Fürs Wachstum hat Bretten nur wenig Fläche gebraucht

Recycling von Industriebrache statt neuer Gebiete
Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Baier
Bretten. Wachstum braucht Fläche – eine Tatsache, die vielen Menschen zunehmend Sorge bereitet. Die Stadt Bretten ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Doch ihr Verbrauch an Fläche ist dabei sehr moderat geblieben. Das hat jetzt Oberbürgermeister Paul Metzger bei einem Vortrag vor der Deutschen Agrarsozialen Gesellschaft in Ludwigsburg belegt: Für jeweils hundert neue Einwohner wurden seit 1989 in Bretten 2,38 Hektar Landschaft verbraucht. Zum Vergleich: Bruchsal benötigte für das selbe Wachstum 2,69 Hektar, Bühl 2,86 Hektar. In Ettlingen waren es sogar 2,97 Hektar, in Gaggenau mehr als fünf. Die Vergleichszahl für ganz Baden-Württemberg beträgt 3,3 Hektar, wobei die Region mittlerer Oberrhein mit 2,49 den gunstigsten Wert im Lande hat.

Möglich gewesen sei diese geringe Inanspruchnahme der Landschaft durch‘ das kommunale Flächenmanagement, erklärt OB Metzger, dessen „Industriekarussell“ Mitte der achtziger Jahre diese Entwicklung eingeleitet hat. Statt neue Gebiete zu erschließen habe die Stadt Bretten insgesamt 35 Hektar Industriebrache gekauft, mit großen Aufwand saniert und dann reaktiviert. Allerdings habe dies auch viel Geld verschlungen. 39,5 Millionen Euro habe Bretten bis 2004 für diese Aufgabe ausgegeben, l 400 Euro pro Einwohner. Im gleichen Zeitraum flössen 21,6 Millionen Euro Sanierungszuschüsse und Verkaufserlöse in die Stadtkasse zurück. OB Metzger hofft, dass die Bilanz sich durch weitere Verkäufe noch günstiger darstellen wird.

Viele Zuhörer bei der Frühjahrstagung der agrarsozialen Gesellschaft in Ludwigsburg seien darüber erstaunt gewesen, dass es möglich ist, Wachstum und geringen Flächenverbrauch zu vereinen, berichtet der Brettener OB. Denn die in dieser Organisation zusammengeschlossenen Landwirte haben großes Interesse daran, dass Ackerflächen möglichst geschont werden.
Wegen der vielen bürokratischen Restriktionen machten aber viele andere Kommunen einen großen Bogen um das Recycling ihrer Industriebrachen. Als „Modellfall“ habe der Präsident der Gesellschaft, Dr. Hans-Hermann Bentrup, das Brettener Flächenmanagement bezeichnet, freut sich Metzger. Bentrup habe angekündigt, die Stadt im Kraichgau für den bundesweiten Wettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“ vorzuschlagen.

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1 Antwort zu Fürs Wachstum hat Bretten nur wenig Fläche gebraucht

  1. Matthias Menzel sagt:

    Und wenn er es noch so oft gebetsmühlenhaft wiederholt, der Flächenverbrauch in Bretten liegt und das laut Zahlen des unabhängigen statistischen Landesamtes in Stuttgart, pro Kopf bei 408 m2 und damit höher als in anderen Mittelzentren. Siehe dazu hier. Außerdem wurde Bretten für seinen „immensen“ Flächenverbrauch gerade in das „Schwarzbuch Flächenverbrauch“ des BUND in Bayern aufgenommen, siehe dazu hier.
    Offensichtlich soll mit diesen zahlreichen Vorträgen und Artikeln der gegenteilige Eindruck förmlich in die Köpfe der Zuhörer eingepaukt werden, damit die nächste „Flächensparaktion“, die Abholzung des Rüdtwaldes, nicht für zuviel Aufsehen und Empörung sorgt.

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