Aug
18
Zur Situation an den Kliniken des Kreises
Die Welt ist voller Merkwürdigkeiten, auch unsere kleine Welt hier: Da wird lautstark und mit viel Betroffenheit darüber diskutiert, ob es — in aller Regel — jungen, mobilen Frauen für ein einmaliges Ereignis (o.k.: Manche bekommen auch zwei oder mehr Kinder) und ihren Angehörigen zumutbar ist, wenn keine Vor-Ort-Versorgung möglich ist.
Im Kontrast dazu zieren sich seit Jahren die beiden Bruchsaler Kliniken, von Politik und Öffentlichkeit kaum beachtet, für Opiatabhängige (meist Heroinabhängige), eine Ambulanz einzurichten: Hierbei handelt es sich um Schwerstkranke, die jahrelangem, kontinuierlichen, zumindest wöchentlichen Kontakts bedürfen. Ach, ich habe ja schon wieder vergessen: Es ist ein “freudiges Ereignis“ wenn ein Kind kommt, also eine Geburtshilfe zu haben.
Aber es wäre ein mühseliges Ding, den Heroinabhängigen die wissenschaftlich abgesicherte, international erprobte und empfohlene medizinische Behandlung auch in Bruchsal, anzubieten. Also die Last mitzutragen, die die Apotheken und die Arztpraxen, bei denen eingebrochen wurde, mit dieser Klientel tragen.
Dr. med. Rolf Uebe Substituierender Arzt Nervenarzt-Psychotherapie Schlossstraße 2 Bruchsal
Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :
- Gaswerkneubau für Bretten - 1954
- „Hier ist alles aufgebracht" - 1982
- In Bretten herrscht Katastrophen-Stimmung - 1982
Kommentare
20 Kommentare

Eine schnelle und vernünftige Lösung muss gefunden werden!
Alle Kreispolitiker müssen sich dafür einsetzen!
Nur so kann man sich öffentliche Anerkennung erarbeiten.
Diese hilfsbedürftige Klientel ist nur nicht so öffentlichkeitswirksam wie hilfsbedürftige werdende Mütter im Kreisgebiet.
Der Landkreis Karlsruhe sollte sich was schämen.
Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.
Sehr wahrscheinlich hat es, ebenso wie zu der Brettener Geburtshilfestation,
- zu den heroinabhängigen Menschen –
in der unveröffentlichten Expertise einer Strukturkommission aus Juni 2007 eine Empfehlung gegeben.
“Die Welt ist voller Merkwürdigkeiten” …
Verwunderlich erscheint mir in diesem Zusammenhang nur die Rolle der Mitglieder des Kreistags.
Denen fehlt ohnehin ein differenziertes Verhältnis zur Realität, weil sie in einer völlig anderen Welt leben.
Ende September 2008 können sich zwei Ausschüsse des Kreistages Karlsruhe einsetzen für eine Ambulanz für Abhängige in den beiden Kreiskrankenhäusern Bretten und Bruchsal.
Das ist dann echte Patientenorientierung ohne wenn und aber.
Was bringt eine Gesundheitspolitik ein, die für Schwerstkranke nicht gilt?
Einen schlechten (gesundheits-)politischen Ruf.
Morgen stehen u.a. auf der Tagesordnung des Kreistags:
Die Ausgliederung der beiden Krankenhäuser in Bretten und Bruchsal und Einbringung dieser in eine regionale Kliniken-Holding
und eine Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Bruchsal inklusive Bestellung ihres Chefarztes.
Warum will man eine dringend notwendige Ambulanz für schwerstkranke Abhängige absolut nicht einrichten?
Weil Geburtshilfe in Bretten und Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Bruchsal als aktuell ausreichende Probleme angesehen werden.
Weil der Kreistag meinen könnte:
Der marktschreierische Kampf
um die Geburtshilfe in Bretten
sowie die neue Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Bruchsal
garantierten vollends den aktuellen Bedarf.
Bestehendes Brustzentrum, geplantes Darmzentrum.
Jedoch leider keine geplante Ambulanz für Abhängige.
Konsequente Krankenhausplanung des Landkreises Karlsruhe.
Immerhin:
“Aus dem Modellversuch wird eine Dauerlösung
Regierungspräsidium erlaubt der AWO endgültig die Abgabe von künstlichem Heroin an Schwerstabhängige”
BNN 12. Januar 2011
Die AWO hatte hierbei wohl den besten Einfluss?