Die Alarmglocken schrillen

Vorgesehenes Brettener Einkaufszentrum stößt größtenteils auf Ablehnung – Verständnis bei Adalbert Bangha
ENZKREIS/PFORZHEIM/BRETTEN. Ein Aufschrei geht durch die Region Nordschwarzwald: Kommunen und Einzelhändler sehen wegen eines vorgesehenen Brettener Einkaufszentrums ihre Felle davonschwimmen.

Ein Bayreuther Unternehmen beabsichtigt, an der Pforzheimer Straße in Bretten eine riesige Verkaufsfläche mit insgesamt 10 300 Quadratmetern und mehreren Märkten aus dem Boden zu stampfen. Das Regierungspräsidium hat dazu ein Raumordnungsverfahren eingeleitet und eine Anhörungsrunde gestartet.

Wie die Stellungnahmen der Nachbarstädte und gemeinden im Enzkreis, des Regionalverbandes Nordschwarzwaldes und der Industrie und Handelskammer Nordschwarzwald zu dem ehrgeizigen Projekt ausfallen, ist nach einer gestrigen Umfrage der PZ klar: von skeptisch bis zu totaler Ablehnung. Lediglich der Ölbronn-Dürrner Bürgermeister Adalbert Bangha sieht zunächst keine negativen Auswirkungen für seine Gemeinde.

Kück: Vernichtungswettbewerb

Am deutlichsten wird Regionalverbandsdirektor Jens Kück: „Die Alarmglocken müssen schrillen.“ Weil schon bisher bundesweit doppelt so viele Verkaufsflächen vorhanden seien wie eigentlich benötigt würden, spricht er von einem „auf die Spitze getriebenen Verdrängungswettbewerb, der in einem Vernichtungswettbewerb endet.“ Den Flächenverbrauch bezahle der Steuerzahler ebenfalls. Er kündigt für die nächste Regionalverbandsversammlung am 12. Mai den Entwurf einer Stellungnahme an, über die das Gremium abzustimmen habe.

Auch die IHK Nordschwarzwald will sich unmissverständlich äußern. Der für Handelsfragen zuständige Geschäftsführer Rainer Schätzle sagt: „Wir werden auf große Bedenken hinweisen. Durch Pforzheims Zangenwirkung zwischen Karlsruhe und Stuttgart haben wir ohnehin eher einen Kaufkraftabfluss als einen -zugewinn.“ Zumindest in der Anfangsphase sei erfahrungsgemäß eine Magnetwirkung zu befürchten. Es werde versucht, sich mit der Karlsruher IHK abzustimmen.

Raißle: Arbeitsplätze gefährdet

„Das ist äußerst problematisch für den Einzelhandel“, blickt der Neulinger Bürgermeister Heinz Raißle dem Vorhaben sorgenvoll entgegen. Schließlich drohen Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze verloren zu gehen. „Wir sind froh, dass wir noch Metzger und Bäcker im Ort haben. Am Schluss haben wir vielleicht gar nichts mehr.“

Genau das befürchtet sein Nachbarkollege Adalbert Bangha aus Ölbronn-Dürrn nicht: „Wir haben hier keinen Einkaufsmarkt, sondern nur kleine Einzelhändler wie Metzger und Bäcker. Bei uns ist aber keine Betroffenheit vorhanden.“ In Ölbronn und Dürrn gebe es weder eine Drogerie noch ein Sportgeschäft oder einen Textilladen. Bangha, der als Brettener Einwohner am 13. Juni zugleich auf der CDU-Liste für den dortigen Gemeinderat kandidiert, meint: „Wir sind umkreist von Handelsketten. Eher Städte wie Pforzheim, Mühlacker, Karlsruhe und Bruchsal sind davon betroffen.“

Die Pforzheimer Stadtverwaltung sieht sich zu einer Meinungsäußerung derzeit nicht in der Lage. Es läge noch nichts vor, heißt es aus dem Referat für Wirtschaftsförderung. Man könne erst dann klären, ob Pforzheimer Interessen berührt seien, wenn die Projektbeschreibung auf dem Tisch liege.

Weil Sternenfels, ebenso wie Pforzheim, kein direkter Angrenzer ist, ist auch der dortige Bürgermeister Helmut Wagner noch nicht im Besitz der Pläne, hat sich aber dennoch schlau gemacht: „Es wird immer schwieriger für die Gemeinden, die Grundversorgung zu sichern. Das ist eine große Herausforderung für Sternenfels, auch unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung.“ Er spricht sich dafür aus, den Einzelhändlern „eine Lebens- und Überlebenschance“ zu lassen und ist überzeugt: „Wir haben faktisch schon ein Warenüberangebot.“

Hopp: Masterplan muss her

Grundsätzlich steht der Knittlinger Bürgermeister Heinz-Peter Hopp allem, was Arbeitsplätze schafft, positiv gegenüber, macht aber im Fall Bretten geltend: „Das hat eine Größenordnung angenommen, bei der die überregionale Bedeutung auf das Tapet kommt.“ Ihm schwant Schlimmes: „Ich befürchte, dass durch ein solches Einkaufszentrum unserem Einzelhandel das Wasser abgegraben wird.“

Er fordert zudem einen „Masterplan“, bei dem auch die enormen Verkehrsströme und die Auswirkungen auf Straßen und Verkehrsmittel auf den Prüfstand kommen.

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1 Antwort zu Die Alarmglocken schrillen

  1. /schwa/ sagt:

    Und was hat sich wirklich ereignet?
    Von den Voraussagen: Nichts! 🙂

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