Herwig Utescheny hofft auf Investor

Zaisenhäuser C+M Spritzgießtechnik soll aus dem Unternehmensgeflecht herausgelöst werden
Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Baier
Zaisenhausen. Durch den Einstieg eines Investors soll die Zukunft der Firma C+M Utescheny Spritzgießtechnik GmbH gesichert werden. Das erklärte Inhaber Herwig Utescheny in einer Betriebsversammlung am Mittwoch. „Wir haben etwa zehn potentielle Investoren. Es wird einige Monate dauern, bis die Entscheidung fällt“, sagte der Gründer der in Turbulenzen geratenen einstigen Firmengruppe Utescheny. Die ersten Gespräche sollen in der kommenden Woche geführt werden. Denkbar seien Beteiligungen zwischen 40 und 100 Prozent. In Frage komme aber nur ein Investor, der für die Sicherung des Standorts Zaisenhausen eintrete. Bei der Auswahl habe auch die Belegschaft von C+M ein Mitspracherecht.

Allerdings müssen auch jene Firmen zustimmen, die der Zaisenhäuser Hersteller von Autoteilen beliefert.
Herwig Utescheny hatte sich bis zum Ende vergangenen Jahres dafür eingesetzt, dass die komplette Firmengruppe von einem Großinvestor übernommen würde. Verhandlungen mit dem amerikanischen ITW-Konzern waren dann aber überraschend gescheitert. Der operative Geschäftsbetrieb der Utescheny AG wurde vom Insolvenz Verwalter zum 1. Januar auf die westfälische OLHO-Gruppe übertrag-ten (wir berichteten). „Ich habe gekämpft, dass wir zusammen bleiben, aber ich habe verloren“, bekannte Herwig Utescheny vor seinen Mitarbeitern. Gleichwohl gab er sich optimistisch, dass die C+M Spritzgießtechnik GmbH selbststandig weiter existieren kann. Bei den 263 Mitarbeitern dieser Firma hatte nicht nur die Nachricht vom Scheitern der „großen Lösung“ für Unruhe gesorgt. Verunsichert wurden sie vor allem auch deshalb, weil im Dezember die erwarteten Gehälter nicht überwiesen worden waren. Herwig Utescheny erklärte dies mit den weiterhin bestehenden Verflechtungen mit der insolventen AG. Denn die C+M liefert die von ihr gefertigten Teile – pro Tag etwa 63 500 Dachhaltegriffe, Türablageschalen und Ähnliches – zwar an die Automobilhersteller. Diese leisten die Zahlungen für die Teile und die Werkzeuge, mit denen sie gefertigt werden, aber an die AG, die ihr Vertragspartner ist. Die AG wiederum überweist dieses Geld an die C+M.
Erwartete Zahlungen für Werkzeuge seien aber mit einiger Verzögerung erst Anfang Januar eingegangen. „Ich kämpfe dafür, dass wir künftig das Geld pünktlich bekommen“, versicherte Herwig Utescheny. Verständnis äußerte er für Überlegungen seiner Mitarbeiter, durch einen Produktionsstopp die AG unter Druck zu setzen, doch zugleich warnte er sie: „Dieser Schuss kann nach hinten losgehen.“
Dabei war für Herwig Utescheny und seine Mitarbeiter zu Beginn des neuen Jahres keineswegs klar, wer künftig überhaupt ihr Geschäftspartner ist, die insolvente AG oder die westfälische OLHO-Gruppe, die deren operativen Geschäftsbetrieb übernommen hat. Bei einem Gespräch mit allen Beteiligten sei dann aber am 3. Januar geklärt worden, dass alle von C+M gefertigten Aufträge nicht an die OLHO-Gruppe übertragen worden seien, sondern weiterhin bei derAG lägen, berichtete Herwig Utescheny.
Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Werkzeuge, mit denen die Kunststoffteile gefertigt werden. Diese teuren, bei C+M hergestellten Spritzformen sind Eigentum der jeweiligen Autofirmen. Nur wer über sie verfügt, kann die Lieferverträge erfüllen. Die AG kann die Fertigung daher nicht einfach an ein anderes Unternehmen vergeben, sondern ist auf die C+M angewiesen, bei der sich die Werkzeuge befinden.
Das komplizierte Geflecht der Abhängigkeiten der einst zu einer Gruppe gehörenden Firmen hofft Herwig Utescheny durch den Einstieg eines Investors bei C+M auflösen zu können. Dann nämlich könne seine Firma direkt mit den Autoherstellern Lieferverträge abschließen. Und dann müsste die C+M auch das von ihr benötigte Material nicht mehr per Vorkasse bezahlen. Die Lieferanten, die früher langfristige Zahlungsziele einräumten, hatten nach dem Insolvenzantrag der AG im Sommer darauf bestanden, dass erst bezahlt und dann geliefert wird. Dies hatte für C+M einen erheblichen finanziellen Engpass gebracht.

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