OFFENER BRIEF

dieser Text erschien als Anzeige der AdS in der Brettener Woche, vom 19.2.1998

an den CDU-Fraktionsvorsitzenden Erich Hochberger
Sehr geehrter Herr Hochberger,
wer mögen all die Menschen sein, die wir täglich in unseren Geschäften begrüßen?
Kunden sind es ja wohl nicht, wie wir Ihren Äußerungen entnehmen durften. „Der Kunde,“ so lasen wir es in der BNN aus Ihrem Munde, „wird auch in Zukunft genau das tun, was er seit 15 Jahren macht, nämlich außerhalb Brettens einkaufen. Und das bißchen, was ihm in der Innenstadt geboten wird, interessiert ihn nicht.“
Daß Sie, Herr Hochberger, der Brettener Innenstadt seit 15 Jahren den Rücken kehren, ist bedauerlich. Daß Sie sich dann aber just-zu einem Thema einlassen, von dem Sie augenscheinlich keine Ahnung haben, ist nur schwer erträglich. Zumal Sie es in Ihrer Eigenschaft als Mändatsträger der Brettener Bürgerschaft tun. Noch bedenklicher freilich ist Ihre Einschätzung, Sie seien „nicht für den Einzelhandel verantwortlich“. In diesem Zusammenhang möchten wir darauf aufmerksam machen, daß der Einzelhandel mit über 1000 Beschäftigten einer der wichtigsten Arbeitgeber in Bretten ist. Mag man über derlei Marginalien großzügig hinwegsehen; die Betroffenen allerdings gewichten hier ein wenig anders. Vielleicht sind Ihnen, verehrter Herr Hochberger, über die Globus-Kriegbaum-Lidl & Schwarz-Gigantomanie auch nur einfach Maßstab und Augenmaß verlorengegangen.
Wir laden Sie herzlich ein, doch wieder einmal in die Innenstadt zu kommen. Sie hätten dann Gelegenheit, sich selbst ein
Bild zu machen von dem „bißchen, was in der Innenstadt geboten wird.“
Über 230 Geschäfte aus verschiedensten Branchen erwarten Sie!

[An dieser Stelle befand sich in der Anzeige eine Auflistung der genannten 230 Geschäfte ]

Vielleicht können wir Sie ja dazu bewegen, daß Sie sich auch für diese Wählergruppe einsetzen, anstatt sie mit Schmähungen zu überziehen. Ihre Fraktionskollegen sind darüber offensichtlich derart erschüttert, daß es ihnen fast allen die Sprache verschlagen hat. Dabei hätten wir gern auch einmal eine andere Stimme gehört als Ihre! So verlassen wir uns denn auch auf Ihre Sprachgewalt, wenn es demnächst gilt, die Frage zu klären, wie ein Gemeinderatsvorsitzender im Alleingang Verträge abschließen konnte, deren Erfüllung er nun nachträglich dem Stadtrat über eine Scheinabstimmung abverlangt. Darin kann man wohl wirklich nur noch – und wir zitieren hier gern einen Ihrer Kollegen –ein „Kasperletheater“ erkennen.

Herr Hochberger, wir haben Angst um Bretten. Weil die Innenstadt systematisch ausgetrocknet wird. Das bedeutet nicht nur die – von Gutachtern bestätigte – Bedrohung der Arbeitsplätze des Brettener Einzelhandels. Das bedeutet vor allem auch den Verlust von Lebensqualität – und am Ende eine tote Stadt. Wollen Sie das wirklich?
Wenn nicht, bieten wir Ihnen unsere konstruktive Zusammenarbeit auch weiterhin an.

AdS
Arbeitsgemeinschaft der Selbständigen in Bretten

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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6 Antworten zu OFFENER BRIEF

  1. D-L sagt:

    Wenn ich mit dem Auto oder mit dem Fahrrad auf Brettener (Wohn-)Straßen fahre, dann erlebe ich in ihren unzähligen Schlaglöchern entweder einen „Beinahe-Achsenbruch“ oder einen „Beinahe-Sturz“.

    Das wäre beispielsweise eine Pflichtaufgabe (Verkehrssicherungspflicht) der Stadt, um die sich der neue OB vehement kümmern müsste?

  2. tors. sagt:

    Freiwillige Aufgaben

    Fischmarkt
    Garten- und Landschaftsmarkt
    Messe Bretten
    Festival Bretten Live
    Europafest
    Weinmarkt
    Weihnachtsmarkt
    Traditionelles Heringsessen

    können sofort anspuchs- und ersatzlos gestrichen werden, weil Mitarbeiter der Stadtverwaltung Bretten damit heillos überlastet sind!

  3. Klus./Rait. sagt:

    Der Kommentar von -an-i- ist vom 19. Februar 2010. – Der obige „Offene Brief“ ist vom 19. Februar 1998.

    Auf den Tag genau 12 (in Buchstaben zwölf) Jahre lang hat sich nichts getan!

    Ein fulminantes Ergebnis der Chefsache Metzger (CDU) in der Brettener Wirtschaftsförderung für den Brettener Einzelhandel!

  4. Zaw. sagt:

    @ -an-i- 19.2.10

    “ Es wäre schade, wenn sich der neue OB auf das gleiche „freiwillige“ Parkett begeben würde.“

    Tut er soeben doch!

    S. Bericht „Bei Schneider soll das Licht wieder angehen“ BNN 19. Februar 2010:

    …“Dies unter anderem deshalb, weil bei der Stadtverwaltung die Leistungsgrenze erreicht sei. „Hier wird mit wenigen, nicht sehr gut bezahlten Mitarbeitern mehr geleistet als andernorts mit vielen und gut dotierten. Meinen Mitarbeitern, die sowieso am Limit agieren, können keine weiteren Veranstaltungen aufgebürdet werden.“

  5. -an-i- sagt:

    Wenn sich die Verwaltung und der GR mit „freiwilligen Aufgaben“ profilieren wollen, dann werden immer manche auf der Strecke bleiben. Sollten sie mit „Pflichtaufgaben“ aber zu wenig zu tun haben, dann wollen Sie bitte die Verwaltung und die daraus resultierenden Kosten verkleinern.

    Es wäre Schade, wenn sich der neue OB auf das gleiche „freiwillige“ Parkett begeben würde.

    Nicht die Verwaltung, sondern alleine die Unternehmer können – und müssen ohne Steuergeld – die Arbeitsplätze schaffen.
    Wenn nicht, dann wäre der Kommunismus der einzige Ausweg.

  6. mm sagt:

    Die AdS gibt es nicht mehr, sie nennt sich jetzt VBU, Vereinigung Brettener Unterlasser, pardon, Unternehmer natürlich. Unterlassen wurde allerdings den couragierten Kurs gegen eine „Austrocknung“ der Innenstadt fortzusetzen. Mit einem schon peinlichen Schmusekurs gegenüber der Stadtverwaltung hat man sogar noch das Kraichgaucenter für gut befunden, bzw. sich damit arrangiert. So sehen Verlierer aus !

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