Hier wüteten Maschinen gegen wehrlose Bäume

Bürger ärgert Fällaktion im Gebiet „Steiner Pfad“
Von Arnd Waidelich und Thilo Kampf
Bretten. Die Aufregung war bei Hans Leonhardt groß. Platt gewalzt war ein Gutteil der Bäume auf seinem Grundstück „Am Steiner Pfad“. Erschließungsmaßnahmen für das gleichnamige Neubaugebiet hatten ihren Tribut gefordert. Der Zorn des Brettener Baumwarts richtet sich nicht so sehr gegen die Maßnahme als solche, sondern vielmehr gegen den Zeitpunkt. „Hier wüteten Baumaschinen gegen wehrlose Bäume, die kurz vor der Ernte standen. Mancher Besitzer hatte sich schon auf seine Früchte gefreut“, steht Hans Leonhardt immer noch die Zornesröte im Gesicht.
Teils 55 Jahre alte Apfel- und Birnbäume, Walnuss-, Zwetschgen- und Mirabellenbäume, die sich unter ihrer Obstlast nur so beugten, seien der Fällaktion zum Opfer gefallen, klagt Leonhardt, der sich auf fünf bis sechs Zentner Äpfel pro Baum gefreut hatte. Nicht nur er habe einen „enormen Ausfall“ dadurch zu beklagen, dass das Obst nicht mehr bei der Lohnmosterei abgegeben werden könne. Dies sei umso ärgerlicher als abzusehen sei, dass die Erschließungsmaßnahmen jetzt sowieso für einige Zeit wegen der Bauferien ruhen würden.
Der Bürgerarbeitskreis Bretten zeigt sich mittlerweile nicht minder verärgert. „Hier wird eine Streuobstwiese in der Vegetationsperiode brutal und rücksichtslos abgeholzt,“ heißt es auf seinen Internet-Seiten.

Im Zuge der Maßnahme war auch ein Biotop im „Steiner Pfad“ zerstört worden (die BNN berichteten). Brettens Grünen-Chef Otto Mansdörfer hatte sich umgehend an Oberbürgermeister Paul Metzger gewandt und kritisiert, dass Streuobstflächen mitten in der Vegetationsperiode gerodet würden. Zudem wunderte sich Mansdörfer, dass „auch die künftigen Bauflächen, die erst in zehn Jahren bebaut werden, bereits jetzt komplett abgeräumt werden“. Dies sei eine „in Bretten bislang völlig unübliche und unnötige Vorgehensweise“. Seiner Ansicht nach, so Mansdörfer weiter, würde es völlig genügen, lediglich die Straßen-Trassen abzuräumen.
Der Erschließungsträger habe entgegen dem städtischen Bauzeitenplan den Auftrag falsch ausgeführt. Mit dieser Maßnahme hätte schon im Februar oder März begonnen werden sollen, bestätigte Metzger gegenüber den BNN. Aufgrund der Verzögerungen beim Baubeginn sei dies aber nicht möglich gewesen.

Ihm persönlich, erklärte der OB, habe „ das genauso weh getan, als ich sah, dass voll tragende Bäume gerodet wurden“. Im gleichen Atemzug verweist Metzger aber auch darauf, dass alle Grundstückseigentümer über den Beginn der Arbeiten informiert worden seien.
Die Stadt bemühe sich in der Regel, solche Maßnahmen außerhalb der Vegetationszeit durchzuführen. „Aber hier geht es um sehr, sehr viel Geld“, wirbt der OB weiter um Verständnis. Die Stadt habe ein enormes Interesse an der schnellen Abwicklung. Bretten sei darauf angewiesen, dass das Gebiet so schnell als möglich erschlossen werde.

Deshalb werde – so weit er informiert sei – „Am Steiner Pfad“ zügig und ohne Bauferien weitergearbeitet, denn schließlich solle die Erschließung schon in sieben Monaten (ursprünglich waren 14 bis 15 Monate geplant) abgeschlossen sein. Nicht zuletzt im Interesse all der Bauwilligen, die laut Metzger eine „erstaunlich hohe Nachfrage“ nach den Bauplätzen signalisiert hätten.
Der OB kündigte an, sich außer an der Baustelle des neuen Kreisels in der Pforzheimer Straße auch regelmäßig bei „Kontrollgängen“ über den Stand der Dinge im Baugebiet „Steiner Pfad“ zu informieren.

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1 Antwort zu Hier wüteten Maschinen gegen wehrlose Bäume

  1. ghg sagt:

    Herr Metzger trägt die alleinige Verantwortung für das Desaster. Als die Verzögerung sichtbar wurde, hätte er sich unverzüglich um einen neuen Erschließungträger oder einen neue Baufirma bemühen müssen, um in seinem eigenen vorgegebenen Bauzeitenplan zu bleiben. Hierüber mußte der Gemeinderat vorab unterrichtet und einbezogen werden.
    Die Kosten – auch die Mehrkosten – für den Wechsel des Erschließungsträgers und/oder der Baufirma hätten diese als die Verursacher tragen müssen. Insoweit ist die vollmundige Erklärung von Herrn Metzger gegenüber den BNN absolut nichtssagend und bedeutungslos.
    Die von der Stadt Bretten so Geschädigten sollten eigentlich wissen, was sie wegen des Ausfalls ihrer Erträge unternehmen können.

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