Benutzung von Mobiltelefonen während der Unterrichtszeiten verboten.

Viele Schüler haben dennoch ihre Handys dabei. Gestern bewiesen die meisten, dass sie zumindest ein Grundwissen über Handyverträge haben. Auf die Frage, wer von ihnen den Vertrag selbst unterschrieben habe, kam aus der Klasse prompt ein vielstimmiges: „Dürfen wir doch gar nicht!“

Auswirkungen auf Berufsstart
Dabei wurde deutlich, dass die meisten Schüler zwar ein Handy haben, dieses aber nicht mit einem laufenden Kartenvertrag, sondern mit einer Prepaid-Karte ausgestattet ist. Der eine erhält monatlich eine 15 Euro-Gutschrift von den Eltern, der andere bezeichnete die Höhe seiner Telefonkosten als „fast nichts, weil ich kaum telefoniere“.

Ein großes Raunen ging durch den Saal, als die Berater einen kurzen Film über Jugendliche zeigten, die sich wegen gedankenloser Nutzung ihrer Handys völlig überschuldet hatten. Dies könne Auswirkungen auf das Berufsleben haben, war den wenigsten Schülern klar. Es gibt Verzeichnisse, in denen Schulden eingetragen und von den Personalchefs abgerufen werden können, um ihre Bewerber besser kennenzulernen.

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