Lob für den Mut zum ,,Wissensstandort“

Gestern wurde im Melanchthonhaus das USQ-Europazentrum feierlich eingeweiht
Lothar Späth sieht die Einrichtung im Einklang mit Globalisierungsprozess
Von unserem Redaktionsmitglied Claudia Kraus
,,Ein Festvortrag wird’s nicht werden‘, hatte der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth seiner Rede vorausgeschickt, doch seine Gedanken zum Thema „Standortfaktor Wissen im Globalisierungsprozess der Wirtschaft“ waren durchaus druckreif. Anlass war die feierliche Einweihung des Europazentrums der australischen University of Southern Queensland (USQ) im Melanchthonhaus gestern, zu der OB Paul Metzger viele Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft begrüßte, darunter Regierungspräsidentin Gerlinde Hammerle, der australische Botschafter Seine Excellenz Paul O Sulivan, USQ-Präsident Peter Swannell, die Oberbürgermeister aus den Nachbarstädten Karlsruhe und Bruchsal, Heinz Fenrich und Bernd Doll, sowie die Verwaltungschefs der umliegenden Gemeinden. Mitglieder des Orchesters am EdithStein-Gymnasium unter Leitung von Rainer Koppenhöfer leisteten mit Stücken von Bach, Brahms und Balay einen musikalischen Beitrag zum Thema Weiterbildung.

Über die Anwesenheit des Festredners Späth freute sich OB Paul Metzger besonders. Er erinnerte die Zuhörer daran, dass der Träger der Bürgermedaille der Melanchthonstadt einst entscheidend zur Lösung der wirtschaftlichen Krise in Bretten beigetragen habe. Späth gratulierte zunächst der Stadt für ihren Mut, die Ansiedlung von USQ vollzogen zu haben. Der Globalisierungsprozess von Wirtschaft, aber auch von Wissenschaft und Bildung sei nicht mehr aufzuhalten, prognostizierte der frühere Landeschef. Um mit der Entwicklung standhalten, innovativ sein zu können, bedürfe es eines klaren Bekenntnisses zu neuen Technologien. ,,Diese werden im Softwarebereich liegen.“ Wissen und Bildung räumte Späth eine zentrale Bedeutung ein. Dies über Fernstudien und mittels neuer Kommunikationstechnologien zu erwerben. sei künftig ein ,,ganz normaler Weg“. Bereits heute würden viele Kinder und Jugendliche ihre Hausaufgaben übers Internet machen.

Späth sprach von einem „Riesen-Generationskonflikt“ und kritisierte eine deutsche Betrachtungsweise, die geprägt sei von alIzu großer Vorsicht und Skepsis gegenüber inno-vative Projekte. ,,Das ist ein Mentalitätsproblem: Wir sind nicht mehr neugierig.“ Gleichwohl verkündete er in seiner provokativen Rede, dies werde sich ändern. ,,Sie werden sich noch wundern, wie viele Leute künftig übers Internet studieren“, sagte Späth. In Bezug auf das Brettener Zentrum sprach Späth von einem Wissensstandort. ,, Die Interessenten kommen, und dann ist der Laden gut, oder sie kommen nicht“. Letztlich werde darüber der Markt entscheiden.

,,Nach Überwindung mancher Steilstrecke und nach langen Kämpfen feiern wir nun den offiziellen Eröffnungsakt“ , sagte Metzger. Er erklärte, der Brettener Gemeinderat und er seien überzeugt davon, mit USQ einen guten Partner gefunden zu haben, ,,um der globalen Wissensvermittlung der Zukunft Rechnung zu tragen“. Metzger betonte noch einmal, dass es beim Studienzentrum nicht vordergründig um einen On-Campus-Betrieb gehe. Bei dem auf fünf Jahre angelegten Finanzierungskonzept seie man nicht auf Landeszuschüsse angewiesen. Als Rohstoff der Zukunft bezeichnete der Rathauschef Wissen, Information und die Verarbeitung von Informationen. „In dieser Aufgabenstellung haben wir in Bretten einen kleinen Beitrag geleistet.“Der australische Botschafter Seine Excellenz OSulivan stellte nochmals die Verdienste heraus, welche sich die australische Universität im Bereich des Fernstudiums erworben hat und betonte die Wichtigkeit ihres Konzepts der steten Weiterbildung.

Dies griff auch USQ-Präsident Peter Swannell in seiner Ansprache auf. Die Universität als ein Ort des Lernens, Lehrens und Forschens — ganz gleich wo. ,,Wir können die Möglichkeit lebenslanger Weiterbildung vermitteln.“ Die Welt und das Bildungssystem befänden sich im Wandel. Und damit die sich eröffnenden Möglichkeiten, die über internationale Grenzen hinausreichten. ,,Der Zug ist schon dabei, abzufahren“, appellierte der Präsident an die Zuhörer. USQ biete den Studierenden eine Alternative zu traditionellen Bildungsangeboten.

Martin Steinbüchel, seit vergangenem Monat Geschäftsführer des Brettener Zentrums, freute sich über die ,,wohlwollende Verbundenheit“, die durch die Gäste zum Ausdruck gebracht werden.

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1 Antwort zu Lob für den Mut zum ,,Wissensstandort“

  1. h - z sagt:

    Zur feierlichen Einweihung des Europazentrums der USQ hielt sogar der ehemalige Ministerpräsident des Landes, Lothar Späth, eine Rede.

    Die Lobhudeleien über diese universitäre Einrichtung wären sicherlich nicht erfolgt, wenn man gewusst hätte, es geht bereits am 26. Februar 2008 mit Zustimmung des Gemeinderates für die Auflösung der USQ zu Ende.

    Übrigens, der damalige Bruchsaler OB Doll war ebenso als Gast zugegen. Sein Uni-Experiment ist auch schon lange Schnee von gestern!

    Man muss noch einmal rekapitulieren (besser sich erinnern):
    Am 26.11.1998 war die feierliche Vertragsunterzeichnung – am 26.02.2008 stimmte der Brettener Gemeinderat notgedrungen für die Auflösung der USQ, auch wenn die Stadt Bretten mit nur 37,5 Prozent am Studienzentrum USQ beteiligt war. Warum sich weitere daran beteiligten, ist mir heute noch ein Rätsel.

    Was dieses einmalige und großartige Universitäts-Experiment die Brettener Steuerzahler gekostet hat, lässt sich an anderer Stelle nachlesen.
    Und gar niemand haftet persönlich für diese total überflüssigen großkotzigen finanziellen Gernegroß-Ausgaben. Und genau das ist das eigentliche Übel bei diesem kommunalen Meilenstein und Denkmal, das nicht einmal ein Jahrzehnt überdauerte.
    Und wer war der Ideengeber für das alles: Paul Metzger? 🙂

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