Schwarzer Peter

Ein gemeinsamer Weg ist bei solch gegensätzlichen Standpunkten kaum vorstellbar: Auf der einen Seite der Oberbürgermeister, der für das wirtschaftliche Wohlergehen seiner Stadt und ihrer Bürger einen großen Teil des Rüdtwalds opfern möchte, um dort Platz für neue Arbeitsplätze zu schaffen. Auf der anderen jene Bürger, die den Wald auf gar keinen Fall her geben möchten.

Der Rüdtwald sei ein sehr wertvoller Bestandteil der Umwelt Brettens, führen dessen Bewahrer ins Feld. Sie verweisen auf geschützte Pflanzen und Tiere, auf die Folgen einer Rodung für Klima und Wasserhaushalt. Und natürlich auch auf die Spaziergänger, die hier Ruhe und Entspannung finden.

Die Arbeitsplätze und die Wirtschaftskraft der Stadt stellt dagegen der Oberbürgermeister in den Vordergrund. Die Stadt müsse Firmen Grundstücke anbieten können, damit die Bürger Lohn und Arbeit finden können. Und damit der Stadtkasse weiterhin die Steuereinnahmen gesichert sind, die zur Finanzierung vieler kommunaler Aufgaben nötig sind.

Dies wird von der Gegenseite nicht grundsätzlich abgestritten. Aber man müsse doch an- und umsiedlungswilligen Firmen die Grundstücke nicht unbedingt dort anbieten, wo heute noch der Rüdtwald rauscht, sagen sie und verweisen auf brachliegende Gewerbeflächen im Brettener Umland.

Auch im Brettener Rathaus sieht man die Notwendigkeit, sich mit den Nachbarn zusammen zu tun, um gemeinsam Wirtschaftsförderung zu betreiben. Trotzdem besteht man darauf, Flächen für eine „Eigenentwicklung“ zu haben. Um etwa Brettener Betrieben auf der eigenen Gemarkung ein Grundstück anbieten zu können, wenn sie sich vergrößern oder umsiedeln möchten. Oder auch, um sich besonders attraktive Unternehmen nicht entgehen zu lassen.

Sicher ist da ein Stück Prestigedenken dabei. Aber diese Haltung beruht auch auf Erfahrung. Paul Metzger und seinen Mitstreitern sind in den vergangenen Jahren etliche Firmenansied-lungen gelungen. Und immer wieder war aus diesen Unternehmen zu hören, wie zuverlässig, schnell und kompetent ihre Verhandlungspartner im Rathaus gewesen seien. Ob solche Erfolge mit den größeren und schwerfälligeren Gremien einer interkommunalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft erreichbar sind, scheint zweifelhaft.

Den Schwarzen Peter hat jetzt der Brettener Gemeinderat. Bei ihm liegt letztlich die Entscheidung, ob der Rüdtwald der Erholung oder dem wirtschaftlichen Wohlergehen dienen soll. Bisher halten sich die gewählten Kommunalpolitiker bemerkenswert bedeckt in dieser Frage – wohl auch, weil sie beobachten wollen, wie sich die Stimmung im Städtchen entwickelt. Angesichts der im nächsten Frühsommer anstehenden Wahlen durchaus nachvollziehbar. Die vom Oberbürgermeister angeregte Bürgerbefragung könnte ein Stimmungsbild liefern. Ob sie stattfindet, liegt aber wiederum in der Entscheidung des Gemeinderats.

Rudolf Baier

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