Händler müssen um Käufer bangen

Von Heike Kinkopf
Geschäften in Sulzfeld droht Konkurrenz aus Bretten. Dort soll ein Einkaufszentrum entstehen. „Unsere Grenzsituation ist nicht berücksichtigt“, wehrt sich der Gemeinderat auch mit Blick auf den Nachbarn Eppingen. Umsatzeinbußen von bis zu zwölf Prozent sind prognostiziert. Unter die Skepsis mischt sich bei der vergangenen Sitzung eine Spur Resignation. Bürgermeister Eberhard Roth sagt’s klipp und klar: „Unsere Bedenken sind so viel wie Schall und Rauch.“ Der Kaufvertrag sei längst unterschrieben, die Baugenehmigung werde erteilt, stimmt Gemeinderat Harald Störzinger zu.

Dem Gemeinderat liegt ein Gutachten vor. Das hat die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (Ludwigsburg) im Auftrag der Kommunalbau Bretten erstellt. Wie wirkt sich das Einkaufszentrum auf die räumliche und städtebauliche Entwicklung aus? Untersucht wurden unter anderem die Folgen des Projekts auf die Geschäfte im Umland.
Ein Ergebnis: Sulzfeld droht ein Umsatzrückgang von bis zu zwölf Prozent in den Sortimenten Drogeriewaren und Lebensmittel, wenn das Einkaufszentrum wie geplant Gestalt angenommen hat. Betroffen, erläutert Roth, seien HL-Markt und Schlecker. Mit weniger Kundschaft müssen sieben, acht weitere Einzelhändler rechnen – darunter Blumenläden und Bekleidungsgeschäfte. Für den Gemeinderat steht fest: „Es gibt Beeinträchtigungen.“
„Ich will niemandem eine schlechte Geschäftslage unterstellen“, wehrt Roth ab. Umsatzrückgänge – wie gering sie auch ausfallen mögen – könnten jedoch für kleine Familienbetriebe von enormer Bedeutung sein. Gleichwohl: Das Einkaufszentrum lässt sich kaum verhindern. Das ist den Sulzfeldern bewusst. Zustimmung signalisiere beispielsweise der Regionalverband.

Der 4600-Einwohner-Ort Sulzfeld zwischen Bretten und Eppingen. „Der größere Teil geht nach wie vor nach Eppingen“, ist Roth sicher. Die Stadt im Landkreis Heilbronn wird ihre eigene Entwicklung kaum zugunsten von Bretten bremsen. „Wir können nicht bei einer Marktgröße von 1500 Quadratmetern stehen bleiben“, erklärt Eppingens Wirtschaftsförderer Peter Thalmann auf KS-Nachfrage. „Schritt halten“ lautet die Devise – und mit dem Umfeld mitwachsen.
Die Entwicklung in Bretten sieht Thalmann gelassen. „Die Eppinger wird uns niemand wegnehmen.“ Anders sehe es bei Kunden aus umliegenden Gemeinden aus. Thalmann gibt zu: Bei Bürgern aus Sulzfeld oder Kürnbach sieht er eine Kaufkraftverlagerung. Nichtsdestotrotz schließt er eine spürbare Benachteiligung der Eppinger Einzelhändler aus.
Bretten macht sein eigenes Ding, wirft Harald Störzinger einen Blick über den Tellerrand. Das Mittelzentrum müsse sich gegenüber Oberzentren wie Pforzheim, Karlsruhe oder auch Heilbronn behaupten. Umsatzeinbußen sieht er nicht nur auf Sulzfelder zukommen. Auch die Brettener Geschäfte werden Probleme bekommen, sagt Störzinger voraus. Auch das Modehaus Röther versucht, in Bretten Fuß zu fassen.

Entscheidend ist für Störzinger das Verhalten der Verbraucher in kleineren Kommunen. Sie stärken entweder ihren Anbietern vor Ort den Rücken, oder sie fahren halt zum Einkaufen nach Eppingen und Bretten.

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