Ein klägliches Bild

BNN   14.Februar, 2008 | 105 Kommentare   Artikel 11441x gelesen

 

UDO STARK
Milton Friedman ist neben John Maynard Keynes einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Für ihn ist der Markt die alles ordnende Kraft – nicht der Staat. Mit dieser These hat er Furore gemacht. Zunächst brachte Friedman die amerikanischen Politiker zum Umdenken, dann überzeugte sein Credo in Europa, um schließlich den Siegeslauf um die Welt anzutreten. Heute spricht man vom Neoliberalismus wie von einem Glaubensbekenntnis. Nur, wo sind die selbstheilenden Kräfte des Marktes in der Bankenkrise? Wo der rettende Anker, wenn es darum geht, das Anlagevermögen der Sparer zu schützen? Gestern bei der Rettungsaktion für die IKB haben die Privatbanken ein klägliches Bild abgegeben. Statt selbst zu helfen, riefen sie nach dem Staat.
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, eine Staatsbank, musste einspringen, um den Bankrott des Mittelstandsinstituts abzuwenden. Nicht anders in Großbritannien. Hier hat ebenfalls der Staat mit 30 Milliarden Euro gebürgt, damit die Sparer der Northern Rock nicht in die Röhre gucken. In den USA gibt Präsident Bush, also auch wieder der Staat, den in Bedrängnis geratenen Hauseigentümern Milliardensummen, ohne die sie ihre Schulden nicht zurückzahlen könnten und folglich ihr Dach über dem Kopf verlieren würden.

In allen Fällen das gleiche Bild. Am Ende stehlen sich die aus der Verantwortung, die die Menschen erst in Not gebracht haben. In Amerika hat das fahrlässige, aber oft auch skrupellose Verhalten vieler Hypothekenbanken das große Rad der wackeligen Hypothekenkredite ins Rollen gebracht. In Erwartung hoher Renditen sind deutsche Institute wie die IKB, die SachsenLB, die WestLB und die BayernLB auf den Zug aufgesprungen, ohne danach zu fragen, ob die Wechsel überhaupt gedeckt sind, die sie sich da ins Depot legen. Aber sicher wurden diese katastrophalen Fehler auch begangen, weil das Vertrauen in die Märkte grenzenlos geworden ist. Der Neoliberalismus, so wie er von vielen Banken und Unternehmen verstanden wird, hat jede Bodenhaftung verloren. Nicht solides Wirtschaften ist das primäre Ziel, sondern schneller Gewinn. Solche Märkte besitzen keine ordnende Kraft mehr. Ja, sie müssen sogar vor sich selbst geschützt werden, wie die staatlichen Rettungsaktionen zeigen.

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Kommentare

105 Kommentare

  1. kord. am 29. September, 2009 11:04

    All diese Euro-Milliarden direkt und zielgerichtet in volkswirtschaftlich sinnvolle Projekte investieren!

    Das hätte man sinnvollerweise? auf den Weg bringen müssen!

  2. Zumb. am 4. Oktober, 2009 21:03

    Alles, was Politiker von Geld verstehen, ist, dass sie es von anderen haben wollen! 🙂

  3. i am 6. Oktober, 2009 23:04

    Und damit vielerlei Dummheiten begehen.

    S. Prüfungsberichte Bundesrechnungshof, Landesrechnungshöfe, Gemeindeprüfungsanstalten, Bund der Steuerzahler usw.!

  4. ralf am 18. Dezember, 2009 19:13

    Es werden weiterhin Boni und überdurchschnittliche Vergütungen bei Banken gezahlt, die mit Hilfe der Steuerzahler überhaupt am Leben erhalten werden.
    Dies ist eine Beleidigung der Bankenlobby gegen die leistungsorientierten Bürger.
    Hier ist die Politik gefordert, schnell zu reagieren, in Deutschland wie auch auf internationaler Ebene.

  5. Lars am 18. Dezember, 2009 19:23

    Das Argument, die Europäer können die Bonuszahlungen nicht so einfach per Gesetz deckeln, weil vermeintliche Starbanker sonst nach New York oder Hongkong abwandern, greift voll daneben.

    Solange Deutsche in Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, der Schweiz oder Spanien erheblich niedrigere Einkommensteuern zahlen als bei uns, sollte sich der Bundesfinanzminister auch einmal für die deutschen Steuerzahler im Lande einsetzen. 🙂

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