Umweltnägel müssen endlich Köpfe bekommen

Bezirkskonferenz der Naturfreunde:
Zwiespalt zwischen „Reparatur“ und „Vorbeugung“
Von unserem Redaktiansmitglied Hans-Michael Kassel
„Die Umweltnägel müssen endlich Köpfe bekommen.“ „Eine Verkehrspolitik findet bei uns nicht statt.“ Mit solchen und ähnlichen Kernsätzen warb der Landtagsabgeordnete und Umweltsprecher seiner Partei, Claus Weyrosta (SPD) aus Bietigheim, auf der Bezirkskonferenz der Naturfreunde in Bretten für Aktionen in Sachen Umweltschutz.
In seinem Referat zeichnete Weyrosta schwarze Farben für den Fall, daß Umweltschutz wie bisher Gesprächsthema ohne konkrete Handlungen bleibe: „Die Ökologie ist noch nicht abgehakt, sondern das Gefecht beginnt eben jetzt“, rief Weyrosta aus und beschwor die Naturfreunde „ihr Umweltgewissen jeden Tag mitzunehmen.“ Während die CDU-Landesregierung den Standpunkt vertrete: „Wirtschaftliches Wachstum und anschließende Reparatur der Umweltschäden“, frage die SPD, „was wachsen soll“ und verfolge vorsorglichen Umweltschutz; denn „Umweltpolitik und Sicherung der Arbeitsplätze sind keine Gegensätze“.

Die Landesregierung vertrete „Umweltpolitik nur in hehren Thesen“, doch habe sie beispielsweise eine Abwasserabgabe abgelehnt und die zulässigen Lärmschutz- und Luftreinigungswerte herabgesetzt. Sie müsse sich jetzt entscheiden, ob sie verschiedene Vorhaben, beispielsweise die Schnellbahn („ohne sie stünde Baden-Württemberg in einigen Jahren in Europas Verkehrsschatten“) wolle oder nicht.
Der Landtagsabgeordnete sprach vor Vertretern von 15 der insgesamt 27 Ortsgruppen des Naturfreunde- bezirks sieben (Karlsruhe). Ausführlich behandelte diese Runde die „Mängel der Verkehrspolitik“, die einer „übergeordneten, fachlich kompetenten Stelle bedarf, die Leitlinien für den Verkehr zu Wasser, auf der Straße, Schiene und in der Luft“ koordiniere. Bisher plane jeder Verkehrsträger alleine vor sich hin, was unnötige Konkurrenz, Geldverschwendung und das Ausbleiben zukunftsweisender Verkehrskonzepte mit sich bringe.
Als erste Richtlinie wollte Weyrosta den Genehmigungsstop für Ortsdurchfahrtsausbauten sehen. „Städte und Ortschaften, die ihre Ortsdurchfahrt ausbauen, sind nicht mehr lebensfähig“, meinte der Landtagsabgeordnete. Nach seinen Vorstellugen sollte es möglich sein, „wo es geht, Umgehungsstraßen zu bauen, um den Lärm auszubürgern“.
Der Einwurf vom Vorsitzenden der Brettener Naturfreunde, Walter Pfitzenmeier, aufgehängt an der aktuellen Diskussion um die Ortsdurchfahrt in Kleinvillars, jede Umgehungsstraße koste zu viel an wertvoller Landschaft, was angesichts eines Tagesverbrauchs von 25 Hektar Land in der Bundesrepublik nicht mehr tragbar sei, wurde von Weyrosta beantwortet mit dem Hinweis, jede Ortsdurchfahrt mache das Leben in angrenzenden Häusern unmöglich, daher sei ein weiterer Landschaftsverbrauch für Umgehungsstraßen politisch zu vertreten.
Nicht nur die Folge des stetig wachsenden Individualverkehrs, die steigende Zahl an Straßen, sondern auch das Vehikel selbst, das Auto, wurde von den Naturfreunden beklagt. Ein Sprecher: „Das Auto hat die Landschaft, die soziologische Struktur in unserem Land bis hinein ins Familienleben verändert und das zum Nachteil.“ Wo gestern noch Geselligkeit mit den Familien geherrscht habe, stünde heute der Ausflugsverkehr mit all seinen negativen Begleiterscheinungen. Weyrosta meinte hierzu, der Slogan „Freie Fahrt für freie Bürger“ sei ein „konservativer Betrug“, denn es gelte jetzt, den erreichten Wohlstand auch für nachfolgende Generationen zu sichern.
Einig waren sich die versammelten Naturfreunde in der Einschätzung der sogenannten „Grünen Listen“: „Diese Gruppen verfolgen egoistische Ziele, eine Zusammenarbeit erscheint kaum möglich“, formulierte es ein Sprecher. Ähnlich schätzte die Runde Bürgerinitiativen ein, die einzelne Umweltschutzprobleme aufgreifen. Diese hätten teilweise „obskure Vorstellungen“.
Künftiger Umweltschutz müsse auf zwei Schienen laufen, erläuterte Weyrosta: Einmal Wiedergutmachung der angerichteten Schäden und zweitens die Entwicklung neuer Technologien, um weiteren Umweltsünden vorzubeugen. Freilich, so war von einem Sprecher zu hören, sind die „Wünsche zum Umweltschutz nicht immer erfüllbar“.

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