Leserbrief : Ganztagesschule auf Sparflamme

Zu „Ganztagesschule landesweit vorgestellt“ in der Ausgabe vom 13. April:
In dem Bericht wird die Brettener Hebelschule als „hervorragendes Beispiel aus der Schulpraxis“ für Ganztagesschulen in Baden-Württemberg gelobt. Schön, wenn es so wäre. Die Wirklichkeit an der Hebelschule und dies gilt ähnlich auch für andere Ganztagesschulen sieht anders aus: Zwar sind in die Brettener Schule erhebliche Bundesmittel für die Einrichtung geflossen, aber das notwendige Personal fehlt an allen Ecken und Enden.
Denn das Kultusministerium hat der Schule für die sieben Ganztagesklassen nur etwas mehr als ein Lehrerdeputat an zusätzlichen Stunden zugeteilt. Deshalb hat die Hebelschule beispielsweise für das selbst organisierte Lernen, die Aufsichten beim Essen und in der Freizeit, für Arbeitsgemeinschaften und für kleine Lerngruppen zu wenig Lehrkräfte.

Ein hervorragendes pädagogisches Konzept ist nicht zu realisieren, wenn oft nur notdürftige Beaufsichtigung anstelle von Bildungsmaßnahmen möglich ist. Ganztagesschule bedeutet auch, dass der Unterricht nachmittags gewahrleistet ist. Konferenzen, Dienstbesprechungen und Elterngespräche folgen oft erst nach dem Ende des Schulbetriebs um 16 Uhr. Unterrichts Vorbereitung und Korrekturen finden dann im Anschluss spät abends noch am häuslichen Schreibtisch statt. Zusätzliche Belastungen und unbezahlte Mehrarbeit entstehen durch Vertretung erkrankter Kolleginnen.

Wenn Ganztagesschulen auf Sparflamme organisiert werden müssen, ist an eine Verbesserung der Schulbildung nicht zu denken. Nur Stress, Hektik und Frust nehmen zu. Eine stattliche Anzahl von Kollegen will sich deshalb von der Hebelschule versetzen lassen. So wird eine dringend notwendige Verbesserung im Bildungssystem tot gespart, noch bevor sie sich bewähren konnte.

Monika Gessat,
Hartmut Hensgen,
Franz Singer
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Bretten

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