Stadtplanung muss ideologische Schwerpunkte vereinigen

von Gunter Lange
Beim Lesen der Wahlkampfaussagen der Parteien und Wählervereinigungen zu den Themen Wohnen, Mobilität, sowie Erhaltung von Lebensräumen und Artenvielfalt war mir aufgefallen, dass letztlich alle etwas Gutes wollen, aber man aufpassen muss, dass nicht das Gegenteil bewirkt wird.

Bretten ist anderen Städten gefolgt und hat im Oktober 2018 ebenfalls „Baulandpolitische Grundsätze“ beschlossen. Bisher sehe ich aber in Bretten eine Überbetonung von innerstädtischer Nachverdichtung ohne Blick auf Erhaltung von Lebensräumen und Artenvielfalt. Die Insekten- und Artenvielfalt ist bei innerstädtischen, blühenden Gärten und Freiräumen ebenso wie die Aufenthaltsqualität um ein Vielfaches besser als in einer großflächigen landwirtschaftlichen Monokultur ohne Baum und Strauch. Diese Freiräume werden inzwischen fast überall einer Innen- und Freiraumverdichtung mit Geschosswohnungsbau geopfert. Die wenigen verbleibenden Freiflächen werden für Parkierung und Wege zugepflastert. Zur Bewegung in frischer Luft wird dann zwangsweise mit dem PKW, bestenfalls mit dem Fahrrad, in die insektenfreie, landwirtschaftliche Flur gefahren. Mal ganz abgesehen von der qualitativen Verschlechterung der mit zu engen Entwässerungskanälen und zugeparkten Straßen überlasteten Infrastruktur.

Wäre es da nicht doch besser, wenn in der Kernstadt mal wieder ein paar Hektar blütenfreier Ackerfläche für ein Neubaugebiet mit einer bedarfsgerechten Mischnutzung aus Eigentums-und sozialem Geschosswohnungsbau, flächensparenden Reihenhäusern und wenigeren freistehenden Häusern genutzt würden?

Tübingen und andere Städte zeigen, wie man mit dem Tübinger Modell von Bauherrengemeinschaften neben Wohneigentum auch durch gemeinsam geplante, genutzte und unterhaltene Innenhöfe, mit wahlweisen Balkonen, Loggien und Terrassen gute Freiflächen mit Blüh- und Artenvielfalt, sowie durch Gemeinschaftstiefgaragen noch verkehrsfreie Spielstraßen schaffen kann.

Bretten hat schon 1986 mit den flächensparenden Reihenhäusern in Wanne III gezeigt, wie man auch damit eine Geschossflächenzahl von 0,8 erreichen kann. Die dortige Artenvielfalt in den eigenen Gärten und die Bewegungs- und Erholungsmöglichkeiten führten dazu, dass praktisch jeder mit einer Garage und Fahrrädern auskommt. Jedes dort selbst produzierte Obst erspart den Transport aus anderen Kontinenten oder die Kühlhausenergie. Allerdings bedarf es m. E. weiterer Grundsätze, z. B. über die Erreichung einer festzusetzenden Durchschnitts-Geschossflächenzahl (z. B. von 0,8) in Neubaugebieten, Vorgaben für Sammeltiefgaragen, dem Verbot, Vorgärten mit Schotter oder Pflaster zu „gestalten“ und der Vorgabe, Versiegelungen nur mit Drainpflaster zu genehmigen.

Gute Stadtplanung ist einfach die Berücksichtigung möglichst aller ideologischen Schwerpunkte einzelner Parteien bzw. Wählervereinigungen zu einem alles umfassenden Guss. Ich bezweifle, dass man dies einfach nur gewinnorientierten Investoren überlasssen kann. Stadtplanung muss in der Verwaltung vorgedacht und vorbereitet werden.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Innenstadtentwicklung abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Stadtplanung muss ideologische Schwerpunkte vereinigen

  1. H.U. sagt:

    Das sind Bilder des Grauens, die hier in Bretten aufgenommen worden sind. Und das ist leider der Trend. Man muss sich fast erbrechen, wenn man das sieht.

    Ich kann diese seelenlosen Blockbauten, dieses phantasielose Gebaue nicht mehr sehen.

    Kein Bezug mehr zur Natur, aus der wir kommen. Man will bloß keine Arbeit haben, mit Grünkrempel, Laub, so was schreckliches wie einen Garten / Vorgarten, der den Namen noch verdienen würde. Dann lieber Pflastersteine oder Geröllhalden, eingefasst in Stahlzäune, die an ein Gefängnis erinnern. Und dann säuft beim nächsten Starkregen alles ab.

    Dafür fährt man dann abends mit dem schicken SUV in den Fitness-Club oder fährt mit dem Fahrrad über Monokultur-Felder.

    Wie dieses menschen- und naturverachtende Benehmen und Bauen ausgehen wird, wissen wir eigentlich alle. Ohne Lebewesen / Insekten / Vögel / Pflanzen gehen wir unter.

  2. Polak sagt:

    wo ist hier der grüne „Stadtentwicklungsplaner“ Mansdörfer?
    Oder ist vielleicht seine immer wieder gerne erwähnte fachliche Expertise genauso ein Fake, wie der Titel „Stadtentwicklungsplaner“, den es überhaupt nicht gibt??
    (die richtige und geschützte Berufsbezeichnung lautet Stadtplaner)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.