Industrie-Karussell schafft Platz für Gründer und Erweiterung

Melanchthonstadt im Landesförderprogramm
BRETTEN
Die Idee ist nicht neu, aber dafür erfolgversprechend. Mit dem zweiten „Industrie-Karussell“ will Brettens OB Paul Metzger neue Impulse für Stadtentwicklung und Beschäftigung geben. Das erste Karussell-Projekt hatte 1986 mit 30 Millionen „Anschubfinanzierung“ der öffentlichen Hand in der Melanchthonstadt eine Investitionslawine von 250 Millionen Mark ausgelöst und 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen, schätzt das Stadtoberhaupt.
Von PZ-Redakteur Lothar H. Neff

Das Projekt wurde vom Innenministerium als Modell für bedarfsorientiertes kommunales Flächenmanagement bezeichnet. Waren es damals die Expansionswünsche der Firmen Neff, Fibron und Bischoff Glasstechnik am Standort, wird diesmal zunächst der traditionsreiche Kunststoffverarbeiter Josef Mellert mit 87 Mitarbeitern von der Pforzheimer Straße ins Gewerbegebiet Gölshausen umziehen.

Wegoma-Gebäude angemietet
Die Firma Josef Mellert bezieht als Mieter im April das moderne Produktionsgebäude der Brettener Konkursfirma Wegoma. An der im Mai freiwerdenden historischen Industriestätte (Baujahr 1936) soll ein Gründerzentrum für junge Unternehmen entstehen. „Mehrere Unternehmen haben bereits Interesse an einer Anmietung bekundet“, so OB Metzger. Auch die benachbarte Firma Menzolit-Fibron möchte erweitern. Außerdem wollen sich die Betriebe Klumpp und Deuerer an der Rinklinger Straße vergrößern.

Dafür muß der städtische Bauhof weichen. Zur Stärkung der eigenen-Liquidität kann sich aber die Firma Josef Mellert zunächst 3,24 Millionen Mark für den Verkauf des Grundstücks (7650 Quadratmeter) verbuchen. Auch die Umsiedlung nach Gölshausen (rund 1,7 Millionen Mark) erfolgt für das Unternehmen „kostenneutral“ aus dem Sanierungstopf. Die Wirtschaftlichkeit des Konzepts wurde von zwei Unternehmensberatungsbüros bestätigt. Nach turbulenter Entwicklung bis zum drohenden Konkurs hat das tiefgreifende Konsolidierungskonzept bei Josef Mellert zu einer absatzorientierten Veränderung in Produktion und der Kundenstruktur geführt. Das Unternehmen vollzog den Wandel vom Zulieferer von Kunststoffformteilen zum Entwicklungs-und Systemlieferant für namhafte Kunden aus der Haushaltsgeräte-, Elektro- und Automobilindustrie, wie Geschäftsführer Helmut Weiland und Frank Schleicher erläuterten. Neue Märkte wurden 1995 durch die Gründung eines Partnerunternehmens in Ungarn erschlossen.

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5 Antworten zu Industrie-Karussell schafft Platz für Gründer und Erweiterung

  1. -wund- sagt:

    Eine geradezu „wunderbare“ Wirtschaftsförderung durch die Stadt Bretten.
    Wunderbar für die hiesigen Steuerzahler!
    Die dürfen sich wundern!

  2. B-L sagt:

    Betriebswirtschaftliches Denken prägt „ihn“ heute?
    Und damals?
    Totale Fehlanzeige!

  3. -az- sagt:

    „3,24 Millionen Mark für den Verkauf des Grundstücks (7650 Quadratmeter)“

    Entspricht einem qm Preis von 423,52 D-Mark.

    Plus
    „…(rund 1,7 Millionen Mark)…aus dem Sanierungstopf.“

    Das sind rund 5 Millionen Mark auf Kosten der Steuerzahler für ein Unternehmen, das es nicht mehr gibt.

  4. aha sagt:

    Mittelherkunft: Steuerzahler
    Mittelverwendung: Konkursfirmen

  5. mm sagt:

    ein schöner Karussell-Witz: die Firma Mellert zieht ins Gebäude der „Brettener Konkursfirma Wegoma“ und ist jetzt selbst pleite! Lag’s am Gebäude?
    An den reichlichen Brettener Subventionen kann es weder bei Wegoma, noch bei Mellert gelegen haben. Wenn Oberbürgermeister mit dem Geld der Steuerzahler Wirtschaftspolitik machen, sind Verluste vorgezeichnet. Aber nur für die Steuerzahler!

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