Auf sicherem Grund steht nur ein Teil des Rathauses

25 Jahre nach dem Einzug muss nachgebessert werden
Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Baier
Bretten. Ein Riss zieht sich durchs Brettener Rathaus – und das im wahrsten Sinne des Wortes: Die Dehnungsfuge zwischen den Gebäudeteilen klafft so weit, dass stellenweise das elastische Dichtmittel gerissen ist. Das Rathaus, vor einem Vierteljahrhundert bezogen, steht teilweise auf unsicherem Grund. Im unteren Teil auf Schwemmland des Saalbachtals, im oberen Teil auf festem Lehm und Fels. Ein Bodengutachten, vor Baubeginn erstellt, ließ erwarten, dass sich der Boden unter dem Südflügel durch das Gewicht zwar zunächst setzen, nach einigen Jahren aber zur Ruhe kommen werde. Ein Kalkül, das nicht aufging. Rund sieben Zentimeter beträgt mittlerweile der Höhenunterschied zwischen den am weitesten voneinander entfernten Ecken.
Der sinkende Grundwasserspiegel schien als alleinige Ursache dafür nicht in Frage zu kommen. Und so gab die Stadtverwaltung kürzlich erneut ein Bodengutachten in Auftrag, ließ rings ums Rathaus Löcher bohren, um zu erkunden, wie es darunter aussieht. Zutage kam eine ausgesprochen problematische Bodenschicht, die man aber bei der Untersuchung vor gut 25 Jahren nicht entdeckt hatte. „Nur deshalb ist man damals mit Streifenfundamenten und ohne teure Pfahlgründung ausgekommen“, erklärt Gunter Lange, Leiter des Stadtbauamtes und maßgeblich an Planung und Bau des Rathauses beteiligt. Nun aber sei klar, dass der Boden auch künftig nicht zur Ruhe kommt.
Wie man das weitere Absinken des Südflügels verhindern kann, steht noch nicht fest. Wahrscheinlich aber wird mit Zement-Injektionen gearbeitet, die die Untergrund stabilisieren.
Vom nachgiebigen Baugrund abgesehen, ist das Brettener Rathaus ganz gut über die ersten 25 Jahre gekommen: Natürlich weist der Teppichboden, der, wie damals üblich, im gesamten Haus verlegt ist, Gebrauchsspuren auf. Natürlich mussten Fenster gestrichen und Sonnensegel erneuert werden, es gab undichte Stellen im Flachdach über dem Ratssaal und einen Wassereinbruch im Stadtarchiv. In den Lampen leuchten mittlerweile Energiesparbirnen. Aber die die Wärmeisolierung ist noch immer dieselbe wie Anfang der 80er Jahre. Damals waren die Standards deutlich niedriger als heute. Mit den steigenden Energiepreisen aber wird auch die Frage nach einer Verbesserung der Wärmedämmung des Rathauses aktuell. Geschehen könnte dies insbesondere durch den Austausch der alten Fenster. Je teurer das Gas wird, umso früher wird sich diese Maßnahme rentieren.
Dringender erscheint Mitarbeitern des Rathauses aber, gegen zu viel Wärme an ihrem Arbeitsplatz vorzugehen. Beim Rathausbau war den Stadtvätern eine Klimatisierung als zu teuer erschienen. Weder sich selbst genehmigten sie eine solche Anlage zur Kühlung des großen Sitzungssaales, noch den Mitarbeitern der Stadtverwaltung für ihre Büros. Doch schon bald kamen Klagen über unzumutbare klimatische Bedingungen insbesondere in den Räumen unterm Dach. Die heißen Sommer der vergangenen Jahre haben die Klagen der städtischen Mitarbeiter lauter werden lassen. „Sowohl das Thema Energiesparen wie auch die Klimatisierung müssen angegangen werden“, erklärt Oberbürgermeister Paul Metzger.
In einem weiteren Bereich ist die Nachrüstung längst erfolgt: Als das Rathaus geplant wurde, waren Telefon, Schreibmaschine und Tischrechner der Stand der Technik im Büro. Heute gibt es im Rathaus kaum mehr einen Arbeitsplatz ohne Computer, und sämtliche Rechner sind untereinander durch ein Netzwerk verbunden. Doch für die erforderlichen Leitungen gab es kaum Kabelkanäle.
„Das hat erhebliche Investitionen notwendig gemacht, das Netzwerk nachträglich einzubauen“, erinnert sich der OB. Zu den Ausgaben auf diesem Gebiet gehörte auch eine neue Mikrofonanlage für den Ratssaal.

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2 Antworten zu Auf sicherem Grund steht nur ein Teil des Rathauses

  1. S. sagt:

    Der Nachfolger kann so weiter machen! 🙂

  2. S. sagt:

    Endlich eine Baustelle im Rathaus! Ein weites Betätigungsfeld für den Hausherrn. In Arbeitskleidung, Sicherheitshelm und Sicherheitsschuhen kann er sich nach Belieben in den Unterbau begeben und mithelfen. Er wird gewiß – wie auch schon in der Vergangenheit unter Beweis gestellt – seine ungetrübte Freude daran haben. Und das sollte man ihm auch gönnen.

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