Brettens Wäldern droht der Kahlfraß

Massenvermehrung der Schwammspinner möglich / Forstplan für 2005 vorgestellt
Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Baier
Bretten. Die Schäden am Wald standen zwar nicht im Vordergrund, als Forstamtsleiter Dr. Bernhard Peichl und Stadtförster Ewald Kugler dem Gemeinderat den Hiebs- und Kulturplan für das kommende Jahr vorstellten. Doch was sie über die aktuelle Bedrohung der Bäume durch Schädlinge erklärten, klang wenig beruhigend: Schwammspinner und Prozessionsspinnner könnten womöglich im nächsten Jahr den Wald so kahl fressen, wie sie das vor zehn Jahren schon einmal getan haben.

Im Alten Wald Richtung Heidelsheim und im Rüdtwald seien auf kleiner Fläche Gelege von Schwammspinner und Prozessionsspinner „in fast kritischer Dichte“ festgestellt worden, berichtete Ewald Kugler. Schon zwei Gelege pro Baum könnten zum Kahlfraß eines Waldes führen. Deshalb beobachten die Förster regelmäßig die Entwicklung und zählen die Eigelege. Es bleibe abzuwarten, wie sich das Frühjahr entwickelt, ob es nass oder trocken wird. Eventuell könne es besser sein, die beginnende Massenvermehrung gleich auf kleiner Fläche zu bekämpfen als ein Jahr später womöglich auf 100 Hektar.

Trockenheit und Orkan sind auch schuld daran, dass der ursprüngliche Zehnjahresplan für den Brettener Wald so nicht mehr stimmt. „Wir sind schon vor dem Soll, weil wir die Sturmschäden aufgearbeitet haben, und im nächsten Jahr ist wieder ein überdurchschnittlicher Hiebsatz vorgesehen. Das ist paradox, aber es muss sein, weil die Bestände gepflegt werden müssen“, erklarte Peichl. Allerdings sei dies kein Anlass zur Sorge, dass Substanz des Waldes verloren gehet, beruhigte Stadtförster Kugler. Zwar habe der Sturm einen Verlust von 40 000 Festmetern gebracht. Aber der Zuwachs an Holz sei größer als geplant -„einen Waldabbau gibt es deshalb nicht.“

Der Hiebsplan 2005 sieht einen Gesamteinschlag von 17 000 Festmetern vor. Ein Viertel davon ist Fichten- und Douglasienstammholz, das die Stadt gut verkaufen kann, beispielsweise als Stromleitungsmasten nach Irland oder für Deckenbalken und Dachkonstruktionen innerhalb Baden-Württembergs. Problematisch ist dagegen der Absatz von BuchenStammholz. Die Lager der Abnehmer sind voll, viele Sägewerke haben dicht gemacht. Da kommt es der Stadt nicht ungelegen, dass die Brettener Bürger nach Brennholz förmlich gieren. Bis zum 30. November sind rund 4 000 Festmeter bestellt worden, 570 Haushalte versorgen sich im Stadtwald mit Brennholz. Planmäßig waren 2 700 Festmeter Brennholz vorgesehen. Nun werden 900 Festmeter Laub-Industrieholz, die eigentlich an die Papierindustrie geliefert werden sollten, Wohnstuben wärmen. Und vom schwer absetzbaren Buchenstammholz bekommen die Bürger noch einmal 400 Festmeter.

Zwar werden im nächsten Jahr im Rüdtwald Bäume fallen. Rund 2 500 Festmeter sollen dort geerntet werden. Stadtförster Kugler beruhigte aber Gegner der Industriegebietserweiterung, dass es sich hier nur um geplante Durchforstungen handele. „Auf keinen Fall wollen wir mit dieser Pflegemaßnahme die Umwandlung in Gang bringen.“

Auch gepflanzt wird 2005 im Brettener Stadtwald. Die Liste weist 8 900 neue Bäume auf, darunter l500 Douglasien, vor allem aber Bergahorn und Esche.

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