Federal Mogul: Mitarbeiter blockieren Maschinenhalle

Der Automobil-Zulieferer plant die Schließung des Standorts Bretten / Produktion soll nach Ungarn verlagert werden
Von unserem Redaktionsmitglied Thilo Kampf

Bretten. Die Lage bei der Firma Federal Mogul spitzt sich zu: Nachdem dem Betriebsrat bekannt wurde, dass in diesen Tagen Anlagen und Maschinen in Bretten abgebaut und nach Ungarn transportiert werden sollten, handelten die Arbeitnehmervertreter – und organisierten eine Blockade. Rund 60 der insgesamt knapp 200 Mitarbeiter nahmen nach Aussage von Betriebsratsvorsitzendem Özkan Cengiz an der Aktion am gestrigen Vormittag teil. „Das war fast die ganze Produktion.“
Besonders freute den – kürzlich in seinem Amt bestätigten – Betriebsrats-Chef, dass die Belegschaft sogar einen Teil ihrer Freizeit opferte, um nicht arbeitsrechtlichem Druck ausgesetzt zu sein. Diejenigen, die gestern normal arbeiteten, nutzten ihre Pause, um sich an der Blockade und dem anschließenden kurzen Protestmarsch zu beteiligen.
Auf zahlreichen Transparenten machten die Mogul-Mitarbeiter auf ihre Situation aufmerksam. „Der Konzern vernichtet Arbeitsplätze“ war ebenso zu lesen wie die Forderung „Hört endlich auf, uns zu belügen!“. Letzteres erklärt sich Cengiz damit, dass es vor noch gar nicht langer Zeit eine mittelfristige Standort-Garantie gegeben habe. Zumindest die Entwicklungsabteilung für ganz Europa sowie die Gummi-Mischerei für den Gesamtkonzern sollten in Bretten bleiben, hatte es vor einigen Monaten noch geheißen.
Bereits in der Vergangenheit hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, dass das gesamte Werk Bretten aufgrund mangelnder Rentabilität geschlossen würde. Davon wären dann 200 Mitarbeiter und ihre Familien betroffen.

Der Betriebsratsvorsitzende schätzt die Situation indes anders ein: Das Werk Bretten habe seine finanziellen Rückstände völlig abgebaut und erziele wieder höhere Umsätze. Das Problem sei aber offenbar die – nach Ansicht der Aktionäre des US-Konzerns – zu geringe Rendite, vermutet Cengiz.
Die Verantwortlichen des Gesamt-Unternehmens sollten sich endlich konkret zur Zukunft des Standorts Bretten äußern. „Wir werden immer nur hingehalten. Das kann so nicht weiter gehen.“ Es werde auch in Zukunft solche Aktionen geben, kündigte der Arbeitnehmer-Vertreter an: „Wir werden das jetzt jede Woche machen.“

Dass sich die Betriebsräte dabei auf ihre Belegschaft stützen können, wurde einmal mehr bei den Wahlen vor einigen Tagen deutlich. Özkan Cengiz wurde dabei nicht nur als Vorsitzender bestätigt, sondern auch als Mitglied des Konzern-Betriebsrats gewählt. Stellvertretender Vorsitzender wurde Tino Schirrmeister, weiterhin gehören Martina Hendrischke, Elli Krauss, Ralf Lohner, Bilal Yeminici, Gaetano Fisichella, und Joachim Vogel dem Gremium an.
Der zuständige Arbeitsdirektor bei der Holding GmbH in Burscheid, Friedel Martiny, war gestern für die BNN nicht zu sprechen.

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4 Antworten zu Federal Mogul: Mitarbeiter blockieren Maschinenhalle

  1. S. sagt:

    Eine effiziente Wirtschaftsförderung besteht leider nicht nur darin, Sonnenblumen zu pflanzen und ein gut sichtbares Plakat am Alexanderplatz aufzustellen.

  2. i-L sagt:

    Wirtschaftsförderung in Bretten ist doch Chefsache. Also ist die Auszeichnung im 2. Kommentar Herrn Metzger zu verleihen. Es muß immerhin alles seine Richtigkeit haben.

  3. n-z sagt:

    Die Brettener Wirtschaftsförderung hat auch hier hervorragende Arbeit zur Sicherung von Arbeitsplätzen geleistet. Wenn es einen geben würde, so könnte sie sich den Wirtschaftsförderungs-Orden von ihrem obersten Chef an die Brust heften lassen.

  4. -rl- sagt:

    War da nicht unser OB Metzger damals bei der Krisensitzung? Das wurde doch in der Zeitung erwähn. Was dabei herauskam natürlich nicht. Das musste man jetzt erst lesen. Das Unternehmen schließt in Bretten seine Pforten und die Brettener Wirtschaftsförderung konnte das nicht verhindern.

    Vielleicht hätte die Brettener Komunallbau GmbH das Anwesen kaufen sollen und an die Firma vermieten. Das scheint die Praxis in Bretten zu sein, obwohl die Gemeindeprüfungsanstalt richtig bemerkt, dass „nicht Aufgabe einer Kommune oder einer Beteiligungsgesellschaft sein kann, Unternehmen der Privatwirtschaft das unternehmerische Risiko abzunehmen…“

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