Kein Glühofen – dafür aber eine Müllverwertungshalle

Wettbewerb zwischen Betreibern wird erwartet
BRETTEN/ENZKREIS. Bei dem mit Spannung erwarteten „Müll-Gespräch“, zu dem Oberbürgermeister Paul Metzger den Ludwigsburger Landrat und Aufsichtsratsvorsitzenden der Abfallverwertungsgesellschaft Ludwigsburg (AVL), Dr. Ulrich Hartmann, im Melanchthonstädter Rathaus empfangen hat, wurden beiderseitige Standpunkte einvernehmlich abgeklärt. Wie OB Metzger der Presse mitteilte, werden sowohl die AVL als auch die vorgesehene Betreiberfirma Iseo des Brettener Unternehmers Werner Telwest auf den Bau eines sogenannten „Tunnelglühofens“ zur Behandlung von Restmüll verzichten.

Selbst wenn der AVL-Aufsichtsrat bei seiner Sitzung am 28. Juni, von der ein entsprechender Beschluß erwartet wird, zu einem anderen Ergebnis käme, „gibt es“, so Metzger wörtlich, „auf keinen Fall einen Müllglühofen in Bretten„. Ein solches Projekt sei durch den rechtsgültigen Bebauungsplan für das Industriegebiet Bretten-Gölshausen ausgeschlossen. Die notwendige Befreiung von den Vorgaben dieser Rechtsvorschrift könne allein der Gemeinderat seiner Stadt erteilen, so der Brettener Verwaltungschef, „und wir werden unsere Zustimmung niemals geben„.

Das habe er, Metzger, seinen Gesprächspartnern aus Ludwigsburg klargemacht. Dennoch steht der Stadt Bretten und den Umlandgemeinden die von den Ludwigsburger Abfallverwertern und der Firma Iseo geplante Restmüll-Splittinganlage ins Haus. Nach wie vor soll auf dem vorgesehenen Areal im Brettener Stadtteil Gölshausen eine sogenannte „Kalte Rotte“ eingerichtet werden, ein Trenn- und Kompostierungsverfahren, mit dessen Hilfe Restmüllmengen bearbeitet und im Volumen deutlich vermindert werden. Zu diesem Zweck ist die Errichtung einer großen Müllverwertungshalle mit speziellen Vorrichtungen vorgesehen.

„Das können wir nicht verhindern“, stellte OB Metzger fest, „zumal die nicht verrottenden, übrig bleibenden Restabfälle zur Wiederverwertung in einen dann geschlossenen Produktionskreislauf, wie ihn alle Ökologen sich wünschen, zurückgeführt werden.“ Der Knittlinger Müllverwerter Pfitzenmeier & Rau versuche verstärkt mit Kommunen im Landkreis Karlsruhe und noch weiter westlich ins Geschäft zu kommen. „Andererseits werden sogar Überlegungen angestellt, Bretten bezüglich der Müllkompostierung dem Enzkreis zuzuordnen, denn dort soll eine ähnliche Anlage wie die in Bretten geplante entstehen.“

Es dürfte also zu einem regelrechten Wettlauf zwischen diesen Betreibern kommen, meinte der OB weiter, „jeder will zuerst als Anbieter am Markt sein“. Im Bereich der Müllverarbeitung sei in unserer Region mit Überkapazitäten und erheblichem Konkurrenzdruck zu rechnen, wobei der Mülltransport diese Probleme mildern oder lösen kann. „Deshalb grenzt es an Heuchelei, wenn man Gewerbegebiete ausweist, um die Produktion zu fördern, aber gleichzeitig der Abfallwirtschaft die rote Karte zeigen will“, sagte Metzger abschließend.
uh

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