Auch deutsche Kinder haben Probleme

Von Heike Kinkopf

Falsche Grammatik, eingeschränkter Wortschatz. Sprachdefizite sind im Kraichgau längst kein Phänomen junger Ausländer mehr. Deutsche Kinder haben die gleichen Probleme. Kindergärten – beispielsweise in Sulzfeld – fördern gezielt Vorschulkinder.

„Kindern fehlt es an Sinneswahrnehmungen“, überlegt Michaela Zürner. Die ausgebildete Erzieherin aus Eppingen macht mit Ilse Porthun Sprachförderung im Kindergarten Sulzfeld. In zwei Gruppen sechs Mädchen und Jungen. Davon unberührt, läuft bereits seit zwei Jahren die Sprachhilfe für jüngere Kinder ausländischer Herkunft.

Montag bis Donnerstag je eine Stunde. Morgens um 8.30 Uhr geht’s los. Die Vorschulkinder – neun deutsche und drei ausländische – kommen gern. Aktivität und Wörter: „Der Apfel ist rund, glatt und schmeckt süß „, erklärt Zürner die Vorgehensweise. Das erleben und begreifen Kinder im wahrsten Sinne des Wortes.
Allein über den Verstand entwickelt sich im Kindesalter keine Sprache. Seit vergangenen Dezember speist sich das Angebot in Sulzfeld aus dem Fördertopf der Landesstiftung Baden-Württemberg. Andere Einrichtungen wie Bad Rappenau-Zimmerhof, Ittlingen und demnächst auch Kirchardt nutzen ebenfalls den Zuschuss (siehe Kasten).
Das Programm richtet sich an Vorschulkinder, unabhängig von der Nationalität. Mit anerkannten Verfahren zur Sprachstandserhebung wird ermittelt, wer die Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Die Teilnahme beruht auf Freiwilligkeit.
Bei Eltern in Sulzfeld hat das zusätzliche Angebot zunächst gemischte Gefühle hervorgerufen. Bringt es den Kindergarten-Alltag durcheinander? Steht es Projekten wie dem Waldkindergarten im Weg? Nachdem die Bedenken ausgeräumt und organisatorische Probleme gelöst sind, erfährt die Sprachförderung positive Resonanz. „Eltern müssen sich nicht weiter kümmern“, sagt Leiterin Manuela von der Weth. Soll heißen: Eltern von Kindern mit Sprachproblemen erfahren Unterstützung und müssen sich nicht privat um Hilfe bemühen.
Mit einem Pauschalbetrag von 2700 Euro pro Kleingruppe finanziert die Landesstiftung die Sprachhilfe. Die Gruppen sind zwischen sechs und acht Kindern stark.
„Eltern legen Wert darauf, dass Kinder frühzeitig Buchstaben und Zahlen kennen“, richten Porthun und Zürner den Blick auf Folgen der Pisa-Studie. „Aber wichtig sind Ausdauer und Konzentration.“ Was Lehrer von Erstklässlern erwarten, bringen Gespräche mit der Grundschule an den Tag. Das Ziel ist klar: „Dass Kinder sich grammatikalisch richtig ausdrücken können.“

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Schulen / Jugend abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.