Stadt profitiert vom Flächenmangel

Mittelzentrum Bretten zieht neuen Betrieb von Stein in das eigene Gewerbegebiet: Aussichtsreiche Verhandlungen sollen folgen
BRETTEN
„Wir haben noch Flächen für die Ansiedlung weiterer Betriebe zur Verfügung und stehen in aussichtsreichen Gesprächen mit drei Unternehmen“, erläuterte gestern Brettens Oberbürgermeister Paul Metzger das Geheimnis der Erfolge seiner kommunalen Wirtschaftsförderung. Als Geschäftsführer Klaus Kienhöfer vom Maschinenbaubetrieb „Rotaform“ aus Königsbach- Stein sich telefonisch nach Flächen für eine Neuansiedlung erkundigte, formulierte Metzger ein umfassendes Angebot und stellte es ihm zwei Tage später bei einem Firmenbesuch im Gewerbegebiet in Stein vor.
Von PZ-Redakteur Horst Pieper

Acht neue Unternehmen zogen im letzten Jahr nach Bretten um. Nun sind weitere Interessenten aus Pforzheim und Mühlacker an der Angel. Die Zahl der Arbeitsplätze stieg in der Melanchthonstadt 1997 gleich um 700, obwohl die großen Hersteller einige Jobs abbauten. „Wir wollen garantieren, daß der Grad der Beschäftigung in unserer Stadt kontinuierlich anwächst“, hat sich Metzger 1998 zum Ziel ge-
setzt. Gestern konnte die Stadtverwaltung einen wichtigen Zwischenerfolg buchen. Der Vertrag über die Ansiedlung der Firma „Rotaform“, ein Tochterunternehmen der Gebrüder Felss GmbH aus Königsbach-Stein, wurde am Morgen im Rathaus unterschrieben. „Auch die direkte und zupackende Art des Oberbürgermeisters ist ein Vorteil des Wirtschaftsstandortes Bretten geworden“, äußerte sich Firmen- Geschäftsführer Klaus Kienhöfer diplomatisch zur PZ.

Halle in Stein wird zu klein
Nach den Vereinbarungen von Bretten zieht „Rotaform“ schon im Sommer in das Industriegebiet im Stadtteil Gölshausen. Der Betrieb will dort eine Produktionshalle und ein Bürogebäude errichten. Die Automobil-Industrie gehört zu den wichtigsten Kunden. Umformteile, die hauptsächlich auf Felss-Rundknetmaschinen und Transferanlagen hergestellt werden, werden vom Tochterunternehmen entwickelt. 30 Mitarbeiter würden im laufenden Geschäftsjahr nach der Prognose einen Umsatz von 14 Millionen Mark erwirtschaften. Angesichts der Nachfrage sei die Produktionshalle in Stein schon zu klein. Der Bereich Serienfertigung soll auf 2500 Quadratmetern Fläche mit Büroräumen untergebracht werden. In den nächsten drei Jahren rechnet die Firma mit einem Aufstocken des Personals auf 60 Mitarbeiter. OB Metzger sprach gestern von einem „modernen und zukunftsträchtigen Unternehmen“. „Mit der Realisierung der weiteren Bauabschnitte ist eine weitere kontinuierliche Steigerung der Mitarbeiterzahl zu erwarten“, betonte das Stadtoberhaupt.

Lange Suche vor Ort
„Wir können an der Wilferdinger Höhe in Pforzheim nicht kaufen. Ich will nicht nur ein Grundstück kaufen, sondern dann finanziell einen Betrieb noch hochziehen“, kritisierte Kienhöfer die hohen Quadratmeterpreise der Goldstadt. Auch in anderen Nachbar-gemeinden wie Remchingen oder Keltern habe er nachgefragt. „Vor vier Monaten fiel bei uns am Ort die endgültige Entscheidung. Die Gemeinde Königsbach-Stein konnte aufgrund der Verhandlungsprobleme mit einer älteren Grundbesitzerin ihre Zusagen nicht mehr einhalten. Deshalb wandten wir uns auch an Bretten“, sagte Kienhöfer zur PZ. Sein Unternehmen hätte keine weitere Zeit zuwarten können. OB Metzger ließ durchblicken, daß er beim Festlegen des Grundstückspreises die vom Gemeinderat gebilligte Spanne „gut ausgeschöpft“ habe.

Enzkreis-Defizite nutzen
Der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung im Brettener Rathaus, Uwe Reinhard, hat inzwischen die Schwächen der kommunalen Wirtschaftspolitik im Enzkreis und in Pforzheim ausgemacht. Nach seinen Worten kann Bretten die Bodenpreise anderer Anbieter deutlich unterbieten, außerdem habe seine Stadt noch umfangreiches erschlossenes Areal zur Verfügung. Bisher habe es in den Gewerbegebieten keine Disco-Ansiedlung und keine Supermarkt-Zulassung gegeben. 22 Hektar seien noch zu vergeben. In den meisten Gemeinden des Enzkreises ständen erst in zwei Jahren konkurrenzfähige Gewerbeflächen zur Verfügung. Dazu war in der Brettener Verwaltung zu erfahren, daß es manchem Bürgermeister im Enzkreis angeblich an Engagement in Sachen Gewerbeansiedlung fehle.

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