Die Hälfte des Stroms aus dem eigenen Kraftwerk

Stadtwerke Bretten planen Beteiligung an Großprojekt
Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Baier
Bretten. „Aus eigener Erzeugung“ das könnte künftig auf der Stromrechnung der Stadtwerke Bretten stehen. Denn die stadteigene GmbH wird unter die Kraftwerksbesitzer gehen, hat der Aufsichtsrat letzte Woche einstimmig entschieden. Gemeinsam mit rund 40 weiteren kommunalen Stromversorgern soll diese Woche in Tübingen eine Beteiligungsgesellschaft gegründet werden, die dann ein Großkraftwerk errichtet und betreibt. Zweieinhalb bis drei Millionen Euro wollen die Brettener Stadtwerke in dieses Vorhaben investieren, um künftig die Hälfte des von ihren Kunden verbrauchten Stroms aus eigener Erzeugung liefern zu können, kündigten Geschäftsführer Stefan Kleck und Aufsichtsratsvorsitzender Paul Metzger gestern an.

Bisher müssen die Stadtwerke Bretten ihren „Kraichgau-Strom“ fast vollständig von den vier Verbundunternehmen EON, EnBW, RWE und Vattenfall einkaufen, die mit 80 Prozent der Erzeugung praktisch das Monopol in Deutschland haben. Die Abhängigkeit von diesen Monopolisten ist es, die den kommunalen Unternehmen Sorgen bereitet: „Die Strompreise werden steigen. Und während sich die Verbundunternehmen selbst mit günstiger Energie aus abgeschriebenen Kraftwerken versorgen, bekommen wir die teurere Energie aus neuen Kraftwerken angeboten“, erklärt Stefan Kleck.

Ziel sei zudem die Streuung des Risikos im Energieeinkauf, weil mit einem eigenen Kraftwerk die Kosten für selbst erzeugten Strom langfristig kalkuliert werden können. Dem Vorsitzenden des Stadtwerke-Aufsichtsrats, im Hauptberuf Oberbürgermeister von Bretten, ist ein politischer Aspekt dieser Entscheidung besonders wichtig: „Mit einer Kraftwerksbeteiligung stärken wir die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit unserer Stadtwerke.“ Für die Verbraucher zahle sich das in attraktiven Strompreisen aus. „Wir sind einer der günstigsten Anbieter weit und breit. Und das geht nur, weil Bretten seine Stadtwerke nicht verkauft hat.“
Wo dieses Kraftwerk stehen wird, von dem ein kleines Stückchen auch den Brettenern gehört, ist noch nicht entschieden. Fest steht nur, dass es nicht in Baden-Wüerttemberg sein wird, erläuterte Stefan Kleck. Die Suche nach einem neuen Standort im Land werde von der Politik nicht unterstützt, interessante Standorte wie etwa Obrigheim würden von der EnBW gehalten. Deshalb wird erwogen, in Großprojekte einzusteigen, die bereits in Vorbereitung sind. Die Rede ist von einem Kohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen oder einem Gaskraftwerk im Saarland. Möglichst noch dieses Jahr soll die Entscheidung fallen.
„Zu Kohle und Gas gibt es im Großkraftwerksbau auf absehbare Zeit keine Alternativen“, sagt Geschäftsführer Kleck. Die bestehenden Atomkraftwerke werden zunehmend stillgelegt, neue werden nicht mehr gebaut. Die Kapazität an Wasserkraftwerken ist praktisch ausgeschöpft. Und mit anderen erneuerbaren Energieformen wie Wind oder Sonnenlicht lässt sich nur ein geringer Teil des Bedarfs decken.

Natürlich sei die Investition in ein Kraftwerk auch mit Risiken verbunden, räumen Kleck und Metzger ein. Gleichzeitig böten sich aber auch erhebliche Chancen. „Deshalb werden verschiedene Szenarien und deren Wirtschaftlichkeit untersucht und vor der endgültigen Entscheidung sorgfältig Chancen und Risiken abgewogen“, versichert der Stadtwerke-Geschäftsfüfarer.
Dass kommunale Unternehmen mit der Hilfe von Beteiligungen gegen die großen Anbieter bestehen können, haben die Brettener schon einmal bewiesen: 1999 kauften sie sich mit (vergleichsweise bescheidenen) 200 000 Euro beim regionalen Datennetz-Betreiber Telemax ein, dessen Kabel auch in Bretten verlegt wurden. Die rege Nachfrage nach Anschlüssen bestätigte diesen Schritt, erklärt Stefan Kleck.

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