Neubau Rechbergklinik mit 125 Betten für 50 Millionen Euro

BAK   14.November, 2012 | 11 Kommentare   Artikel 13053x gelesen

 

von G.H.

1. Bettenzahl
Bei der Bettenzahl und bei den Kosten muss man sich die Augen reiben. Warum? Man kürzt die Bettenzahl um 115 Betten und hat diese Kürzung nicht ein einziges Mal fachlich begründet. Dabei gibt es für den Bettenbedarf eine ganz einfache Berechnungsformel: Sie setzt sich zusammen aus Einwohnerzahl (EW) Krankenhaushäufigkeit (KH) Verweildauer (VD) Bettenauslastungsgrad (BA)

Bettenbedarf = EW X KH X VD : BA X 365

Man kann für die Berechnung das letzte Kalenderjahr oder weiter zurückliegende Jahre zugrunde legen.
Die erforderlichen Daten müssen in den jeweiligen Jahresstatistiken bzw. Geschäftsberichten vorliegen.

2. Baukosten-Vergleich
Das Kreiskrankenhaus Heidenheim (Baden-Württemberg) hat kürzlich Erweiterungen durchgeführt:

– Bettenzentrum mit 240 Plätzen
– eine neue zentrale Notaufnahme
– eine neue Intensivabtelung mit 32 Betten
– Kosten rund 40 Millionen Euro

Zum Vergleich: Neubau Rechbergklinik Bretten
– 125 Betten
– Kosten 50 Millionen Euro

3. Schließung der Krankenhäuser in Isny und Leutkirch
Der Landkreis Ravensburg hat diese Schließung mit insgesamt 90 Betten beschlossen.
Isny hat ca. 15000 Einwohner, Leutkirch ca. 22000 Einwohner = Insgesamt ca. 37000 Einwohner.
Mit den dortigen Umlandgemeinden entspricht die dortige Einwohnerzahl der Zahl im Einzugsgebiet der
Rechbergklinik. Fragwürdigerweise soll diese jedoch sogar neu gebaut werden.

4. Betriebsvergleich zwischen der Fürst-Stirum-Klinik und dem Klinikum Friedrichshafen
Bruchsal ca. 44000 Einwohner
Friedrichshafen ca. 60000 Einwohner

Fürst -Stirum-Klinik
370 Betten
750 Mitarbeiter
hält sich trotz jahrelanger roter Zahlen für wirtschaftlich erfolgreich. Was läuft langjährig falsch in Bruchsal?

Klinikum Friedrichshafen
370 Betten
1033 Mitarbeiter
schreibt seit fünf Jahren schwarze Zahlen.
Ein Besuch des Internetauftritts ist sehr zu empfehlen.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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Kommentare

11 Kommentare

  1. G. H. am 15. November, 2012 12:17

    Die obige einfach gehaltene Berechnungsformel kann auch noch fachgerechter dargestellt werden.

    Der Bedarf an Planbetten wird aus der tatsächlichen Nachfrage ermittelt.

    Die Verteilung von Betten auf die jeweiligen Fachgebiete – ein derzeit nicht endender Streitpunkt zwischen den „Fachfrauen“ und den Kreispolitikern – bleibt tatsächlich und eigentlich sowie im Allgemeinen und
    Besonderen

    – dem Träger (und nicht der Brettener Bürgerinitiative) –

    weitgehend freigestellt.

    1. Die Einwohnerzahl (EW) basiert auf landesspezifischen Daten. Diese werden zur Ermittlung der Einwohnerentwicklung bis zum Zieljahr des Krankenhausplanes prognostiziert.

    2. Die Verweildauer (VD) ist die durchschnittliche Anzahl der Tage, die ein Patient stationär im Krankenhaus verbringt.
    Aufnahme- und Entlassungstag zählen zusammen als ein Tag.

    VD = Pflegetage : Fallzahl

    Die Fallzahl = Patientenzugang + Patientenabgang : 2

    3. Die Krankenhaushäufigkeit (KH) ist die Relation der in einem bestimmten Gebiet wohnenden Patienten, die im Laufe des Jahres stationär behandelt werden, zu der Einwohnerzahl des betreffenden Gebietes

    KH = Fallzahl X 100 : EW

    4. Der Bettenauslastungsgrad (BA) kann über die Formel

    BA = Pflegetage X 100 : Betten X 365

    erfolgen.

    Unter der Berücksichtigung der vorgenannten Faktoren ist der

    Bettenbedarf = EW X KH X VD X 100 : BA X 1000 X 365

    Nun ist die Kreisbürgerschaft darüber zu informieren, wie die Kreispolitiker zu der (willkürlichen?) Festlegung von 125 Betten für die neue Brettener Rechbergklinik gekommen sind?

  2. h - z am 15. November, 2012 16:00

    Sind 125 Betten nach einer Fertigstellung der neuen Rechbergklinik dann auch ausgelastet?
    Wer ist heute in der Lage, das vorherzusagen?

    Selbstverständlich wohl diejenigen, welche diese Zahl beschlossen haben!

    Richtwerte für eine vorgegebene Auslastung werden anhand von durchschnittlichen Ist-Verweildauern aktualisiert:

    Die Richtwerte zur Bettennutzung betragen für Chirurgie und Innere Medizin 82% –
    für die Gynäkologie und Frauenheilkunde 80%.

  3. -nz- am 16. November, 2012 12:25

    Gehört Bretten mit 125 Betten nicht zu den kleinen Krankenhäusern?
    Nachfolgender Bericht des SWR klärt auf:

    „Jede vierte Klinik in Baden-Württemberg ist insolvenzgefährdet. Das geht aus einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) hervor. Bundesweit schreiben die Krankenhäuser rote Zahlen, aber hierzulande ist die Lage besonders angespannt.“

    „Letztlich führe aber kein Weg an der Schließung vieler kleiner Kreiskrankenhäuser vorbei…“

    „Der Ravensburger Kreistag hatte Anfang November beschlossen, die beiden Kliniken in Isny und Leutkirch zu schließen.“

    Hier vollständig nachzulesen:
    http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=10589080/1lg5y4z/index.html

  4. spezi am 16. November, 2012 12:53

    Danke G.H.!
    Ob sich die Kreisräte zutrauen die Formel in dieser hervorragenden Ausarbeitung nachzurechnen?
    Den Zugang zu den notwendigen Zahlen werden Sie ja wohl haben?
    Oder macht das die Bürgerinitiative? 🙂

  5. G. H. am 16. November, 2012 13:54

    @ spezi oberhalb

    Die Belegungs- und Leistungsstatistiken der betreffenden Jahre müssen ja vorliegen.

    Nur den Zugang muss man sich verschaffen.

    Und dann muss man selbst nachrechnen wollen und/oder können! 🙂

    Die Bürgerinitiative macht Wind, sonst gar nichts! 🙁

  6. G. H. am 16. November, 2012 14:07

    @ -nz- im heutigen Kommentar

    „Der Ravensburger Kreistag hatte Anfang November beschlossen, die beiden Kliniken in Isny und Leutkirch zu schließen.“

    Beide Häuser mit insgesamt 90 Betten decken ein Einzugsgebiet von ca. 37000 Einwohnern + Einwohner in Umlandgemeinden ab.

    Und in Bretten will der Karlsruher Kreistag ein neues Haus mit 125 Betten bauen lassen.
    Was ist das? – Etwas zum Lachen, wenn es nicht so bitter ernst wäre.

  7. ghg am 16. November, 2012 18:38

    Lesen Sie bitte besonders: 3. Absatz im Link von -nz- am 16. November 2012

    …“Letztlich führe aber kein Weg an der Schließung vieler kleiner Kreiskrankenhäuser vorbei“, so der Gesundheitsexperte beim RWI.

  8. h - z am 17. November, 2012 11:26

    Auf den Landkreis Ravensburg werden wohl Rückforderungen des Landes von Fördermitteln zukommen.
    Sie sind zwischen den Jahren 1997 und 2003 für die mehr als 20 Millionen Euro teure Sanierung des Krankenhauses Leutkirch gezahlt worden.
    Geschätzte Kosten: 5,5 Millionen Euro!

    Bei einer eventuellen Schließung der Rechbergklinik Bretten müssten vom Landkreis Karlsruhe Fördermittel des Landes zurückgezahlt werden. 🙁

  9. ghg am 12. Juni, 2013 14:48

    Die Hochrhein-Eggberg-Klinik in Bad Säckingen ist pleite und hat das Insolvenzverfahren beantragt. Ca. 120 Mitarbeiter sind betroffen.

    Die REHA-Klinik hat 115 Betten und 30 AKUT-Betten für Reha-Erkrankungen.

    Der Unterschied zu einem Kreiskrankenhaus – hier beispielsweise der Rechbergklinik Bretten – besteht darin, dass bei Zahlungsschwierigkeiten der privaten REHA-Klinik überwiegend kein privater finanzieller Retter zur Verfügung steht.

    Jedoch bei einem zahlungsunfähigen Kreiskrankenhaus steht der Kreisbürger als Steuerzahler zur Verfügung, um sich im Gesamtinteresse an der Gesundheit finanziell melken lassen zu müssen.

    Das macht eben den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen privat und staatlich! Der faire Wettbewerb im deutschen Gesundheitsmarkt soll nicht berücksichtigt werden.

    Die Dummen sind stets die, welche ihren Arbeitsplatz verlieren. Wen interessiert das schon? Wenn nur ich nicht Betroffener bin, sondern ein anderer!

  10. ghg am 13. Juni, 2013 10:30

    Neben den privaten REHA-Kliniken sind auch solche in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft im deutschen Gesundheitswesen tätig:

    – von gesetzlichen Krankenkassen
    – von gesetzlichen Berufsgenossenschaften
    – von gesetzlichen Rentenversicherungsträgern
    – von gesetzlichen Unfallversicherungsträgern

    Auch diese werden, wie Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft von den Steuerzahlern, dann alimentiert, wenn sie sich in einer finanziellen Schieflage befinden.

    Von wem?

    Von den jeweiligen Pflichtmitgliedern, die auch Beitragszahler sind.

  11. -nz- am 17. Februar, 2016 16:45

    Nanu …

    Lindenfels/Mannheim

    Klinikverbund SHK in Insolvenz

    Der Südhessische Klinikverbund SHK hat am Dienstag beim Amtsgericht Darmstadt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Hauptgesellschafter des SHK ist das Uniklinikum Mannheim. Laut Mitteilung des Klinikums habe man unter anderem in Gesprächen mit regionalen Politikern keinen Kompromiss erzielen können, der einen nachhaltig wirtschaftlichen Betrieb des medizinischen Angebots des Klinikverbunds ermöglicht hätte. Das Klinikum sicherte zu, das Insolvenzgeld für die insgesamt 519 Beschäftigten zügig vorzufinanzieren und damit die Gehälter bis einschließlich April sicherzustellen.

    Stand: 17.2.2016, 10.19 Uhr

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