Leserbriefvon Gunter Lange, Stadtbaudirektor a. D.

Eigentlich dachte ich, es sei schon alles zur Misere der Brettener Verkehrspolitik gesagt worden und wollte mich dazu nicht mehr äußern. Leider provoziert mich die im Leserbrief vom Fraktionsvorsitzenden der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vorgetragene „Fachkompetenz“ in Sachen Verkehrsplanung. Sie zeichnet sich durch hochgradige Unlogik aus.

Herr Mansdörfer will Entlastung „hochfrequentierter Straßenabschnitte in der Kernstadt von Bretten…. unter Zuhilfenahme aller Instrumente aus dem Werkzeugkasten der Verkehrsplanung und Verkehrssteuerung“ erreichen.

Ohne eine um die Kernstadt herumgeführte Entlastungsstraße ist dies logischerweise gar nicht möglich, da eine Verkehrsentlastung in einer Straße zwangsläufig zu einer Mehrbelastung in anderen Straßen führt. Deshalb war Ziel des ersten Brettener Generalverkehrsplanes (GVP) 1975 und des zweiten GVP von 1988 immer zunächst eine Herausnahme von Fremdverkehr aus der Kernstadt durch den Neubau einer Umgehungsstraße für die B 294 und die L 1102.

Jedem/r Stadtrat/rätin war immer bekannt, dass eine solche Trasse in der Trägerschaft des Bundes nur durch ein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis von Entlastungswirkung und Herstellungskosten erreicht werden kann. Die große Südumgehung wurde aus diesem Grund im Flächennutzungsplan von 1981 nicht mitgenehmigt. Die im zweiten GVP nachgewiesen beste Entlastungstrasse über den Rechberg hatte immer noch kein Kosten-Nutzen-Verhältnis für einen vordringlichen Bedarf.

Deshalb hatten Alt-OB Metzger und das Regierungspräsidium die Gunst der Stunde erkannt, als das Reg. Präs. bei den selbst verwalteten Geldmitteln für Gemeindestraßen noch Geld verfügbar hatte, um damit den Bau einer Randerschließungsstraße beim Baugebiet Steiner Pfad zu finanzieren. Damit wäre die dann später noch zu ergänzende Brücke über das Rinklinger Tal oder eine Verlängerung zum Diedelsheimer Dreieck in ein deutlich günstigeres Kosten-Nutzen-Verhältnis gekommen.

Dies wussten Bündnis 90/Die Grünen federführend mit einer Bürgerinitiative zu verhindern. Die betroffene Gesamtbevölkerung konnte nie darüber abstimmen.

Während sich nun wieder pragmatische Stadträte Gedanken machen, wie das vom Bund zu finanzierende Restteilstück einer Umgehungsstraße durch Randerschließungen (siehe Oberderdingen) verkleinert und damit über das verbesserte Kosten-Nutzen-Verhältnis eine dringlichere Einstufung beim Bund erreicht werden könnte, spielen die Grünen schon wieder, erst nicht öffentlich und nun auch öffentlich, auf der Tastatur von Verhinderung, Verkehrsverschiebung und Rücksicht auf die Natur.

Wer aus Ideologie auf eine „eierlegende Wollmilchsau“ warten will, wird irgendwann einen „Verkehrsinfrastruktur-Kollaps“ erleiden. Aber auch grüne Illusionisten kommen mal in ein Alter, in dem sie nicht mehr mit dem Fahrrad einkaufen oder zum Arzt kommen können.

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