Eltern sehen höheren Bedarf an Ganztagsbetreuung

Brettener Gemeinderat billigte Kindergarten-Planung
Von unserem Redaktionsmitglied Thilo Kampf
Bretten. Für Diskussionsstoff sorgte der Bedarf splan 2005/2006 für die Brettener Kindergärten im Gemeinderat. Dazu trugen vor allem die rund 50 Zuhörer bei, die sich in der Bürgerfragestunde massiv gegen die in diesem Plan genannten Zahlen für den Kindergarten „Haus Regenbogen“ wandten: Die Stadt habe dieser Einrichtung, deren Träger der Verein für eine Freie Pädagogik ist, lediglich für 25 Plätze Zuschüsse zugesagt, obwohl dort mittlerweile 35 Kinder (fast alle aus Bretten) betreut würden.
Zahlreiche Fragesteller kritisierten, dass gerade eine Einrichtung, die eine Ganztagsbetreuung anbiete, nicht so stark gefördert werde, wohingegen in anderen Kindergärten nicht alle Plätze besetzt seien. „Ist es der Stadt lieber“, fragte etwa eine nach eigener Aussage allein erziehende Mutter, „dass ich nicht mehr ganztags arbeiten gehen kann und stattdessen lieber daheim bei meinem Kind bleibe und Sozialhilfe beziehe?“. Andere forderten, dass die Stadt auch „Formen alternativer Erziehung“ unterstützen solle. Offensichtlich gebe es da einen großen Bedarf, denn allein in Bretten existierten bereits drei Kindergärten, die weder kommunale noch kirchliche Träger hätten.

Zudem gebe es in ganz Bretten keine Einrichtung, die auch Kinder unter drei Jahren ganztags betreue, warf eine Vertreterin des „Haus Regenbogen“ der Verwaltung vor. „Auf unserer Warteliste stehen über 40 Kinder“.

Oberbürgermeister Paul Metzger (CDU) wies die Vorwürfe, der Bedarfsplan gehe an der Realität vorbei, zurück: „Am Bedarfsplan waren alle Kindergarten-Träger beteiligt.“ Im Übrigen, so Metzger, erhalte das „Haus Regenbogen“ pro Kind deutlich höhere Zuschüsse als andere Kindergärten, da für die an die Waldorf-Pädagogik angelehnte Betreuung mehr Personal benötigt würde. „Wir werden diesen Zuschuss auch nicht ändern. Aber wir haben
nur für 25 Kinder den Bedarf anerkannt.
Unmut in Teilen des Gemeinderats lösten die von Metzger genannten Vergleichszahlen aus: So beträgt der durchschnittliche Förderzu-schuss der Stadt pro Kind und Jahr 2500 Euro, das „Haus Regenbogen“ erhalte aber über 5 800 Euro pro Kind und Jahr. Es könne im Prinzip „eigentlich nicht sein, dass die Masse für eine besondere Pädagogik zahlt“.
Bürgermeister Willi Leonhardt räumte ein, dass es bei den drei- bis sechsjährigen Kindern „sogar einen Überhang an freien Plätzen“ gebe. Andererseits sehe er einen Bedarf für die Betreuung von unter Dreijährigen. „Wir haben gesagt, dass wir auch diese Plätze fördern und mit 63 Prozent der Betriebskosten bezuschus-sen wollen.“ Deshalb hätten Verwaltung und Träger die Zahlen ermittelt. „Aber so deutlich wie heute wurde damals der Bedarf an Ganztagsbetreuung nicht dargestellt.“
Der Gemeinderat beschloss schließlich die von der Verwaltung vorgeschlagenen Änderungen in den Brettener Kindergärten (so wird beispielsweise die Gruppenzahl in der „Drachenburg“ auf drei reduziert und es werden teilweise die Öffnungszeiten von Kindergärten verlängert) und forderte die Verwaltung auf, rasch einen modifizierten Bedarfsplan aufzustellen. Das hatte unter anderem SPD-Sprecher Heinz Lang gefordert.

Vergeblich hatten sich Frank Altenstetter (Freie Wähler) und Otto Mansdörfer (Grüne) zuvor für das „Haus Regenbogen“ stark gemacht: „Wenn eine Kommune die Geburtenrate erhöhen und Familien locken will, muss sie solche Ganztagsangebote voll unterstützen“, sagte Altenstetter. Und für Mansdörfer haben Kindergärten mit Ganztagsbetreuung „eine wachsende Bedeutung für die Erwerbstätigkeit hochqualifizierter Frauen“.
Dem laut OB Metzger „populistischen“ Antrag Altenstetters, alle 35 Plätze im „Haus Regenbogen“ voll zu bezuschussen, wollte sich der Gemeinderat indes nicht anschließen.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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1 Antwort zu Eltern sehen höheren Bedarf an Ganztagsbetreuung

  1. Matthias Menzel sagt:

    Was ist ein populistischer Antrag ?
    Als Populist ( von populus = das Volk) wird ein Politiker bezeichnet,der mit populären Schlagworten und vagen Versprechungen, durch Vereinfachungen, Pauschalisierungen und Emotionalisierung um die Gunst des Wählers buhlt. Ihm wird somit unterstellt,dass seine politischen Äußerungen die anstehenden Probleme nicht richtig darstellen und nicht nachhaltig lösen. Populisten richten sich an breite Masse, appellieren an Instinkte und bedienen Vorurteile, anstatt die in Wirklichkeit komplexeren Probleme realistisch darzustellen.
    Heute ist „populistisch“ in der politischen Kommunikation ein Schimpfwort, die Aussage OB Metzgers also durchaus als bewusste Beleidigung eines Stadtrates zu werten. Auch wenn man erkennen muss, dass man seinem Diskussionsgegner nicht ebenbürtig ist, sollte es andere Möglichkeiten wie Beleidigungen und Entzug von Rederecht geben. Dieses Verhalten des Herrn Metzger zeugt von einer nicht ausgereiften demokratischen Grundhaltung.

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