Doppelsieg für Bretten um Universität

Erstens: Verein Nexus zieht Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Stadt zurück – Zweitens: Kreistag beschließt Beteiligung an gGmbH
BRETTEN/KARLSRUHE.
Sieg an zwei Fronten für die Stadt Bretten um die Einrichtung des „Europäischen Studienzentrums“ der University of Southern Queensland (USQ) im australischen Toowoomba.
Von PZ-Redakteur Bruno Knöller
Gestern, 14.50 Uhr: Der gemeinnützige Verein Nexus, der die Beziehungen Brettens zur USQ angebahnt hatte, zieht vor der achten Zivilkammer des Landgerichts Karlsruhe seinen aussichtslosen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Stadt zurück. Nexus hatte erreichen wollen, weiterhin am Aufbau der Uni-Filiale in Bretten beteiligt zu werden. Gestern, 17.15 Uhr: Der Karlsruher Kreistag befürwortet in seiner Sitzung in Stutensee- Friedrichstal einstimmig seine Beteiligung als Gesellschafter an der gemeinnützigen Gesellschaft (gGmbH) für das „Studien- und Forschungszentrum“ der USQ. Mit einer Stammeinlage von 2100 Euro (etwa 4110 Mark) ist der Kreis mit von der Partie.

Eineinhalb Stunden lang befaßte sich die Zivilkammer unter dem Vorsitzenden Richter am Landgericht, Wolf-Rüdiger Waetke, mit dem Nexus-Verlangen. Lange Zeit schien es offen, ob es zu der vom Verein begehrten einstweiligen Verfügung kommen würde. Der Rechtsvertreter der Stadt Bretten, der Karlsruher Anwalt Dr. Michael Bartsch, sorgte jedoch dafür, daß die Waage Justitias sich plötzlich zugunsten der Kommune senkte. Als Richter Waetke wissen wollte, warum denn eigentlich die beiden im Oktober und November letzten Jahres mit Nexus geschlossenen Vereinbarungen gekündigt werden sollten, zitierte Bartsch aus E-Mails des Nexus-Schriftführers Dr. Wilhelm Medenbach an die australische Uni. Darin heißt es beispielsweise: „Der Oberbürgermeister ist nicht nur ein Gauner, sondern reif fürs Irrenhaus“ und „Wenn Metzger nicht zu Verstand kommt, werden wir ihm das Studienzentrum wieder wegnehmen“.

OB Paul Metzger sagte gestern vor Gericht aus, daß die Spannungen entstanden seien, weil Nexus nicht mit der vorgesehenen Kontrolle über das Ausgeben des Geldes einverstanden gewesen sei. Medenbach habe der USQ quasi mitgeteilt: „Ätsch, ätsch, Bretten ist out, auch wenn Ihr Euch anders entscheidet.“ Der Verein habe Angst bekommen, als gesagt worden sei, daß er „nur ein Drittel oder ein Viertel“ der Studiengebühren bekommen sollte, räumte Medenbach ein, der zusammen mit Anwalt Peter Adelsberger aus Bruchsal vor Gericht die Nexus- Interessen vertrat. Vorsitzender Richter Waetke, dem ebenso wie Adelsberger die E-Mails gestern erstmals zu Gesicht kamen, wunderte sich: „Wer von einem Gauner redet und davon, daß der OB kürzer gemacht werden müsse, löst damit in Australien keine Freude aus. Ich kann die Kündigung der Vereinbarungen schon verstehen.“

Bevor die Nexus-Seite eine Sitzungsunterbrechung beantragte, entschuldigte sich Medenbach für seine in den E-Mails enthaltenen Entgleisungen. Als die Zivilkammer zurückkehrte, machte Richter Waetke deutlich, daß das Gericht beabsichtige, die einstweilige Verfügung nicht zu erlassen und empfahl, den Antrag zurückzuziehen. Während Anwalt Adelsberger für Nexus sofort einwilligte, führte Kontrahent Bartsch die gegnerische Partei geradezu vor. Er bestand auf einem Urteil, falls Medenbach nicht erkläre, daß die beiden Vereinbarungen nicht mehr bestünden und keinerlei finanzielle Ansprüche geltend gemacht würden. Mit Medenbachs Aussage „Ich gehe davon aus…“ gab er sich ebenfalls nicht zufrieden. „Das ist mir zu sehr Politikerdeutsch.“ Erst nach einer Präzisierung Medenbachs drehte Bartsch dann bei.

Im rund zehn Kilometer entfernten Friedrichstal ging es während der Kreistagsberatung dagegen lustiger zu. CDU-Fraktionsvorsitzender, Ettlingens Oberbürgermeister Josef Offele. scherzte: „Ich hoffe nicht, daß jetzt in jeder der 32 Kreisgemeinden eine Uni entsteht.“ Dr. Karl Mittag (Grüne) ulkte: „Vielleicht bekommt Stutensee mal eine Fern-Uni mit Japan.“ Die öffentliche Vertragsunterzeichnung der gGmbH ist für heute in Bretten angesetzt.

N.N.

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7 Antworten zu Doppelsieg für Bretten um Universität

  1. G. H. sagt:

    Antwort für spezi am 23. März, 2012

    „Doppelsieg für Bretten um Universität am 15. April 1999

    Einfache Niederlage

    am 19.10.2011 vor dem Amtsgericht in Mannheim.

    Wer war der ursprüngliche Ideengeber? Paul Metzger! Nochmals vielen Dank an die Brettener Steuerzahler!

  2. G. H. sagt:

    Warum war das universitäre Experiment für den Erfinder dieser zündenden Idee trotz Vorschusslorbeeren von politisch Allerseits gescheitert?

    Weil die Verleihung der Ehrendoktor-Würde mit Doktor-Hut in weite Ferne gerückt war!
    🙁

  3. spezi sagt:

    „Sieg an zwei Fronten für die Stadt Bretten um die Einrichtung des „Europäischen Studienzentrums” der University of Southern Queensland (USQ) im australischen Toowoomba.“

    „Amtsgericht Mannheim vom 19.10.2011
    HRB 240694: 19.10.2011 University of Southern Queensland (Australia) European Study Center Bretten Gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Bretten (Melanchthonstraße 119, 75015 Bretten). Die Liquidation ist beendet. Die Gesellschaft ist gelöscht. Das Registerblatt ist geschlossen.“

    Zwei „Erfolgsmeldungen“ – Made bei Paul Metzger…?

    OK,OK, der Gemeinderat hat ja auch zugestimmt… 🙂

    Aber die Abrechnung haben wir bezahlt – die lieben Bürgerinnen und Bürger aus Bretten… 🙁

  4. Mur- sagt:

    Und von der schwarzen Mehrheit im damaligen Gemeinderat mit ihrer bewundernswerten Kompetenz in universitären Gründungsfragen! Bravo!

  5. -sol- sagt:

    Und das alles mit Brettener Steuergeld schön angerichtet von Herrn Metzger (CDU)! 🙂

  6. kutt. sagt:

    Und bereits seit längerem ist alles im Eimer!

    Mit besonderem Dank an die Universitätsstadt Bretten!

  7. mm sagt:

    starker Tobak!

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