Die Gleise enden im dichten Brombeer-Gestrüpp

Auf den Spuren der Zabergäubahn – Wie sieht es an der Strecke aus, die wieder aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen könnte?

Vieles hat sich in den vergangenen 120 Jahren im Zabergäu verändert. Manches nicht. Zum Beispiel, dass auf einen Bahn-Anschluss gehofft wird. 1896 wurde zwar nach langem Warten die Schmalspurbahn von Lauffen nach Güglingen eröffnet, die Strecke allerdings 1986 außer Betrieb gestellt. 1993 rollte der letzte Ausflugszug. Nun besteht Hoffnung, dass im nächsten Jahrzehnt die Stadtbahn zwischen Heilbronn und Zaberfeld verkehrt. Doch wie sieht es heute an den alten Schienen aus?Der Ausgangspunkt der einstigen Bahnstrecke war der Lauffener Bahnhof. Und wer im Anschluss an die Straße „Im Brühl“ einige hundert Meter entlang der Lauffener Bahngleise in Richtung Kirchheim läuft, entdeckt, dass der Weg über kreuzende Schienen führt.

Von dort aus fuhr die Schmalspurbahn – und ab 1964 der Schienenbus auf Normalspur – durch den Kaywald nach Meimsheim. Die meist überwucherten Gleise verlaufen einige Meter südlich der Zaber. In dem Wäldchen stehen noch vereinzelte Industriegebäude. Der weit von der Ortschaft entfernt gelegene Haltepunkt Hausen war nach der Umspurung aufgegeben worden.Kurz verschwinden die Bahnschwellen unter dem Teerbelag der Straße Meimsheim-Kirchheim – einst einer von 67 Bahnübergängen, von denen in den 60er Jahren die Hälfte beiseitigt worden war. In Meimsheim schließlich erwartete die Passagiere ein recht stattlicher Bahnhof. Doch das hübsche Gebäude mit der braunen Holzverkleidung, einer morschen Rampe und brüchigen Schuppen hat mittlerweile seine besten Tage weit hinter sich. Dafür kündet das Kneipenschild an der Straße noch von früheren Zeiten: „Dampfroß“.

Schrebergärten und Naturschutzgebiet werden von den Schienen durch-, der Herrenwiesenbach und die Zaber überquert, bevor sie in Brackenheim ankommen. Für Raiffeisen-Lagerhaus und Gaswerk der Stadt war der Anschluss einst ideal, noch heute scheint am WLZ-Silo ein Abfüllrohr auf Züge zu warten. Der Bahnhof mit seinen braunen und beigen Schindeln und hübschen Klappläden ist in besserem Zustand als die der anderen Ortschaften. Er beherbergt einen Handwerksbetrieb und Wohnräume.Über die Straße nach Botenheim, unterhalb des Seniorenheims „Haus Zabergäu “ und ein paar Meter am Sportplatz vorbei, geht es nach Frauenzimmern weiter. Wo einst die Bahnstation Frauenzimmern-Cleebronn stand, können die Einwohner nun Altglas, Kleider und Papier in Container werfen.

Markiert die Strecke in dem Güglinger Stadtteil noch das südliche Ende des Orts, wächst dann die Kernstadt zum Teil schon über die Gleise hinaus.Der Güglinger Bahnhof, einst Endpunkt der Schmalspurbahn sowie mit Lokstation und Lokschuppen versehen, fristet heute sein Dasein als Bauhof. Müllcontainer stehen neben Maschinen, gelagerten Säcken, Rohren und Erdhaufen. Das Gebäude ist nicht mehr in bestem Zustand: Nicht nur die Fassade ist angegriffen, die roten Schindeln sind zum Teil abgeplatzt. Die Zabergäustadt beherbergt den letzten Bahnhof der Strecke. Diese war zwar anno 1901 bis nach Leonbronn weitergeführt worden, allerdings steht keine der Stationen zwischen Pfaffenhofen und Leonbronn mehr. Nur Bahnsteige und Straßennamen zeugen noch von den Haltepunkten des liebevoll „Zaberle“ genannten Zuges.

Und wo früher Lokomotiven pfiffen und Waggons ratterten, weht am Güglinger Ortsausgang nun der Wind vergnügliche Kinderschreie vom Freibad herüber. Das Bild hat sich von einem kurzen Industriegebiets-Intermezzo schon wieder in die streckentypische Idylle verwandelt.In Pfaffenhofen stehen neben den Gleisen ebenfalls Fabriken, dann geht es wieder hinaus in die liebliche Zabergäu-Landschaft mit ihren Wiesen und Weinbergen. Gegenüber des Bahnsteigs in Weiler, wo einmal ein Wartehäuschen stand, wird heute gekickt. Auch Zaberfelds Fußballer haben praktisch „Bahnanschluss“. Einen Bahnhof gibt es im Ort nicht mehr, dafür das große Lagerhaus, das mit der benachbarten Station durch ein Ladegleis verbunden war.

Würde eine künftige Stadtbahn nicht in Zaberfeld enden, wäre die Ehmetsklinge, die einige hundert Meter von den Schwellen entfernt liegt, sicher eine beliebte Haltestelle. Der Traum von der Verbindung nach Bretten ist aber noch nicht ausgeträumt. Zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts hatte er sich nicht erfüllt: So sind die Kilometer an der Straße Zaberfeld-Leonbronn entlang die letzten. Am Leonbronner Ortseingang verschwinden die Gleise in dichtem Gestrüpp.

Inmitten von wuchernden Brombeeren steht ein alter Rammbock als Endpunkt der früheren Zabergäubahn. Eine künftige Stadtbahn wird dort wohl nicht mehr enden: Anfangs soll in Zaberfeld Schluss sein, und ob die Züge einmal durch Leonbronn hindurch ins Badische fahren, wird die Zukunft zeigen.

22.08.2003 01:30

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