Unser Betriebsrat müsste eigentlich zurücktreten

Massive Vorwürfe aus der Federal-Mogul-Belegschaft
Von unserem Redaktionsmitglied Thilo Kampf
Bretten. Die Mitarbeiter der Firma Federal Mogul (früher: Glöckler Dichtsysteme) sind wütend auf ihre Arbeitnehmervertreter: Bei der Auswahl der 62 Mitarbeiter, die kürzlich ihre Kündigungsschreiben erhielten, habe der Betriebsrat mit der Geschäftsleitung „gemauschelt“, denn es seien weder Ehepartner noch weitläufige Angehörige von Betriebsräten bei den Entlassenen gewesen. Ursprünglich habe es aber geheißen: Wenn ein Paar bei Federal Mogul beschäftigt ist, muss einer der beiden gehen, berichteten mehrere Mitarbeiter (die Namen sind der Redaktion bekannt) den BNN.
Weiterhin wirft die Belegschaft dem Betriebsrat vor, die Kollegen belogen und „bis zum Schluss in Unwissenheit“ gelassen zu haben. „Die haben immer so getan, als ob sie hinter uns stehen“, klagt beispielsweise eine langjährige Mitarbeiterin, „und behauptet, sie hätten keinen Sozialplan unterschrieben. Das war aber gelogen.“ Die Stimmung in der Belegschaft gäre derzeit, räumt ein anderer Mitarbeiter ein: „Unser Betriebsrat müsste eigentlich zurücktreten“. In anonymen Aushängen in der Firma habe „das Team“ denn auch das Gremium aufgefordert, „freiwillig auf Euer unnötiges Dasein“ zu verzichten.
Besonders sauer stößt den Mogul-Mitarbeitern auf, dass der Betriebsrat „einfach alles unterschrieben“ habe, was ihm die Geschäftsleitung vorgelegt habe. Die Vorschläge aus den Reihen der Belegschaft, beispielsweise freiwillig eine halbe Stunde länger zu arbeiten, seien dagegen „nie geprüft“ worden.

Die massiven Vorwürfe ihrer Kollegen weist Betriebsratsvorsitzende Petra Kammerer indes zurück: Um den Standort für die verbleibenden knapp 200 Mitarbeiter überhaupt zu erhalten, habe der Betriebsrat mit dem Arbeitgeber einen Interessenausgleich abgeschlossen. Die Geschäftsleitung habe daraufhin eine Liste mit den zu kündigenden Mitarbeitern er-
stellt und sich dabei eben „gewisse Leistungsträger ausgesucht, die sie braucht.“
Der Betriebsrat habe dabei gegenüber der Geschäftsleitung „niemanden namentlich genannt“, erklärt Petra Kammerer. „Man kann uns da nichts nachweisen.“ Dass es keine Kündigungen von Angehörigen von Betriebsräten gegeben habe, sei „reiner Zufall“. Im Übrigen könne jeder, der dies wolle, bei der Geschäftsleitung die Liste einsehen.
Als Antwort auf das anonyme Schreiben („Wenn man schon etwas aushängt, sollte man auch so fair sein, es zu unterschreiben“) habe der Betriebsrat ein Schreiben verfasst, in dem er Verständnis für die Unruhe in der Belegschaft äußert. Es sei freilich frühzeitig bekannt gewesen, dass es Entlassungen geben werde. Zudem habe der Betriebsrat einen „sehr guten Sozialplan abgeschlossen“, der für die Entlassenen unter anderem Abfindungen vorsieht.
An Rücktritt denkt die Betriebsratsvorsitzende nach eigenem Bekunden nicht: „Ich lege doch wegen so einer Situation nicht mein Amt nieder. Nächstes Jahr im Frühjahr endet mein Amt. Und dann kann ja jeder kandidieren.“
Dass den Betriebsrat bei Federal Mogul „kein Verschulden trifft“, meint Gabi Weberbauer von der IG Metall Bruchsal. Der Betriebsrat habe „nur die Aufgabe, soziale Nachteile zu lindern“. Aber die Entscheidungen treffe der Arbeitgeber. Die Belegschaft sei über jeden Schritt informiert worden.
Geschäftsführer Andreas Heuschele („Wir haben kein Agreement mit dem Betriebsrat. Das wäre ungesetzlich“) bezeichnete die Kündigungen als „einzige Chance, das Ausbluten zu stoppen.“ Jetzt gelte es, „wieder durchzustarten“, um den Standort Bretten zu sichern.
Oberbürgermeister Paul Metzger zeigte sich gegenüber den BNN „betroffen über den weiteren Stellenabbau“. Als OB habe er aber „keine Möglichkeit, auf globale Entwicklungen einzuwirken“. Es habe aber „von unserer Seite auch Gespräche mit der Geschäftsleitung gegeben, um zu retten, was zu retten ist“.

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