Positive Ansätze für sanften Tourismus

Viabono-Vertreter sieht Kriterien für Gütesiegel erfüllt: Gremien müssen entscheiden

Von unserem Redaktionsmitglied Claudia Kraus

Bretten. Vermutlich darf sich Bretten nun doch bald mit dem Gütesiegel „Viabono“ schmücken. Offiziell ist das Ganze aber noch nicht. „Grünes Licht können wir noch nicht geben, denn die Entscheidung darüber muss erst noch von unseren verschiedenen Gremien abgesegnet werden“, erklärte Rolf Spittler gestern auf Anfrage der BNN und vertröstete auf die kommenden Wochen. Der stellvertretende Vorsitzende des Viabono-Trägervereins – ihm gehören unter anderem Touristik-, Verbraucherschutz- und Umweltverbände an -besuchte am Dienstag Bretten, um sich ein Bild davon zu machen, ob die Große Kreisstadt die von Viabono geforderten Vorgaben nach einem naturnahen, sanften Tourismus erfüllt.

So sah’sich Spittler in Begleitung von Stadtplaner Ulrich Braun und Touristik-Chefin Jana Kolodzie am Dienstag im Rüdtwald um und nahm das Gölshausener Industriegebiet sowie das geplante interkommunale Gewerbegebiet zwischen Bretten und Knittlingen unter die Lupe. „So wie es den Anschein hat, sind die Kriterien erfüllt“, brachte Spittler seine vorläufigen Erkenntnisse auf den Punkt, räumte aber gleichzeitig ein, er könne nur seinen persönlichen Eindruck beschreiben. Der immerhin nimmt sich durchaus positiv aus, und Via-bono-Sprecherin Katharina Müller sagte vorab: „Wenn unser Trägerverein die Kriterien erfüllt sieht, haben wir keine Wahl und müssen sogar das Gütesiegel erteilen“.

Als lobenswerte Ansätze wertet Spittler die Maßnahmen der Stadt Bretten zum sparsamen Verbrauch von Flächen durch Recycling und den Baulücken-Schluss. Spittler: „Das verhindert den Flächenfraß in der Landschaft“. Völlig anders sehen dies die Kritiker der Brettener Kommunalpolitik, darunter BUND und Bürgerarbeitskreis, die Viabono in einem Brief ihre Bedenken darüber mitgeteilt hatten und baten, die Vergabe des Gütesiegels an Bretten noch einmal zu überdenken. Dies war letztlich der Grund für Spittlers Abstecher in der Me-lanchthonstadt. „Wir haben uns nun beide Seiten angehört“, erklärte Spittler und stellte klar: „Es kann nicht angehen, dass wir als Dachmarke Viabono uns in solche Debatten einmischen. Das ist eine rein kommunalpolitische Auseinandersetzung, die wir nicht zu klären haben“. Als solche wertet Spittler unter anderem den Vorwurf der Verfasser des Briefs, die die langen Öffnungszeiten der Gaststätten als Lärmbelästigung empfinden.

Einer Stadt, die alljährlich zu ihrem großen Heimatfest bis zu 200 000 Besucher erwartet, gibt Spittler aus touristischer Sicht ein uneingeschränktes Plus. „Klar, dass solche Feste und viele Menschen Lärm bedeuten“. Lärm und Gewerbegebiete seien problematische Bereiche. „Aber wir haben uns auf rein touristische Punkte zu beschränken“, betonte Spittler. Bretten könne nun einmal nicht mit einem kleinen beschaulichen Ort in einer strukturschwachen Gegend verglichen werden. Eine Stadt, die zudem Große Kreisstadt ist, habe für ihre Bürger bestimmte Funktionen zu erfüllen, und zu ihrer Entwicklung gehöre auch das Ausweisen von Gewerbegebieten.

„Bretten ist nicht die ideale Vorbildkommune, die nichts mehr tun muss. Aber wenn die Stadt den Weg eines regionaltypischen, sanften Tourismus beschreiten will, sind wir da, um sie zu begleiten“, fasste Spittler zusammen und gab zu bedenken, dass es für ein Hotel wesentlich einfacher sei, den Viabono-Ansprüchen gerecht zu werden als für eine Kommune mit ihren komplexen Strukturen.

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