Ohne Landeshilfe schafft es Bretten nicht

Oberbürgermeister Paul Metzger trug CDU-Abgeordneten seine Sorgen und Nöte vor

ws- Ohne eine kräftige und wirksame Hilfe des Landes wird Bretten in den nächsten Jahren mit seinen Problemen nicht fertig werden können. Zu diesem Ergebnis kam Oberbürgermeister Paul Metzger bei einem Gespräch mit einer Gruppe der CDU-Landtagsfraktion im Brettener Rathaus unter der Führung von MdL Helmut Wirth. Brettens Stadtoberhaupt hofft insbesondere bei der Beseitigung von Altlasten auf Brettener Industrie-Arealen, bei der Lösung der Verkehrsprobleme und bei der Sanierung in der Innenstadt auf Förderung durch das Land.

Paul Metzger hatte in dem Gespräch mit den Parlamentariern vor allem auf die besonderen Probleme einer „Flächen-Stadt“ hingewiesen. Sie zeigen sich beispielsweise bei der Dorfentwicklung: Eingemeindete Stadtteile kämen erst jetzt dazu, ihre Projekte anzumelden, gleich große selbständig gebliebene Gemeinden hätten diese Sanierungen längst abgeschlossen.
Die größten Anstrengungen der Stadt Bretten seien gegenwärtig und in den kommenden Jahren darauf gerichtet, die Zahl der Arbeitsplätze zu erhalten, weiter auszubauen, den Bestand der Brettener Industrie zu sichern. Das bedinge die Beschaffung von Grundstücken zur Erweiterung. Mit der Schließung des Malag-Werkes habe sich der Stadt die Möglichkeit geboten, über einen Gelände-Ringtausch die gesamte Brettener Industrie neu zu ordnen.

Diese Entwicklung komme nun aber durch das Altlast-Problem auf einem dieser Grundstücke in Gefahr. Und Reinhold Engel, der Leiter der Stadtwerke, machte deutlich, wo diese Probleme genau liegen: Auf dem Gelände von Möbel-Müller, früher Standort eines metallverarbeitenden Betriebes und nun Erweiterungsgelände für Fibron, sei man seit Jahren chlorierten Kohlenwasserstoffen auf der Spur. Die Messungen und Proben haben ergeben, daß selbst in drei Meter Bodentiefe noch drei Milligramm pro Kilogramm vorhanden sind und, im Oktober des Vorjahres machte man in einem Grundstücksabschnitt in Richtung Fibron die Erfahrung, daß dort 60 000 Mikrogramm pro Kilogramm Luft vorhanden seien – Spitzenwerte wie keine mehr im Kreis Karlsruhe.

Die Stadt habe nun ihre Untersuchungen weiter forciert. Wie das Problem technisch gelöst werden könne, wisse man nicht. Ein Bodenaustausch bis in drei Meter Tiefe koste Millionen; man könne versuchen, die Belastung auch über Preßluft zu beseitigen. Ob diese neue Technik aber in Bretten angewendet werden könne, sei unklar, „denn neue Fabrikgebäude abzureißen, das geht ja wohl auch nicht“.
Paul Metzger ließ keinen Zweifel an der Tragweite des Problems aufkommen: „Die Augen zu und durch – diese Methode hilft ja nun bei solchen Gefährdungen wirklich nicht.“ Erich Hochberger meinte in der Debatte mit den Landespolitikern, daß Bretten mit dieser besonderen Lage „eigentlich ein Pilotprojekt für das Land sein könnte“.

Die Vertreter der Stadt wiesen in dem Gespräch mit den Landtagsabgeordneten darauf hin, daß der Finanzrahmen für das Sanierungsgebiet II in Bretten nicht ausreichen werde, zumal man dort hinein auch die Melanchthonstraße nehmen mußte. „Es hat sich gezeigt, daß wir unsere ganzen Erfolge bei der Sanierung in Frage gestellt hätten, wenn wir das Zentrum der Stadt nicht gefördert hätten“, sagte Paul Metzger.

Auch die Verkehrsprobleme waren nicht unerheblich, die den Abgeordneten aufgetischt wurden: Der Autobahnanschluß in Pforzheim, der Ausbau der Landesstraße 1103, die Südumgehung von Gölshausen mit geeigneter Weiterführung dieser Trasse an Bretten vorbei (mit der Bündelungstrasse als einer möglichen Lösung). Und für alle diese Pläne braucht die Stadt Hilfen des Landes, sagte Paul Metzger.

Knapp und präzise formulierte Dr. Priebe für den Melanchthonverein Bretten bei einem Besuch der Parlamentarier in der Gedächtnisstätte die Hoffnungen, die dort an eine Hilfe durch das Land geknüpft werden. Mit dem Einbau einer Heizung und dem Ausbau des Dachgeschosses für den Bibliothekar und einen wissenschaftlichen Kustos belastet sich der Verein mit Kosten von mehr als 100 000 Mark. Auch die Renovierung der Südfassade dürfe nicht aus den Augen verloren werden, wobei die Kosten mit rund einer halben Million veranschlagt werden müßten. Die Abgeordneten hatte Willy Bickel durch das Gedächtnishaus geführt.

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