Neue Konzepte — aber auch Entlastungsstraße

Verkehrssituation bleibt im Rathaus ein vordringliches Thema:
Bretten, (gm) „Wir tun alles, um den Verkehrsfluss in Bretten sicher zu stellen – ich bin offen für Gespräche“. Oberbürgermeister Paul Metzger hat das Thema Ortsentlastungsstraße keineswegs abgeschrieben, lässt aber zur Zeit erst einmal alle anderen Möglichkeiten prüfen, die die Brettener Verkehrssituation verändern könnten. Die hat sich zwar nach der Freigabe des Alexanderplatzes und des Kreisels an der Bahnhofstraße verbessert, lässt aber spätestens dann Wünsche offen, wenn wie Ende vergangener Woche Probleme auf der Autobahn auftreten. Eine Ortsentlastungsstraße — Metzger bleibt dabei — wäre ein probates Mittel, diese Probleme in den Griff zu bekommen.

Gegenwärtig allerdings lässt der OB untersuchen, ob die Schaltung der Ampelanlagen verbessert werden kann. Außerdem möchte Metzger den Ausbau der Bruckner- und Bahnhofstraße nach neuen städtischen Plänen vorschlagen: „Es gab dort schon eine große Straßenplanung mit einer Schneise quer durch die Wohnbebauung. Das lehnen wir ab. Wir wollen den Verkehr leiten, ohne in vorhandene Wohnstrukturen einzugreifen. Das spart im Übrigen dem Steuerzahler auch Geld, weil der Grundstückserwerb wegfällt“. Bei der Planung soll, so Metzger, der Stadtgestaltung verstärkt Rechnung getragen werden. „Mehr Grün und Gehwege“ sind die Stichworte, hinter denen sich die Idee verbirgt, eine durchgehende Grünachse vom Bahnhof bis zur Stadtmitte zu schaffen. Trotzdem ist der Verwaltungschef überzeugt, hier zwar einen weiteren Ansatz zur Verbesserung, aber keine wirkliche Änderung der Verkehrssituation zu scharfen:

„Damit haben wir alles getan, was die Bürger fordern – aber das reicht nicht aus“. Parallel zu diesen Überlegungen lädt eine Ausstellung im Neuen Rathaus zur Information in Sachen Ortsentlastungsstraße ein. Im November soll dann ein öffentliches Bürgergespräch folgen: „Wir werden in dieser Sache weiterarbeiten und weiter informieren. Wir konnten das, was vorbereitet war, ja nicht vortragen, nachdem der Scoping Termin vom Gemeinderat abgelehnt worden war“. Damit sei gleichzeitig auch die Hinterfragung und eventuelle Umgestaltung der Linienführung mit einer Minimierung der Eingriffe unmöglich gemacht worden: „So haben wir momentan keine Basis, auf der wir die Dinge weiter entwickeln können“. Metzger verweist erneut auf den kausalen Zusammenhang mit einem endgültigen Ausbau des Alexanderplatzes und greift besonders das Problem der Zufahrt zur Rechbergklinik auf: „Ich werde immer wieder damit konfrontiert, dass Ärzte und Rettungssanitäter eine ungebremste Zufahrt fordern. Eine Krankenhaus-Zufahrt über eine Straße mit Wohnbebauung bedeutet immer Zeitverlust – und manchmal können Sekunden oder Minuten über Tod und Leben entscheiden“.

Metzger hat ein weiteres Argument für eine Ortsentlastungsstraße bereit: „80 Prozent Zuschuss macht ein solches Projekt möglich. Wenn nichts passiert, bleibt es beim Bundesverkehrswegeplan, der irgendwann um 2020 realisiert werden könnte“. Und noch etwas: „Eine Ortsentlastungsstraße könnte vielleicht später auch als Anbindung an eine große Umfahrung dienen“.

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2 Antworten zu Neue Konzepte — aber auch Entlastungsstraße

  1. Polak sagt:

    „Man ist nie scharfsinniger, als wenn es darauf ankommt, sich selbst zu täuschen und seine Gewissensbisse zu unterdrücken.“ – François Fénelon, Die Erlebnisse des Telemach, 1699

  2. Lud. sagt:

    Man kommt beispielsweise von Pforzheim – vorzugsweise Autobahn Pforzheim Nord – und will zum Alexanderplatz. Das sind ungefähr drei Kilometer. Der Verkehrsteilnehmer muß dafür einiges bewältigen: 1. Kontaktampel Ruiter Straße, Zebrastreifen, 1. Ampelkreuzung, 2. Ampelkreuzung, 2. Kontaktampel, Ovalkreisel mit aufgemaltem Zebrastreifen, 3.Ampelkreuzung, Zebrastreifen, 3. Kontaktampel, Alexanderplatz.
    Wie soll der Straßenverkehr bei Fußgängern auf den Zebrastreifen fließen? Für den Verkehrsfluß interessant sind die Entfernungen in Metern zwischen den einzelnen Signalanlagen. Spätestens dann kann jedermann erkennen, daß durch derartige Installierungen auf engstem Raum nichts fleßen kann. „Grüne Welle“ funktioniert nur bei einer gewissen minimalen Verkehrsdichte. Bei zunehmender Verkehrsdichte bilden sich sofort Autoschlangen. Verkehr ist niemals statisch, sondern dynamisch. Er kann eben nicht mit den besten statischen Ampelschaltungen einen optimalen Ablauf erfahren. Das ist reines Wunschdenken. Genauso verhält es sich mit einer noch geplanten Ortsentlastungsstraße. Wenn diese bei starker Nutzung irgendwo einmündet, beginnt dort der Superstau. Die Ortsentlastungsstraße frißt Boden und somit Landschaft auf und bringt vorab 80 Prozent an Zuschüssen.

    Genau um diese achtzig Prozent geht es Herrn Metzger vordringlich!

    An der Verkehrssituation wird sich absolut nichts ändern. Denn die Geister – Autobahn Pforzheim Nord – die man laut gerufen hat, wird man nie wieder los. Ein Großteil der Brettener Verkehrsprobleme resultiert aus dieser tollen Autobahn – Verkehrsanbindung. Eine echte Maxime wäre Verkehrsverhinderung durch ein Umdenken in der Brettener Verkehrsplanung und nicht der vergebliche Versuch, mit untauglichen Mitteln Straßenverkehr allseits verträglich in den Griff zu bekommen.

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