Handel bangt um Innenstadtmagneten

Kriegbaum-Gutachten bestätigt die Richtigkeit der Kriegbaum-Pläne im Feller
Gemeinderat verlangt ein weiteres „Gutachten“, will aber dafür nicht bezahlen
Von unserem Redaktionsmitglied Werner Schoger
Was das Handelsunternehmen Kriegbaum in Bretten vor hat, paßt genau zur Entwicklung des Mittelzentrums Bretten. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das Kriegbaum an ein Nürnberger Büro in Auftrag gegeben hat und welches jetzt im Brettener Gemeinderat in jüngster Sitzung vorgetragen wurde. Demnach ist im Bereich Feller ein Selbstbedienungswarenhaus mit 5 500 Quadratmetern Verkaufsfläche ein Baumarkt mit 5 000 Quadratmetern und ein Gartenmarkt mit 2 000 Quadratmetern Verkaufsfläche, auf einem Areal von zunächst (vermuteten) sechs Hektar für das Mittelzentrum Bretten „verträglich“.

Wenngleich der Einzelhandel in der Innenstadt mit einer Einbuße von zehn Prozent des Umsatzes die Zeche dafür bezahlte, so würde die Stadt doch insgesamt Kaufkraft zurückgewinnen, welche die Stadt bislang an die Nachbarschaft verloren hat (siehe Kommentar „Der alte Veitstanz„).
Die auffällige Übereinstimmung von Gutachten und Kriegbaum-Plänen kommentierte Oberbürgermeister Paul Metzger mit dem Hinweis „Wes Brot ich eß‘, des Lied ich sing'“. Einen solchen Zusammenhang wies der Gutachter freilich weit von sich und behauptete, seine Standortanalyse nach objektiven Kriterien erstellt zu haben. Demnach liege Bretten mit seiner Kaufkraftbindung unter 100 Prozent, müßte aber als Mittelzentrum deutlich darüber liegen. Im Einzugsbereich des geplanten Kriegbaum-Marktes mit einem Gesamtpotential von 843 Millionen Mark entfielen bislang auf die Stadt Bretten knapp 258 Millionen Mark.

Kriegbaum könne im Feller mit einem Gesamtumsatz von 68 Millionen Mark rechnen. Das entspreche einer Kaufkraftanbindung von 8,1 Prozent. In der Stadt Bretten würden derzeit 232 Millionen erwirtschaftet, davon entfielen 92 Millionen auf die Innenstadt. Im Naheinzugsbereich binde Bretten nur 66 Prozent der Kaufkraft.

Wenn Kriegbaum seine Pläne im Feller verwirklichen könne, so meinte der Gutachter, denn bezahle das der Brettener Einzelhandel mit Einbußen (je nach Branche) von fünf bis zehn Prozent, der Brettener Baumarkthandel freilich müsse mit einem Einbruch von 20 bis 30 Prozent rechnen. Und der Gutachter machte klar, daß das Gebiet Am Feller der ideale Standort für einen Großmarkt mit Ausstrahlung aufs Brettener Umland ist und daß dort auch größere Großmärkte (als der Auftraggeber) stehen könnten, wenn deren Struktur anders und deren Werbestrategen auf ein größeres Einzugsgebiet ausgelegt seien.
Wenn ein Großmarkt von hoher Attraktion in die Nachbarschaft abgedrängt würde, dann hätte dies aber fatale Folgen für Bretten. Andererseits machte der Gutachter auch klar, daß in der Innenstadt ein eigentlicher Magnet fehle.

Hier hakten die Vertreter des Brettener Einzelhandels ein — sie waren als sachkundige Bürger eingeladen worden: Das Kaufhaus Schneider, der Innenstadtmagnet, soll verkauft werden. Seit einem Jahr liefen die Verhandlungen. Die Stadt Bretten stehe in der Pflicht, müsse Schneider beistehen und für einen angemessenen Nachfolger sorgen. Die Stadt müsse auch mit der Überbauung des Sporgassenparkplatzes für eine Strukturverbesserung in der Innenstadt beitragen.

In der Debatte des Gemeinderats wollten die Kommunalpolitiker immer wieder Urteile und Stellungnahmen zu Brettener Strukturproblemen haben — ganz so als hätte die Stadt das Gutachten in Auftrag gegeben. Dazu gehörten auch Urteile über Parallelpläne von anderen Handelsunternehmen in Bretten: So die Absicht des Handelshofs, sein „Kaufland“ auf der Diedelsheimer Höhe weiter auszubauen und dafür seine Stadtfiliale an ein anderes Unternehmen, notfalls auch an Kriegbaum zu verkaufen.

Und es ging auch um ein Urteil darüber, wie zu all diesen Plänen der Shop-in-Shop-Laden im bisherigen Möbelzentrum auf der Diedelsheimer Höhe paßt. Eine derartige Einrichtung im Feller wäre nach des Gutachters Meinung „schlimm für den Einzelhandel in der Innenstadt“.

Auf alle diese Fragen soll er jetzt dem Gemeinderat noch Antworten („Gutachten“) geben. Zahlen will der Gemeinderat dafür aber nicht. Das soll Kriegbaum tun — weil dieses Unternehmen eventuell (statt auf dem Feller) in den Handelshof an der Melanchthonstraße einziehen soll?

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