Eexperten machen sich massive Sorgen um den Fortbestand des Forsts – Rekordhitze, Klimawandel und Schädlinge
STERNENFELS. Auch wenn im Sternenfelser Gemeindewald 2004 ein großer Überschuss in Höhe von 18 660 Euro erwirtschaftete wurde, bereitet der Wald den Fachleuten und Gemeinderäten Kopfzerbrechen.
„Das bisher stabile Gleichgewicht im Ökosystem Wald ist gestört“, warnte Forstdirektor Fritz Geiger in der Sternenfelser Gemeinderatssitzung. Zu schaffen mache den Bäumen das Wettergeschehen der letzten beiden Jahre und dessen Folgen. Ein Sommer mit Rekordhitze im Jahr 2003 und extreme Niederschlagsarmut im darauf folgenden Winter und Frühling setzten dem Wald zu. „Es sieht so aus, als ob sich unser Klima ändert und die Auswirkungen auf den Wald können noch gar nicht komplett abgeschätzt werden“, so Forstdirektor Geiger. Insbesondere die Laubbäume hätten Schäden davongetragen, im Gemeindewald besonders betroffen seien die Süd- und Westhänge, wie beispielsweise am Diefenbacher König oder am Sternenfelser Sandberg. „Die Buche ist sehr stark betroffen, die Eiche stark“, so der Leiter des Kreisforstamtes. „Für mich ist es ein Phänomen, wie Bäume unter diesen Bedingungen überhaupt so lange überleben konnten. Immerhin verbraucht beispielsweise allein eine Buche pro Tag 1000 Liter Wasser“, verdeutlichte er. Zum Teil habe die Trockenheit sogar zu einem Notabfall des Laubes im Sommer geführt, zusätzlich hätten sich durch die warme Witterung Insekten wie der Frostspanner, der Schwammspinner oder auch der bisher eher seltene Holzschädling Buchenborkenkäfer stark vermehrt. „Die Fraßschäden gefährden den Baum oder machen das Holz für den Verkaufsmarkt nahezu wertlos“, schilderte Geiger. „Wir müssen derzeit in unseren Wäldern ein Baumsterben in erheblichem Umfang feststellen. Meiner Meinung nach war der Zustand des Waldes im gesamten Land noch nie so schlecht wie jetzt“, so Geiger. „Die Experten raten dazu, im Moment gar nichts zu tun. Auch die Vermarktung des Holzes von kranken oder abgestorbenen Bäumen ist meist nur defizitär möglich“, schilderte Geiger.
Im letzten Jahr habe man in Sternenfels die Ausgaben für Kulturpflege und Erschließung auf ein Minimum heruntergefahren. Man habe durch die Schäden sehr viel mehr Holz als geplant schlagen müssen und glücklicherweise sei es gelungen, dies gut abzusetzen – „daher der Überschuss“. Ein besonderes Augenmerk müsse man im kommenden Forstjahr auf die Schädlinge wie den Schwammspinner haben. „Wir müssen in den Jahren 2005/06 wieder mit einer Massenvermehrung rechnen und in diesem Fall dann auch zum Schutz der Bäume aktiv werden“, verdeutlichte Geiger. Dies könne dann auch Einfluss auf den Wirtschaftsplan für den Wald haben. Schwerpunkt im Wirtschaftsjahr 2005 sollen laut Geiger unter anderem Aufforstungen sein „Wir wollen rund 4000 neue Bäume pflanzen.“
Die Gemeinderäte zeigten sich besorgt über den Zustand des Sternenfelser Gemeindewaldes aber auch zuversichtlich: „Der Wald ist ein komplexes Ökosystem, das vielfältige Funktionen für uns Menschen und unsere Umwelt erfüllt. Und wir wissen, dass unser Wald bei Ihnen in besten Händen ist“, würdigten die Räte die Arbeit des Kreisforstamtes und des Sternenfelser Revierförsters Fritz Lippoth.
Wie wird der Holzverkauf jetzt aussehen, nachdem der Orkan in Schweden kilometerweit die Bäume umgelegt hat? Kompliment an Sternenfels für die weitsichtige Handlungen. Schade, dass der Rüdtwald auf der Brettener Gemarkung steht. Wird das (in den letzten Wochen) geschlagene Holz vielleicht verschenkt, weil das Überangebot aus Schweden sicherlich kommen wird? Scheinbar rächt sich bereits der Himmel über die Gedanken der Rüdtwaldabholzung…