Wartelisten bei Betreuung der Kleinsten aber kein Geld von der Stadt

Kindergartenbedarfsplan ohne Zugeständnisse:
Bretten. (gm) „Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz in Bretten kann problemlos erfüllt werden“ – zu diesem Fazit im Bereich der Drei – bis Sechsjährigen kommt die Verwaltung im diesjährigen Kindergartenbedarfsplan. Oberbürgermeister Paul Metzger sieht das noch ein bisschen optimistischer. „Wir haben in ganz Baden-Württemberg das beste Angebot für Kinder unter sechs Jahren“. Und auch Bürgermeister Willi Leonhardt unterstreicht die Einschätzung, dass Bretten im Vergleich mit anderen Kommunen sehr gut dasteht: „Wir haben viel getan und sind in der Betreuung der Unter Dreijährigen freiwillig vorgeprescht“. Dennoch gibt es in der Gemeinderats – Vorlage zum Kindergartenbedarfsplan einige Knackpunkte, die für Diskussionsstoff sorgen werden. Denn die Verwaltung schlägt vor, sowohl die Krippengruppen der privaten Kindertagesstätte „Schneckenhaus“ von der städtischen Förderung auszuschließen, als auch die zehn Plätze des privaten Kindergartens „Haus Regenbogen“ und die beantragte Krippengruppe der privaten Kindertagesstätte FAM nicht in den Bedarfsplan aufzunehmen.

„Die Stadt Bretten kann sich zu Recht als kinder – und familienfreundliche Stadt bezeichnen“ so Metzger und Leonhardt, die auf ein Betreuungsangebot verweisen, „das schon immer weit über die gesetzlichen Vorgaben von Bund und Land hinausging“. Trotzdem beklagen viele junge Eltern eine Lücke, die zur Zeit fast nur über private Einrichtungen geschlossen werden kann – und das zu einem für manche nicht aufzubringenden, kostendeckenden Beitrag. Es geht um Krippen- und Tagespflegeplätze für die Allerkleinsten. Und es geht, so die Klage von Heike Dörsam, der Leiterin des „Schneckenhauses“, um die Gleichbehandlung: „Man kann nicht den einen bezuschussen und den anderen am langen Arm verhungern lassen“. Heike Dörsam, die auch die Kindertagestätte in Sprantal leitet, stört sich an einer „nachträglichen Subventionierung von Krippengruppen“, denn in Neibsheim soll eine Regelgruppe in eine altersgemischte Gruppe ab zwei Jahren umgewandelt werden – mit städtischer Förderung. Die Privaten stehen immer knapp am Rand der roten Zahlen: „Wir sind froh, wenn wir am Ende des Jahres eine schwarze Null haben“. Dazu wird auch schon mal freiwillig auf Weihnachtsgeld verzichtet, aber, so Heike Dörsam, „die Gehälter der Erzieherinnen können wir nicht kürzen“. Dörsam stört sich auch an der Aussage der Stadt, der Bedarf sei gedeckt: „Wir haben eine Warteliste von 27 Kindern. Bei uns stehen schon Schwangere vor der Tür und wollen einen Platz für ihr Kind reservieren“.

Sorgen hat man auch im Haus Regenbogen, das ebenfalls auf Wartelisten verweist. Die schwierige Finanzlage würde mit der Ablehnung im Gemeinderat noch verschärft. Ob man dann die soziale Komponente für einkommensschwache Familien, die nur die Hälfte an beitrag bezahlen müssen, beibehalten kann, muss man noch klären. „Einsparungen vornehmen“, setzt Steffen Eichenberg vom Vorstand als Ziel. Ob das allerdings hilft? Denn die städtische Förderung orientiert sich an den Betriebsausgaben, wird also bei eigenen Einsparungen gekürzt.

Ähnliche Erfahrungen mit Wartelisten und finanziellen Sorgen machen auch die beiden anderen privaten Einrichtungen. „Wir könnten gut noch eine zweite Einrichtung aufmachen“, beschreibt man die Situation. Oberbürgermeister Paul Metzger bedenkt die privaten Initiativen zwar mit viel Lob, eine Hilfe zur Finanzierung kann er sich aber nicht vorstellen: „Wir haben momentan nicht die Kraft, jede Idee zu unterstützen. Uns laufen die Kosten davon.“. Das „kinderfreundliche Baden-Württemberg“ von Ministerpräsident Oettinger ist für Metzger ein Reizwort: „Das ist Geschwätz. Das soll er erst mal finanzierbar machen. Und das geht nur über eine Änderung des kommunalen Finanzausgleichs“.

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2 Antworten zu Wartelisten bei Betreuung der Kleinsten aber kein Geld von der Stadt

  1. Sybille Hildner, Ispringen sagt:

    Ich gehöre auch zu den zitierten Schwangeren, die sich jetzt schon Sorgen um die Unterbringung ihres Einjährigen machen müssen, wenn dann 2008 die Rückkehr in den Beruf ansteht. Mag ja sein, daß der Bedarf für über 3-jährige abgedeckt oder derzeit sogar überdeckt ist – das liegt aber ja auch an den zurückgehenden Kinderzahlen!
    Hier sollten sich die Zuständigen in der Gemeindeverwaltung doch sehr gründlich Gedanken machen, ob sie nicht ihre Förderungspolitik an die sich abzeichnenden Tendenzen anpassen: nämlich daß immer mehr Bedarf an Betreuungsplätzen für Ein- bis Zweijährige besteht.
    Wer dies anbietet, sollte auch in den Gemuß öffentlicher Förderungen kommen. Insbesondere wenn das neue Gesetz zum Elterngeld in Kraft tritt und seine Wirkung tut, werden viele berufstätige Eltern nach Ablauf des Bezugszeitraums von 12-14 Monaten einen Platz für ihren Nachwuchs benötigen. Meiner Meinung nach denken hier die Verantwortlichen immer noch viel zu kurzsichtig und zu sehr in traditionellen Bahnen. Umdenken tut Not!

  2. -an-i- sagt:

    Man hat das Gefühl, wenn eine private Initiative in Bretten funktioniert dann wird sie politisch oder kirchlich unterwandert – siehe auch den Tafelladen.
    Ist es so schlimm, wenn man aufzeigt, dass es auch anders geht? Und das es anders geht, beweist in diesem Fall die Warteliste.
    Werden dadurch die etablierten Einrichtungen, die viel Steuergeld bekommen, unglaubwürdig? Nichts ist unmöglich.
    Wenn sich der Gemeinderat mit den vorgelegten Zahlen zufrieden gibt und nicht, beispielsweise von außen geprüfte betriebswirtschaftlichen Ergebnisse analysiert, nach Details und nach Ursachen forscht, dann kommt das heraus was von der Verwaltung gewünscht wird. Obwohl Herr Metzger nur eine Stimme im Gemeinderat hat.
    Die Betroffenen müssen sich allerdings fragen, welchem Gemeinderat sie ihre Stimme bei der Wahl gegeben haben und wie sich er/sie jetzt verhält oder abstimmt. Und der Rest? Kindergarten . . . ?

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