Ein Brief verärgert Oberbürgermeister Metzger

Darf die Stadt Bretten mit „sanftem Tourismus“ werben?
Kontroverse um die Auszeichnung mit dem Gütesiegel Viabono
Ein Brief verärgert Oberbürgermeister Metzger

Bretten. Hinter dem Wörtchen „Viabono“ verbirgt sich ein Zusammenschluss aus 32 bundesweit agierenden Organisationen darun­ter Naturschutzverbände. Tourismus- und Verbraucherverbände. Gemeinde- und Städtetag. Dehoga (Hotel- und Gaststättenverband). ADAC — die sich einem sanften. naturnahen Tourismus verschreiben und damit werben. Ende vergangenen Jahres hatte die Stadt Bret­ten bei Viabono um Aufnahme gebeten. Die Kraichgau-Stromberg Touristik wirbt bereits jetztmit dem Gütesiegel.
,,Die Gespräche mit Viabono waren positiv verlaufen“, resümiert Oberbürgermeister Paul Metzger. Doch hoffen die Stadtoberen bislang vergeblich darauf, sich mit dem Siegel schmü­cken zu dürfen. „Von unserer Seite ist noch nichts entschieden“. erklärt Viabono-Spreche­rin Katharina Müller in Bergisch-Gladbach. Viabono wolle in den nächsten zwei Wochen Vertreter nach Bretten schicken, um vor Ort zu überprüfen, ob die Stadt die Aufnahmekrite­rien erfüllt
.
Zweifel daran hegen BUND, Bürgerarbeits­kreis und Heidemarie Leins von den Freien Wählern und begründen dies in einem Schrei­ben an Viabono. Eines von vielen Viabono Kri­terien ist etwa der öffentliche Personen-Nah­verkehr (ÖPNV). Zum Stichwort Mobilität heißt es daher in dem Brief: Stadtbahn — Er­höhung des Ziel- und Quellverkehrs durch Ausweisung neuer Wohngebiete, die den Zu­zug erhöhen. Andere Kritikpunkte zielen auf die geplante Abholzung im Rüdtwald, man­gelnde Einkaufsmöglichkeiten im Osten der Stadt oder die Lärmbelästigung der Innen­stadt-Anwohner durch lange Öffnungszeiten von Gaststätten. Es sei ,,nicht nachvollziehbar, dass die Stadt Bretten mit dem Siegel ausgezeichnet werden soll“. finden die Schreiber. Sie werfen der Stadt expansive Flächenpolitik zu Lasten der Landwirte und eine nur punktu­elle Umsetzung der Biotopvernetzung vor. „Von flächensparendem Bauen kann keine Rede sein“.

Viabono hat rund 270 Lizenznehmer. Das Gros bilden Hotels und Gaststätten. aber auch 20 Kommunen gehören dazu. Für letztere Gruppe ist die Hürde deutlich höher gesetzt und bedarf einer besonders gründlichen Prü­fung. ,,Wir müssen die dargestellten Bedenken ernst nehmen“, begründet Sprecherin Müller die abwertende Haltung von Viabono. Daher werde man sich mit beiden Seiten zusammen­setzten. In den nächsten vier Wochen rechnet Müller mit der Entscheidung darüber, ob die Stadt mit dem Siegel werben darf oder nicht.
Bernd Diernberger. Vorsitzender der Freien Wähler und Fraktionssprecher, distanziert sich von dem Schreiben, das Stadträtin Leim stellvertretend für die Freien Wähler mit un­terzeichnet hat. ,,Ich hatte davon keine Ah­nung‘, erklärt Diernberger. ,,Wenn es um so etwas Elementares geht, hätte man mich vor­her über Sinn und Zweck des Briefes informieren müssen“, kritisiert er.

OB Metzger ärgert der gesamte Vorgang. „Wir erfüllen die Ziele von Landschafts- und Umweltschutz und werden diese unabhängig von einem Gütesiegel weiter umsetzen.“ Dass Bretten die Auszeichnung verdient, steht für ihn außer Frage: Die Entwicklung der Stadt habe dazu geführt, dass sämtliche erforderli­chen Kriterien erfüllt seien, sagt der Rathauschef und nennt Beispiele: Ein gut ausgebauter ÖPNV, eine flächensparende Siedlungspolitik. durch die Industriebrachen wieder verwendet werden können.

Bestätigt sieht OB Metzger die Brettener An­siedlungspolitik durch ein Schreiben von der Landesanstalt für Umweltschutz: Die Behörde hat Bretten aus über 40 Bewerbungen als Mo­dellkommune „Ökokonto“ ausgewählt. Bei verschiedenen auswärtigen Veranstaltungen —etwa beim Bundesumweltamt in Berlin — habe er das Brettener Flächenmanagement vorge­stellt und Zustimmung dafür erhalten. „Dabei habe ich immer wieder dazu auf gefordert, Na­tur- und Landwirtschaftsflächen durch die Reaktivierung von Industriebrachen zu scho­nen. erklärt Metzger. Auf diese Weise könne der Landverbrauch reduziert, das bundesweite Nachhaltigkeitsgebot erreicht werden.

Ein gut funktionierendes Flächenmanage­ment kann nach Metzgers Ansicht auch ver­hindern, dass der Bau von Straßen und Sied­lungen einseitig zu Lasten der Landwirtschaft geht. Es kann nicht richtig sein, wenn wir als Ausgleich dafür Äcker zu Streuobstwiesen machen müssen.“

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3 Antworten zu Ein Brief verärgert Oberbürgermeister Metzger

  1. Qua. sagt:

    Mit Verlaub Herr Metzger: Es darf gelacht werden!

  2. nieb. sagt:

    OB Metzger ärgert der gesamte Vorgang. „Wir erfüllen die Ziele von Landschafts- und Umweltschutz und werden diese unabhängig von einem Gütesiegel weiter umsetzen.“

    Allein die Abholzung im Rüdtwald läßt grüßen.

  3. mm sagt:

    der Brief war doch, nach Wissensstand von heute im Jahr 2008, durchaus berechtigt! Waldvernichtung im großen Stil, Flächenverbrauch von 200ha und dann noch von sanftem Tourismus sprechen? Hochstapelei, Lügen, oder blickt es da einer wirklich nicht ??

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