Leserbrief : Melanchthon für ein Feuerwehrauto?

Zum Kommentar „Mal-Zeit“ vom 21. 10.
Als Zuhörer in der jüngsten Gemeinderatssitzung war ich erschüttert, wie sich die überwiegende Mehrheit der Gemeinderäte als Kunstbanausen benommen hat. So wenig wie man einen Löwen mit einem Radieschen vergleichen kann, genausowenig kann man Ausgaben für ein Feuerwehrhaus, die unbedingt erforderlich und auch einsichtig sind, mit Ausgaben für die Kunst vergleichen. Aber gerade dies hat der Gemeinderat getan!
Von mehreren früheren Sitzungsunterlagen her ist ihm die Planung eines als „Stadtmal“ titulierten Denkmals auf dem Marktplatz bekannt. Nicht bekannt scheint ihm zu sein, daß bei öffentlichen Bauten einige Prozente für künstlerische Ausgestaltungen verwendet werden sollen. Zudem kann man davon ausgehen, daß ein wesentlicher Anteil an den 100000 Mark, die für den Künstlerwettbewerb und die Herstellung des Kunstwerks veranschlagt werden, als Spenden das Stadtsäckel entlasten.
Das Argument, die finanzielle Belastung sei für die Stadt so groß, daß für die Kunst nichts mehr übrig bleibe, darf nicht ziehen. Dieses Argument würde für viele weitere Jahre gelten. Dann dürfte man, in der tiefsten Provinz Bretten nie an Ausgaben für die Kunst denken. In diesem Zusammenhang verwundert es mich, daß die Vorfahren auch dieses Gemeinderates für Melanchthon außer dem Melanchthonhaus gleich zwei Denkmale erstellen ließen. Vielleicht kommt der jetzige Gemeinderat noch auf die Idee, einen Melanchthon für ein Feuerwehrauto eintauschen zu wollen. Überraschen würde es mich nicht!

Prof. Ulrich Reich
Kurpfalzstraße 14
7518 Bretten

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