von Gunter Lange
Am 25.9.2017 berichteten die BNN und das Amtsblatt der Stadt Bretten über den 25. Geburtstag des „Kindes“ Stadtbahn Karlsruhe-Bretten, welches 1992 mit der Jungfernfahrt des ersten Stadtbahnzuges von Karlsruhe nach Bretten mit Dr. Dieter Ludwig als damaligem AVG-Chef, persönlich am Fahrerpult, geboren wurde. Es ist natürlich richtig, den Geburtstag dieses schon 25 Jahre erfolgreichen, einmaligen und beispielhaften „Kindes“ gebührend zu feiern. Selbstverständlich im Kreise von vielen, die nicht nur bei der Geburt in der Verantwortung standen, sondern auch derer, die die gute Entwicklung in diesen 25 Jahren getragen haben und von denen, die sie heute tragen.
Wenn es heißt: „Der Erfolg hat viele Väter“, meint man gemeinhin, dass sich mit dem Erfolg immer noch weitere „Väter“ melden. Aus meiner Sicht sollte man aber auch die nicht vergessen, die überhaupt die Geburt des in der Folge so erfolgreichen „Kindes“ erst durch die „Zeugung“ ermöglicht haben. Dies ist bei beiden Berichten leider nicht erfolgt. Da ich damals zugegen sein durfte, muss ich mir erlauben, die Presseberichte zu ergänzen und teilweise richtig zu stellen.

Das Kind „Karlsruher Modell“ hat in der Tat nicht nur einen (den auch von mir höchst geschätzten Dr. Dieter Ludwig) als Vater, sondern drei. Und zur Geburt eines Kindes gehört auch eine Mutter. Das Karlsruher Modell hatte sogar vier „Mütter“, die alle nicht erwähnt wurden. Im April 1983 kamen die drei „Väter“, nämlich die drei Freunde Dr. Dieter Ludwig als AVG-Chef, Bahndirektor Emmerich von der damaligen Bundesbahndirektion und Prof. Dr. Bernstein von der Uni Karlsruhe, zum damaligen Brettener OB Alfred Leicht zu Besuch. Ich war zugegen, als sie ihm ihre gemeinsame Idee vortrugen. Sie wollten im Rahmen eines Forschungsprojektes einen Triebwagen entwickeln lassen, der auf den gleich breiten Gleisen von Bundesbahn und Karlsruher Straßenbahn sowohl mit Gleich- als auch mit Wechselstrom fahren können sollte. Für diese Idee suchten sie „Mütter“ in Form von Finanzinvestoren. Sie dachten dabei an die Stadt Karlsruhe, die Große Kreisstadt Bretten, den Landkreis und die Gemeinde Walzbachtal. Die Stadt Karlsruhe sollte den einen, die Gemeinden Bretten, Walzbachtal und der Kandkreis den anderen Zug für die Versuchsstrecke finanzieren.

Nachdem OB Alfred Leicht und auch meine Wenigkeit von dieser Idee begeistert waren, wurde zusammem mit meinem Abteilungsleiter Ulrich Braun eine Sitzungsvorlage für den Brettener Nahverkehrsausschuss und später für den Gemeinderat erstellt. Dabei schlugen wir vor, die Versuchsstrecke nicht am heutigen Parkplatz Seedamm in Bretten enden zu lassen, sondern im Ortsteil Gölshausen. Somit sollte diese erste Versuchsstrecke mit den zusätzlichen Haltestellen Wannenweg, Schulzentrum Ost und Gölshausen auch dem Brettener Nahverkehr dienen. Die drei „Väter“ griffen diesen Vorschlag auf, Ausschuss und Brettener Gemeinderat unter den Fraktionsvorsitzenden Klaus Urban (CDU), Kurt Häffner (SPD) und Werner Reinacher (FWV), sowie dem einzigen FDP-Stadtrat, Dr. Potel, stimmten der Brettener „Mutterschaft“ in Form einer Finanzierungszusage zu. Dabei musste die klar erkannte Zukunftsfähigkeit gewissenhaft mit den hohen Investitionen und laufenden Betriebskosten abgewogen werden. Der Gemeinderat tat sich dabei nicht leicht. „Väter“ und „Mütter“ glaubten zwar an den Erfolg dieser tollen Idee, aber keiner hätte es für möglich gehalten, dass sich dieser eimal auf ca.700 km ausweiten und viele Nachahmer finden würde.
Dies wollte ich der Fairness halber zum Geburtstag des Erfolgsmodells Stadtbahn gerne noch ergänzt wissen. Vergleichbares gilt auch für die Entscheidungsträger beim damaligen Kreistag, der Stadt Karlsruhe und der Gemeinde Walzbachtal.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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