Es droht weiter die Insolvenz

VfB Bretten hat 1,5 Millionen Mark Schulden – Stadt greift ein – Langfristige Lösung ist noch nicht in Sicht
Von PZ-Mitarbeiterin Sabine Mayer
BRETTEN. Das Schicksal des VfB Bretten steht auf Messers Schneide. Schon vor rund drei Wochen wollte der renommierte Brettener Verein, der aus der Landesliga absteigen muss, das Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Bretten einleiten. Damals verhinderte Oberbürgermeister Paul Metzger in letzter Minute den schon vorbereiteten Gang zum Amtsgericht.

Jetzt hat Vorsitzender Christian Pfeil wieder Hoffnung geschöpft, nachdem der Gemeinderat nichtöffentlich umfassend informiert wurde und die Stadt mit den Gläubiger-Banken verhandeln will. Für Oberbürgermeister Metzger besteht „gegenwärtig kein Grund für ein Insolvenzverfahren“: „Der Verein verfügt über kein Geld mehr für den weiteren Spielbetrieb, er wird auf Sponsoren angewiesen sein. Gelder für die laufenden Kosten stehen aber zur Verfügung.“ Für Metzger und den Gemeinderat haben sich aber bei der Durchsicht der Unterlagen „eine ganze Reihe offener Fragen und Ungereimtheiten“ ergeben. Dabei sei, so Metzger, „mit vielen Legenden aufgeräumt worden.“ Dazu zählt der Oberbürgermeister unter anderem die Behauptung des früheren Vorstandes, die Verteuerungen beim Clubhausbau gingen auf den Zeitdruck durch die Stadt zurück, weil damals angesetzte Eigenleistungen durch Handwerkerarbeiten ersetzt werden mussten. „Auch ohne Eigenleistungen, die ja in der Bauabrechnung nicht nachgewiesen sind, sind die Einnahmen über Darlehen und städtische Zahlungen von 13 Millionen um 350 000 Mark höher als tatsächlich nachgewiesen“, rechnet Metzger vor.

Großes Erstaunen
Erstaunen verursachte auch das Architektenhonorar, das an Vorstandsmitglied Wolfram Pfaus beziehungsweise ein Karlsruher Architekturbüro in Höhe von 136 000 Mark geflossen ist. Überrascht habe auch, so Metzger weiter, dass auf der Einnahmeseite nicht eine einzige Mark an Spenden für das Clubhaus verbucht worden sei.
Nachfragebedarf bestehe weiterhin über das Vorgehen der beiden Vorstandsvorsitzenden Biermann und Pfaus: „Bei Ausgaben über 30 000 Mark muss nach der Satzung der engere Vorstand entscheiden. Nach unseren bisherigen Informationen hat er aber nie mitentschieden“

Kein Geld für Mannschaft
Während Metzger den Bestand des renommierten Brettener Vereins zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gefährdet sieht („im Spätherbst könnte es ohne eine Lösung zum Insolvenzverfahren kommen“) plädiert Pfeil, der das schwere Erbe des mit rund 1,5 Millionen Mark verschuldeten VfB nach dem Ausscheiden der bisherigen Vorstandschaft bei den letzten Wahlen Ende 1999 übernommen hatte, für ein schnelles Handeln: „Wir hängen nach wie vor in der Luft. Trainergehälter und vertragliche Leistungen für die Spieler sind schon lange nicht mehr oder nur zum Teil gezahlt worden, neue Verträge können wir in dieser Situation unmöglich abschließen“.

Pfeils Resümee: „Wenn der Gemeinderat zu spät entscheidet, haben wir vielleicht eine Superlösung für die Finanzen des Vereins, aber keinen Spielbetrieb mehr, weil uns die Spieler weggelaufen sind.“ Rettung über die Deutsche Bank und die Sparkasse, bei denen der VfB mit 800 000 beziehungsweise 400 000 Mark in der Kreide steht gab es nach Aussagen von Pfeil bisher nicht: „Es sind viele Gespräche geführt worden, eine Verringerung der Zinsen war nicht möglich.“

Wenn ein Insolvenzverwalter die Zahlungsunfähigkeit feststellen würde, müsste wohl auch die Stadt mit ihrer Bürgschaft einspringen, der städtische Kredit von rund 260 000 Mark wäre vermutlich ebenfalls abzuschreiben. Das Clubhaus würde dann zur Versteigerung anstehen.

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