Bretten

Warum ein Krankenhaus-Neubau in Bretten falsch ist

BAK   18.Januar, 2012 | 15 Kommentare   Artikel 8228x gelesen

 

von ghg (Name und Anschrift sind dem BAK bekannt)

“Der Klinik-Neubau in Bretten mit einer fast um die Hälfte auf 125 Betten reduzierten Bettenzahl soll für 50 Millionen Euro bis 2017 realisiert sein”.
Das Zusammenwirken technischer Zwangsläufigkeiten und gesetzlicher Vorschriften bewirkt, dass eine optimale Kapazitätsauslastung im Krankenhaus nicht möglich ist. Die Dienstleistung der stationären Patientenversorgung ist nicht oder nur in geringem Umfang speicherbar. Das Krankenhaus muss also in der Lage sein, seine Dienstleistung zu dem Zeiitpunkt bereitzustellen, zu dem sie verlangt wird. Es bedeutet, dass sich seine Kapazitätsausnutzung ständig dem”objektiv notwendigen Bedarf” anpassen muss.

Zur Durchführung einzelner Leistungsprozesse müssen personelle und sachliche Mindestkapazitäten jederzeit eingesetzt werden, damit eine vorgegebene Leistungsquantität und- qualität (ambulant, teilstationär, stationär) sowie u.a. mit Fallpauschalen und Sonderentgelten erreicht werden. Krankenhäuser tendieren daher zur Überkapazität. Die Konsequenzen nicht ausgelasteter Kapazitäten auf die Gesamtkostengestaltung können jedoch durch verschiedene Formen der Anpassung infolge der unterschiedlichen Reagibilität einzelner Kostenbestandteile vermindert werden. Denn es ist möglich, Anpassungsformen in Produktionsbetrieben bei unterschiedlichen Beschäftigungslagen auf Krankenhäuser zu übertragen.

Geht im Krankenhaus die Beschäftigung zurück, dann passt es sich zunächst zeitlich an. Je komplexer jedoch der Leistungserstellungsprozess ist, desto weniger können dabei variable Kosten abgebaut werden und desto größer sind die entstehenden Leerkosten. Bei weiterer rückläufiger Beschäftigung kann ohne Abbau des Leistungsumfanges keine quantitative Anpassung wegen des hohen Fixkostenanteils vorgenommen werden. Es kann dabei festgehalten werden, dass die Krankenhäuser mit steigenden Fixkosten ihre Fähigkeit verlieren, die Kosten an rückläufige Beschäftigung anzupassen.

Die Gefahr der Leerkosten als solche bleibt bestehen. Der Rechbergklinik ist es also nicht oder nur im beschränkten Maße möglich, ihre Kapazität auszunutzen. Damit ist die Frage nach der optimalen Betriebsgröße eines Krankenhauses zu stellen, die bislang sehr unbefriedigend beantwortet ist. In der Fachliteratur stimmt man darin überein, dass

Krankenhäuser unter 200 Betten wirtschaftlich nicht vertretbar sind
eine wirtschaftlich günstige Größe erst ab 700 Betten vorliegt

Es ist bisher nicht nachgewiesen, ob im Krankenhaus von einer optimalen Betriebsgröße in dem Sinne gesprochen werden kann, dass jede weitere Erhöhung der Bettenzahl die Kostensituation verschlechtert. Man bezweifelt, ob diese Frage in allgemeiner Form überhaupt sinnvoll gestellt ist. Deshalb ist es angebracht, das Krankenhaus nicht als Leistungseinheit zu behandeln, sondern vielmehr sollten die einzelnen Leistungsstellen als Kapazitätseinheit gesehen werden. Erst dann können die einzelnen Leistungsstellen oder Teilkapazitäten miteinander zur gesamten Betriebskapazität kombiniert werden. Es ist durchaus denkbar, dass die optimale Betriebsgröße eines Krankenhauses in einem mittleren Größenbereich liegt. Dabei wird die zugrundegelegte Kosten-Leistungs-Proportionalität wesentlich von der Personalauslastung bestimmt. Denn mit zunehmender Betriebsgröße wurde ein nicht-proportionales Kosten-Leistungsverhalten der Krankenhäuser nachgewiesen.

Bei der geplanten Größenordnung der Rechbergklinik (125 Betten) liegt die starke Vermutung nahe, dass sie in ihren einzelnen Teilkapazitäten bzw. Leistungsbereichen zu klein ist, um zu sinnvollen Leistungs- und Kostengrößen zu gelangen. Diese Situation wird dazu führen, dass sie den quantitativ und qualitativ wachsenden Leistungsansprüchen nicht ohne erhebliche Kostensteigerungen folgen kann. Diese Problematik wird noch verstärkt durch den Zwang zu mehr Technisierung, Mechanisierung und Automation. Aufgrund der oft geringen Kapazität in den einzelnen Leistungsbereichen sind kleine Krankenhäuser gar nicht in der Lage, am technischen Fortschritt voll teilzuhaben. Ähnliche Probleme ergeben sich im personellen Bereich: Die Leistungsbereiche sind zu klein, um das quantitativ und qualitativ notwendige Fachpersonal zu beschäftigen und voll auszulasten. Kooperation mit der Fürst-Stirum-Klinik ist ein geeignetes Mittel, in einzelnen Leistungsbereichen wenigstens zu Teiloptima zu gelangen.

Die Frage nach der optimalen Betriebsgröße eines Krankenhauses kann nicht befriedigend beantwortet werden. Das Krankenhaus ist nicht als eine Leistungseinheit zu behandeln. Die einzelnen Leistungsstellen sollten als Kapazitätseinheit gesehen werden. Danach können die einzelnen Leistungsstellen miteinander zur gesamten Betriebskapazität kombiniert werden. Es ist denkbar, dass die optimale Betriebsgröße in einem mittleren Größenbereich liegt. Mit zunehmender Betriebsgröße wurde ein nicht-proportionales Kosten-Leistungsverhalten der Krankenhäuser nachgewiesen.

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Kommentare

15 Kommentare

  1. G. H. am 20. Januar, 2012 12:24

    Der Kreistag hat entschieden.
    Nur ist er für eine zukunftsorientierte am Wohl der Patienten, an einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung und der gebotenen Wirtschaftlichkeit ausgerichteten – Unternehmensführung wenig geeignet, geschweige denn beteiligt.

    Wohl eher noch: Ungeeignet!

    Herauszulesen aus der einstmaligen “Weisheit” eines Kreistagsmitglieds zur Kostenrechnung der beiden Kreiskrankenhäuser in:

    “Hat die Geburtshilfe eine Chance?”
    BNN 1. August 2008

    Der Oberbürgermeister

    …”Er sieht inzwischen das Defizit der Kreiskliniken als hausgemacht an, weil es wie bei der Geburtshilfe keine Vollkostenrechnung gebe.”

    Metzger (CDU) sitzt immer noch im Kreistag und ist sogar zum stellvertretenden Landrat aufgestiegen. Macht sich bestimmt bei der Höhe der Aufwandsentschädigung bemerkbar?

    In der Sache selbst wiederum ein echtes Eigentor!

  2. h - z am 23. Januar, 2012 17:27

    Nachdem über Jahrzehnte hinweg laufende Instandhaltungen – nicht Instandsetzungen = Reparaturen – sträflich vernachlässigt wurden, muss nun nach Meinung des Landrats sowie der Kreisräte ein Neubau her.

    Die kostengünstigere Variante ist eine komplette Sanierung unter dringender Veränderung der Angebotsstruktur. Andernfalls wird die Rechbergklinik eine Dépendance der Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal werden. Also wird sie keinesfalls auf klinischer Augenhöhe sein.

    Ohne Kooperation kann ein 125 Betten-Krankenhaus wirtschaftlich nicht überleben.
    Bestätigung für diese Aussage können sich die Mitglieder des Kreistages bei der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft in Stuttgart und bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft in Berlin geben lassen.

    Dazu wird es wohl nicht kommen, weil man der Meinung ist, den Vorstellungen des Landrats folgen zu müssen. Damit bewegen sich alle Befürworter jedoch auf dem krankenhausspezifischen Holzweg.

    Die Millionen-Defizite der letzten Jahre beider Kreiskrankenhäuser sprechen da eine deutliche Sprache. Und zu überlegen ist, ob es überhaupt Sinn macht, für 50 Millionen Euro 125 Akutbetten zu behalten. Ein Bett kostet sage und schreibe 400.000 Euro.
    Wer kann den Kreisbürgern und mir heute sagen, wieviel an Investitionszuschüssen vom Stuttgarter Sozialministerium gezahlt wird?

    Wann und wie und von wem sollen diese Investitionskosten und deren Folgekosten hereingeholt werden?
    Diese Fragen wird Landrat Dr. Schnaudigel nicht hinreichend beantworten können.

  3. h - z am 24. Januar, 2012 11:54

    Die wirtschaftliche Sicherung der beiden Kreiskrankenhäuser ist eine öffentliche Aufgabe. Die Investitionskosten sind auf öffentliche Hände verlagert. Nur die Benutzerkosten werden den Krankenkassen und Selbstzahlern angelastet. Das Land Baden-Württemberg erklärt im Landeskrankenhausgesetz die Sicherstellung der Krankenhausversorgung als öffentliche Aufgabe, s. oben, Satz 1.

    Krankenhausverwaltung wird nicht mehr als freiwillige Selbstverwaltungsaufgabe, sondern als Pflichtaufgabe der Landkreise wahrgenommen. Und über Wohl und Wehe entscheiden nun einmal die Krankenhausfachleute in den Kreistagen? :-(

    Die Landkreise müssen sich an den Investitionskosten beteiligen und werden nur gefördert, wenn sie von den Ländern im Krankenhausbedarfsplan aufgenommen sind. Sicherlich stehen beide Kreiskrankenhäuser darin.

    Ist im Karlsruher Kreistag ein Mitbeteiligungsrecht der Einwohner in Form einer Fragestunde oder der Anhörung Betroffener vorgesehen?
    Denn genau dort – und im Sozialministerium Stuttgart – ist die Antwort auf die Frage zu bekommen, ob beim Neubau der Rechbergklinik in Bretten von einer Steuergeld-Verschwendung ausgegangen werden muss.

  4. G. H. am 25. Januar, 2012 15:04

    Man vergleicht gern Krankenhäuser hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit.
    Unterschwellig kommt stets die Meinung zum Ausdruck, Krankenhäuser in der Rechtsform einer privatwirtschaftlichen GmbH würden die öffentlich-rechtlichen Krankenhäuser vom Alptraum der ständigen Defizite erlösen. Leider sind die genannten Beispiele von der Aufgabenstellung und vom Betriebsablauf her für einen Vergleich nicht geeignet. Es ist nämlich wirklich keine Hexerei, mit Krankenhäusern einen finanziellen Gewinn zu erzielen.

    Es gibt dafür ein einfaches Rezept: Man nehme ein gut abgegrenztes chirurgisches Gebiet (oder auch zwei) und ergänze sie mit einer größeren Anzahl Betten für Rehabilitation, Psychosomatik o. ä. Für die Wirtschaftlichkeit, sprich Gewinnmöglichkeit, ist dabei entscheidend, dass es sich fast ausschließlich um geplante Operationen und einbestellte nicht operative Patienten, Rehabilitation, Neurologie, Psychosomatik handelt, nicht Chirurgie querbeet und Patienten mit akuten Erkrankungen, mit dringend notwendiger, nicht bis zum nächsten Werktag aufschiebbarer Diagnostik und sofortigem Therapiebedarf außerhalb regulärer Arbeitszeit, meist noch pflegeintensiv. Mit geplanten Eingriffen auf engem Sektor und einbestellten Patienten wird vieles an teurer Infrastruktur entbehrlich: Z. B. kein Rundum-Volldienst im Röntgen und Labor, keine Pathologie mit Schnellschnitt (feingewebliche Untersuchung während der laufenden Operation), keine Schwerstverletzten (OP-Team nachts vorzuhalten), keine frischen Schlaganfälle, Krebspatienten, Aids-Kranke (Therapie sehr teuer) usw: Dann muss Ärzten und Pflegepersonal wenig unregelmäßige Arbeitszeit zugemutet und vergütet werden, läßt sich der Tagesablauf im Krankenhaus durchplanen und rationell gestalten, lassen sich Gewinne erzielen und können Dividenden gezahlt werden.

    Die meisten öffentlich-rechtlichen Krankenhäuser – kommunale und Kreis-Krankenhäuser werden gut, einige weniger gut geführt. Das wirtschaftliche Ergebnis eines Krankenhauses ist weniger von der Betriebs- oder Rechtsform abhängig als von seiner Aufgabenstellung, dem Krankenhaus-Management und seinem Führungsstil sowie seiner Bettenzahl.

    Zum Neubau der geplanten Brettener Rechbergklinik mit sage und schreibe 125 Betten fällt mir nur ein:

    1. Offensichtlich flüssiger als Wasser = überflüssig!
    2. Heavy on the wood way!
    3. Das kann ja wohl nicht Warstein!
    Sämtliche drei Punkte gelten vor und nach Beschlussfassung im Kreistag!

  5. ghg am 3. Februar, 2012 11:15

    BNN AUS DER REGION 3. Februar 2012

    “Die Sprecher der Kreistags-Fraktionen nehmen Stellung zum Haushalt 2012″

    Willi Leonhardt (CDU): Ein eindeutiges Bekenntnis zum Klinik-Standort Bretten gab Leonhardt ebenfalls. Der dort geplante Neubau sei “zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung dringend notwendig” – trotz aller finanziellen Belastungen.

    Joachim Pöschel (SPD): Der Standort Bretten und weitere Investitionen für das Bruchsaler Krankenhaus seien für die medizinische Versorgung der Kreisbürger unverzichtbar.

    Günther Johs (Freie Wähler): Wer jährlich acht Millionen beim Betrieb des Nahverkehrs ausgleiche, werde auch die bereits angedeutete Erhöhung des Beitrags 2013 an die Krankenhäuser mittragen, weil “diese Mittel im Interesse der Kreisbürger” eingesetzt würden, sagte Johs zur Krankenhaus-Diskussion im Kreis.

    Christine Geiger (Grüne): Zu hinterfragen sei auch der Brettener Klinikneubau. Es müsse genau überlegt werden, “welche medizinische Einrichtung anstelle des jetzigen Klinikbaus für die Bevölkerung medizinisch notwendig ist und zwar ohne Vorgaben, die aus der bestehenden Klinik abgeleitet werden”. Daher sei ein Gutachten vonnöten, das auch Krankenhäuser der Umgebung und deren Angebote mitberücksichtigt.

    Jürgen Wacker (FDP): Wackers Schwerpunkt lag inhaltlich auf den Kliniken des Landkreises. “Wir müssen am Ziel der qualitativ hochwertigen Versorgung der Patienten im ländlichen Raum arbeiten.”

    Was lernt der Leser aus den Stellungnahmen?

    Nur aus der Stellungnahme von Frau Christine Geiger (Grüne) spricht Sachkenntnis, die anderen plappern irgendetwas, was in Sonntagsreden den üblichen Allgemein-Standpunkten entspricht und sich nett liest. Im Übrigen geben diese Kreisräte ja nicht eigenes Geld aus, wie man meinen sollte, sondern das der Kreisbürger.

    Und was hat eine medizinische Versorgung mit einem nicht instandgehaltenen und vernachlässigten Altbau zu tun? Nichts! Der geplante Neubau in Bretten sei zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung dringend notwendig. Warum? Stimmt nicht, weil die Bausubstanz der Rechbergklinik nicht genügend im Fokus des Landkreises Karlsruhe stand.

    Die in den Stellungnahmen viel besagte qualitativ hochwertige medizinische Versorgung besteht nun einmal ausschließlich aus laufenden Personal- und Sachkosten.

    Einmalige Bau-Investitionskosten von 50 Millionen Euro für 125 Betten sind eine Kostengröße, welche bei wirtschaftlicher und sparsamer Kreishaushaltsführung völlig undiskutabel sein müssen. Auch dann, wenn dafür beim Sozialministerium in Stuttgart Investitionskostenzuschüsse beantragt werden, um die Grund- und Regelversorgung in Bretten beizubehalten.

  6. G. H. am 3. Februar, 2012 14:39

    BNN AUS DER REGION 3. Februar 2012

    “Die übrigen Fraktionen haben nun auch weitgehend die schwarze Farbe weggepackt. Nur noch wenige Reste sind in den Haushaltsreden übrig geblieben. Immer mehr kommen die bunten Farben heraus. Das Schwarzmalen hat ein Ende.”

    Kreisrat Markus Rupp zur Bewertung der finanziellen Lage des Landkreises in den beiden Jahren zuvor.

    Beispiele

    Neuverschuldung
    2010 7,9 Mio. €
    2011 8,9 Mio. €
    + 1,0 Mio. € oder + 12,66%

    Zinsen
    2010 3,1 Mio. €
    2011 4,2 Mio. €
    + 1,1 Mio. € oder + 35,48%

    Schuldenstand
    2010 78,7 Mio. €
    2011 87,5 Mio. €
    + 8,8 Mio. € oder + 11,18%

    Was für eine fachliche Analyse!
    Die bunten Farben klingen so wie das viel bemühte Licht am Ende des Tunnels.

    Bei den Positionen Neuverschuldung, Zinsen und Schuldenstand jeweils zweistellige prozentuale Steigerungsraten in den beiden Jahren zuvor. Die Steigerung in den Positionen Neuverschuldung und Schuldenstand von 2011 auf 2012 geben wahrlich keinen Anlass zum Jubeln: Außer zum Schwarzmalen!

    Ohne dem Zitierenden nahe zu treten: Nur mit Rücksicht auf die Faschingszeit ist das Zitat vom Inhalt her zu ertragen. Von der Sache her ganz bestimmt nicht!

    Oder war das ein Auszug aus einer scherzhaften Büttenrede, der in den BNN so nicht kenntlich gemacht wurde? :-)

  7. h - z am 5. Februar, 2012 20:51

    @ G.H. am 3. Februar 2012 letzter Satz

    Seid ihr bereit
    zur fünften Jahreszeit?
    Ob Sonne, Schnee oder auch Regen
    Fastnacht ist ein wahrer Segen,
    denn jeder darf ein anderer sein,
    der eine groß, der andere klein,
    mit und auch ohne Meise!
    Total egal hier gilt kein Maß,
    es geht ganz einfach nur um Spaß!
    Achim Schmidtmann

    Geld ist Mittel zum Zweck,
    aber der Zweck heiligt nicht immer die Mittel.
    Achim Schmidtmann

    Wenn unter Bezug auf die obigen Sprüche der Kreishaushalt 2012 einstimmig verabschiedet worden wäre, dann hätte ich als Leser ein wesentlich besseres Gefühl – beim Haushalt selbst sowie bei den Begründungen der Sprecher der Kreistags-Fraktionen für den Neubau der Rechbergklinik in Bretten von 50 Millionen Euro.
    So aber verbleibt ein fades Zeug von all dem Reden. :-(
    Einzige Ausnahme: Die Stellungnahme von Frau Christine Geiger (Grüne). :-)

  8. G. H. am 6. Februar, 2012 11:55

    Weitere Beispiele aus der Tabelle:
    Kreis Karlsruhe
    Haushalt 2012

    Neuverschuldung
    2011 8,9 Mio. €
    2012 12,3 Mio. €
    + 3,4 Mio. €
    + 38,2 %

    Schuldenstand
    2011 87,5 Mio. €
    2012 99,8 Mio. €
    + 12,3 Mio. €
    + 14,1 %

    Mitarbeiterzahl
    2011 1706
    2012 1692
    - 14
    - 8,2 %
    inklusive Kliniken
    2011 3146
    2012 3097
    - 49
    - 1,6 %

    Personalausgaben
    2011 61,5 Mio. €
    2012 63,4 Mio. €
    + 1,9 Mio. €
    + 3,1 %

    Erklärungsbedürftig ist, warum bei fallender Mitarbeiterzahl (8,2 Prozent oder 1,6 Prozent) die Personalausgaben um 3,1 Prozent gestiegen sind.

    2012

    Die Neuverschuldung steigt um 3,4 Millionen Euro oder 38,2 Prozent, der Schuldenstand um 12,3 Millionen Euro oder 14,1 Prozent.

    …”Immer mehr kommen die bunten Farben heraus. Das Schwarzmalen hat ein Ende.”
    Also doch Faschingszeit, weil da die bunten Farben so schön herauskommen.

    Im Kommentar “Schuldenfalle”
    BNN AUS DER REGION am 3. Februar 2012
    heißt es:

    …” Der Landkreis hat für 2012 einen soliden Haushalt, und er hat ersprießliche Perspektiven für 2013.”…
    Diese Einschätzung kann ich absolut nicht teilen.

  9. h - z am 8. Februar, 2012 12:00

    BNN AUS DER REGION 8. Februar 2012

    Neubau der Rechbergklinik beschäftigt alle Kreistagsfraktionen / 50 Millionen Investitionsvolumen

    “Doch trotz 50-Millionen-Euro-Neubau mit 125 Betten rechnen die Gutachter mit Blick auf Einzugsgebiet und Struktur mit einem jährlichen Verlust von 2,5 Millionen.”

    Analyse zur vergleichenden regionalen demographischen Bevölkerungsstruktur?
    Analysen zur vergleichenden regionalen Morbiditätsstruktur?
    Analysen zur vergleichenden Mortalitätsstruktur?
    Analysen zur gesundheitsbezogenen, regionalen Bedürfnisstruktur Gesunder und Kranker (die nicht Patienten der Rechbergklinik sind)?
    Analysen zur Bedürfnisstruktur tatsächlicher Patienten?
    Analysen zum Image bei Gesunden und Kranken (die nicht Patienten der Rechbergklinik sind)?
    Analysen der Zufriedenheit tatsächlicher Patienten?

    Anhand welcher quantitativer Kriterien wird wirtschaftlicher Mißerfolg gemessen?
    Bilanzverlust, Umsatz, Kosten, Patientenzufriedenheit?
    Und welcher qualitativer Kriterien?

    Gibt es dazu schriftliche Zielvereinbarungen:

    TQM Gemeinkostenwertanalyse
    Kostenmanagement Marketing
    Shareholder Value Dienstleistungsoptimierung
    Portfolio-Methoden Kooperationen
    Benchmarking Auslastungsoptimierung
    Profit Center Lean-Management

    “Die Arbeit an dem Gutachten läuft noch.”

    Aus welchem Bereich kommen denn die Gutachter:
    Juristische Berater Unternehmensberater Controlling-Berater Marketing-Berater

    Wettbewerbsumfeld
    Analysen zum Angebot und zur Leistungsfähigkeit der umliegenden Kliniken?

    Umfeld der Meinungsbildung
    Analysen zum Image der Rechbergklinik bei der lokalen Presse?

    Ertragsstruktur
    Welches sind die wesentlichen Profit-Center?

    Marketing-Analyse
    Welches sind die wesentlichen Strategischen Geschäftsfelder?
    Analysen der Stärken und Schwächen
    Analysen der Erfolgsfaktoren für das wirtschaftliche Ergebnis sowie
    möglicher zukünftiger Marktpositionierung

    Analysen möglicher zukünftiger Kooperationen
    Analysen möglicher zukünftiger Fremdvergabe-Vereinbarungen = bedeutendes Einsparpotential!

    Abstimmung von Kapazitäten und Behandlungsschwerpunkten zwischen Rechbergklinik und anderen Kliniken

    Aufklärung der breiten Öffentlichkeit über interne Strukturen, Abläufe, Zwänge und Entscheidungen: Totale Fehlanzeige!

    Herausgabe eines lokalen Periodikums aus der Rechbergklinik und über sie für die breite Öffentlichkeit?

    Usw. usw. usw.!!!

    Es git noch viel zu tun, packen wir es bloß (nicht) an. :-(

  10. G. H. am 8. Februar, 2012 15:35

    Gutachter rechnen mit einem jährlichen Verlust von 2,5 Millionen Euro.

    Wie kann man einen Verlust verringern?

    Indem überlegt wird, was in einem Krankenhaus “fremd” vergeben werden kann.
    Eine derartige Analyse von Möglichkeiten der Eigenfertigung oder Fremdvergabe von Leistungen muss frühzeitig ansetzen und verlangt den Mut bzw. die Einsicht, grundsätzlich “alle” Funktionsstellen einzubeziehen und die gegenwärtigen Strukturen (s. o. die Gutachter mit Blick auf Einzugsgebiet und Struktur) zu überdenken. Abstrahiert man von vorherrschenden Krankenhausorganisationen und betrachtet man den Zweck eines Krankenhauses – nämlich “Patienten zu versorgen” – als alleinstehendes oberstes Ziel, kann behauptet werden, dass alles, was zu seiner Erfüllung erforderlich ist, fremd beschafft werden kann. Konkret beinhaltet dies Leistungen wie Wäsche, Managementberatung, auch Funktionen wie Wartung/Instandhaltung (wurden in Bretten vernachlässigt), Speisenversorgung, Labor, Materialwirtschaft, Sterilisation, sämtliche Transportleistungen, Handwerksbetriebe usw.

    Es ist ersichtlich, dass zwischen diesen Funktionen viele Abhängigkeiten bestehen. Die Optimierung eines Bereiches unter Kostenaspekten kann durchaus zu negativen Belastungen eines anderen beitragen und in einer Gesamtbetrachtung unvorteilhaft sein.

    Eine Entscheidung über die Selbsterbringung der Wäschereileistungen beispielsweise darf also nicht isoliert untersucht werden, sondern muss alle angrenzenden Bereiche mit einbeziehen. Es muss z. B. untersucht werden, ob Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten selbst ausgeführt werden können, ob der Technische Dienst nicht überlastet wird – oder in der Vergangenheit in Bretten sicherlich wurde – ob die OP-Kleidung ausreichend sterilisiert werden kann, ob die Transportkapazitäten ausreichend bzw. nicht unnötig blockiert werden etc.

    Es ist also erforderlich, die Abhängigkeiten zwischen den Funktionsstellen eines Krankenhauses, die durch eine Maßnahme berührt werden, herauszufiltern und für diese Beziehungen eine Folgenabschätzung vorzunehmen.

    Bei Entscheidungen über Selbstherstellung oder Fremdbezug dürfen einzelne Ziele wie die Versorgungssicherheit (Bedarfsdeckungsziel) oder die Mindestqualitätsanforderungen (Leistungsziel) nicht vernachlässigt werden. Da die Wahl einer Alternative meist nicht sofort rückgängig gemacht werden kann, sind Fehlentscheidungen gleichbedeutend mit ineffizienten Organisationsformen und mangelnder Zielerreichung.

    Bei welchen Anlässen stehen Entscheidungen über Eigenfertigung oder Fremdvergabe an?

    Die Frage nach Selbsterstellung oder Fremdbezug stellt sich immer dann, wenn organisatorische Veränderungen anstehen, wenn man an Kapazitätsgrenzen stößt oder ein anderer Engpaß auftritt.

    Wissen die genannten Gutachter auch darüber Bescheid? Man kann es nur hoffen!

    Man muss sich aber vergegenwärtigen, dass Entscheidungen jeder Art auf einer Bewertung bestimmter Faktoren zu einem bestimmten Zeitpunkt beruhen. Da sowohl die Bedeutung einzelner Faktoren (also deren Gewichtung) als auch die Faktoren selbst im Zeitverlauf gewissen Veränderungen unterliegen, muss eine Entscheidung über die Leistungserstellung intern oder extern als kontinuierlicher Prozess verstanden werden, in dem eine einmal gefällte Entscheidung unter veränderten Vorzeichen durchaus unterschiedlich ausfallen kann.

    Folglich ist der Übergang von Eigenerstellung zu Fremdbezug ebenso möglich wie der von Fremdbezug zu Eigenerstellung.

    Analysen zu dieser Fragestellung dürfen also nicht nur erfolgen, wenn ein Problem besteht und erkannt worden ist.

    Es bleibt zu hoffen, dass in der Sache ein Finanzdezernent, eine Regionaldirektorin sowie vom Steuerzahler finanzierte Gutachter entscheidungsreife Unterlagen vorlegen, mit denen die Mitglieder des Kreistages in der Lage sind, einen überzeugenden und zweckentsprechenden Grundsatzbeschluss herbeizuführen.

  11. G. H. am 8. Februar, 2012 15:44

    S. oberhalb letzter Satz:
    Zum zweckentsprechenden Grundsatzbeschluss

    Wie es im Kommentar von h-z am 5. Februar 2012 steht:

    Geld ist Mittel zum Zweck, aber der Zweck heiligt nicht immer die Mittel.

  12. G. H. am 9. Februar, 2012 18:38

    Brettener Nachrichten am 9. Februar 2012

    “Der Gemeinde Gondelsheim steht erneut ein sehr gutes Jahr bevor. Das machte Bürgermeister Markus Rupp beim Einbringen des Haushaltsplans deutlich. “2012 können wir durchstarten. Es macht Sinn, jetzt Gas zu geben.”

    …”Das Rechnungsergebnis 2011 sei besser ausgefallen als erwartet. Dadurch habe sich die angenommene negative Zuführung zum Verwaltungshaushalt sogar ins Gegenteil gekehrt. Dieser Trend setze sich 2012 fort…

    …Es sei keine Entnahme aus den Rücklagen notwendig und keine Neuverschuldung vorgesehen.”

    Im Verwaltungshaushalt muss mindestens ein – als Pflichtzuführung bezeichneter – Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben erwirtschaftet werden, der dem Vermögenshaushalt vor allem zur Gewährleistung der ordentlichen Schuldentilgung zuzuführen ist.

    Darüber wurde bewusst oder unbewusst kein Wort verloren, weil ja im Haushaltsplan 2012 keine Neuverschuldung vorgesehen ist, s. oben.

    Nur wäre es sehr interessant zu erfahren, wie hoch die (Alt-)Verschuldung ist und wieviel an Zinsen und Tilgung in welcher Laufzeit für diese gezahlt wurde und wird. Ebenso interessant zu erfahren, wäre die Höhe der Kassenkredite zur Sicherung der Zahlungsbereitschaft (Liquidität) der Gemeinde Gondelsheim. Bereits dann wäre man meines Erachtens vom “durchstarten und Gas geben” wesentlich weiter entfernt.

    Ich vermisse beim “durchstarten und Gas geben” den Wirtschaftlichkeitsgrundsatz. Das Gebot, den Gemeindehaushalt wirtschaftlich zu führen, bedeutet wirtschaften mit dem Ziel, mit geringstmöglichen Mitteln einen bestimmten Erfolg im Rahmen der Aufgabenerfüllung zu erzielen (Sparsamkeitsprinzip oder Minimalprinzip) oder mit bestimmten Mitteln einen größtmöglichen Erfolg zu erzielen (Maximalprinzip).

  13. h - z am 15. Februar, 2012 11:48

    Brettener Nachrichten am 15. Februar 2012

    Verkehr, Klinik, Gewerbe und Kleinkindbetreuung
    Brettener SPD-Freaktion setzt mit neuer Sprecherin Renate Knauss neue Akzente/Sozialpass für kinderreiche Familien?

    …”Von großer Wichtigkeit für die SPD ist der Neubau des Krankenhauses auf dem Rechberg. Sehr wichtig dabei sei, dass unter dem Gesichtspunkt der Rentabilität die Angebotspalette nicht ausgedünnt werde. “Chirurgie und Geburtsstation sind sehr wichtig und dürfen nicht über Bord geworfen werden”, so die SPD-Forderung”….

    Abgesehen davon, dass der von ihr geforderte Neubau in die Zuständigkeit des Landkreises fällt und nicht die SPD-Fraktion im Brettener Gemeinderat betrifft, wird hier wieder einmal ein echtes verbales Eigentor geschossen.

    Wisse: Rentabilität ist die Fähigkeit (der Rechbergklinik, einen Gewinn zu erzielen. Dieser kann gemessen werden durch das Verhältnis Gewinn im Kalenderjahr zu Umsatz = Umsatzrentabilität oder zu Eigenkapital = Eigenkapitalrentabilität.

    Frau Knauss (SPD) bleibt die Antwort schuldig, wann überhaupt in der Vergangenheit von der Rechbergklinik ein Gewinn abgeworfen wurde, um von einem “Gesichtspunkt der Rentabilität” sprechen zu können.

    Ein bisschen mehr Kenntnis in der Sache hätte der Leser schon noch von einer SPD-Fraktionssprecherin erwarten dürfen. :-(

  14. h - z am 15. Februar, 2012 12:37

    Unter dem Gesichtspunkt der Rentabilität muss sich die Fraktionssprecherin der Brettener SPD im Gemeiderat berechtigte Sorgen machen um die Brettener Kommunalbau GmbH und die Städtische Wohnungsbau GmbH.
    Die müssten ihr eigentlich schlaflose Nächte bereiten!
    Von kreditfinanzierten Brettener Haushaltsrechnungen der Vergangenheit einmal gänzlich abgesehen!

  15. G. H. am 15. Februar, 2012 14:58

    Die so genannten neuen Akzente der Brettener SPD-Fraktion mit neuer Sprecherin Renate Knauss (SPD) sind nicht neu, sondern alt.
    Sie sind leider allemal austauschbar mit denen der anderen Fraktionen.
    Kommunalpolitisch mal Tacheles geredet? – Nein!

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