Bretten, die Bundeshauptstadt im Naturschutz und die DUH

BAK   23.November, 2007 | 28 Kommentare   Artikel 10145x gelesen

 

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. rief im Jahr 2007 den Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Naturschutz“ aus. Bereits für die Teilnahme am Wettbewerb wurde mit einer Urkunde geworben. Jede der 12299 Kommunen in Deutschland war dazu aufgerufen, ihr Engagement für den Naturschutz darzustellen. Dazu zählen unter anderem:

* eine erfolgreiche Naturschutz-Planung,
* Projekte für den Artenschutz,
* eine gute Öffentlichkeitsarbeit und die Unterstützung von Naturschutzinitiativen,
* ein vorbildlicher Gewässer- und Biotopschutz,
* die Förderung einer naturverträglichen Land- und Waldnutzung sowie
* die Kooperationen mit Naturschutzverbänden, Wirtschaftsunternehmen und Bürgern sowie Bürgerinnen.

Der Schirmherr des Wettbewerbes, Sigmar Gabriel, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, gab in seinem Grußwort der Hoffnung Ausdruck, dass:
Ich hoffe, dass bei dem hier ausgeschriebenen Wettbewerb der Deutschen Umwelthilfe viele gute Beispiele eingereicht werden, die Vorbilder für die Zukunft liefern und der Titel „Bundeshauptstadt im Naturschutz“ Auszeichnung und Anreiz zugleich ist, die Herausforderungen der kommunalen Naturschutzaufgaben anzunehmen.

Der Bundesvorsitzenden der Deutschen Umwelthilfe Prof. Dr. Harald Kächele in seinem Vorwort dazu, Zitat :
Mit diesem Wettbewerb wollen wir die aktiven Kommunen belohnen und ihnen Rückenwind für ihre weitere Arbeit geben. Wir haben einen Fragebogen erstellt, damit Sie all Ihre vielfältigen Maßnahmen und Projekte angeben können. Lassen Sie sich nicht von dem Umfang des Fragebogens abschrecken. In der Regel können Sie „Ja“ oder „Nein“ ankreuzen. Und weiter : Jede Stadt oder Gemeinde, die am Wettbewerb teilnehmen wird, zeigt damit ihr Interesse und Engagement für den Naturschutz. Deshalb verleihen wir den Titel „Naturschutzkommune“ als Anerkennung für ihr Engagement bei Städten über 30.000 Einwohnern, die mehr als 75 Punkte erreichen. Gemeinden bis zu 30.000 Einwohnern erhalten diesen Titel bereits mit mehr als 50 Punkten. Wir veröffentlichen nur die Platzierungen der Kommunen, die diese Auszeichnung erhalten, und nicht die Platzierungen im hinteren Teilnehmerfeld.

Trotz dieser geradezu garantierten Aussicht auf eine Auszeichnung, nahmen lediglich 115 Kommunen (entspricht 1,26% ) aus allen Bundesländern am Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Naturschutz“ teil. Tatsächlich waren die Fragen und Themenbereiche des Wettbewerbes so ausgelegt, dass jede Kommune in Deutschland genügend „Kreuzchen“ bei „Ja“ machen konnte.
Die Stadt Bretten, allen voran der Oberbürgermeister Metzger, hatten die Dreistigkeit, ungeachtet der gerade vollzogenen Vernichtung eines ökologisch hochwertigen Waldes und dem seit Jahren ständig steigenden Flächenverbrauches von inzwischen 200ha (!), sich als „Bundeshauptstadt im Naturschutz“ zu bewerben. Man zählte wohl darauf, dass die ausrichtende DUH, nicht über den Naturfrevel in Bretten informiert war.

Im Folgenden sind die ersten zehn Platzierten der Gesamtwertung aufgeführt, Quelle : DUH.
Gesamtergebnis des Wettbewerbs „Bundeshauptstadt im Naturschutz“ 2007

1. Platz Stadt Heidelberg
2. Platz Landeshauptstadt Hannover
3. Platz Gemeinde Wettenberg
4. Platz Gemeinde Nettersheim
4. Platz Gemeinde Ratekau
6. Platz Stadt Eckernförde
7. Platz Stadt Bad Saulgau
7. Platz Stadt Freiburg im Breisgau
9. Platz Stadt Berlin
10. Platz Stadt Rastatt
10. Platz Stadt Wernigerode

In Bretten sieht man sich allerdings auf dem siebten Platz, in der Kategorie 10.000 bis 30.000 Einwohner, wohlgemerkt. Auf dem ersten Platz steht Bretten allerdings, wenn es um die Einschränkungen geht, die die ausrichtende DUH der Stadt macht, sollte sie öffentlich mit der Preisverleihung „Bundeshauptstadt im Naturschutz“ 2007 angeben. Dazu aus einem Schreiben der DUH an den Oberbürgermeister :

Begleitschreiben zur Verleihung des Titels „Naturschutzkommune 2007“
Sehr geehrter Herr Metzger,

aufgrund der positiven Leistungen der Stadt Bretten in vielen Bereichen des Naturschutzes wird der Stadt Bretten das Prädikat „Naturschutzkommune 2007“ verliehen. Die Deutsche Umwelthilfe weist aber daraufhin, dass mit der Verleihung des Prädikats keinerlei Aussagen zu Aktivitäten und Maßnahmen der Stadt Bretten getroffen werden, die möglicherweise den Zielen des Naturschutzes widersprechen. Insbesondere weisen wir dabei auf die Ausweisung des Gewerbegebiets im Rüdtwald hin. Bei dieser Ausweisung ist geplant, 22 ha Wald aus dem Naturpark Stromberg-Heuchelberg zu roden. Laut dem Umweltbericht des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein bedeutet dies den „Verlust wertvoller Lebensräume für Pflanzen und Tiere, einer wertvollen großflächigen Landschaftsstruktur sowie eines lufthygienischen Austauschraums“. Hinsichtlich des Artenschutzes wird laut dem Umweltbericht, vor allem der Lebensraum des dort vorkommenden Springfrosches eingeschränkt. Auch wenn durch Ersatzaufforstungen und weitere Maßnahmen der Eingriff in die Natur kompensiert werden soll, so kann die Deutsche Umwelthilfe als Naturschutzverband einen solchen Eingriff aus Sicht des Arten- und Biotopschutzes nur ablehnen.

Der Deutschen Umwelthilfe ist es daher sehr wichtig, dass das Prädikat „Naturschutzkommune 2007“ seitens der Stadt Bretten bei öffentlichen Bekanntmachungen oder Pressemitteilungen nur unter der Berücksichtigung dieses Vorbehalts verwendet wird.
[…..]

Der Deutschen Umwelthilfe ist es aber wichtig, dass die Würdigung dieser Leistungen auch in der Öffentlichkeit in keiner Weise mit den geplanten Baumaßnahmen im Rüdtwald in Zusammenhang gebracht werden.

Eine Kopie dieses Begleitschreibens geht an die lokalen Naturschutzverbände, den BUND Bretten und den Naturschutzbund Bretten, an das Bundesamt für Naturschutz und die Bundesverbände von BUND, Naturschutzbund sowie Grüne Liga.

Diese Vorbehalte nutzte der so belehrte Oberbürgermeister im erwähnten Artikel vom 21.7.2007, allerdings zu seinem Vorteil, in dem er formulierte : Trotz der umstrittenen Erweiterung des Industriegebietes um 22 Hektar in den Rüdtwald wurde der Stadt Bretten beim Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Naturschutz“ der Titel „Naturschutzkommune 2007“ verliehen – „für ihr vorbildliches Engagement zum Schutz der Natur“.
Es wurde also, völlig entgegen der Auflagen der DUH, ein direkter Zusammenhang zwischen Preisverleihung und der Zerstörung des Rüdtwaldes hergestellt. Mehr noch, die Verleihung eines Preises trotz Waldzerstörung wird als Beweis für die hohe Qualifizierung der Naturschutzbemühungen dargestellt.
Erwähnt wurde sogar, dass der Bundesminister für Umwelt, Sigmar Gabriel, diese „Urkunde“ unterzeichnet hat, wobei wohl suggeriert werden sollte, dass dieser auch über die „Begleitumstände“ der Preisverleihung unterrichtet war !

Man darf davon ausgehen, dass Herrn Gabriel diese Dreistigkeit (noch) nicht bekannt ist, ob die DUH sich derart vorführen läßt, wird sich zeigen, spätestens beim nächsten „Umwelt-Wettbewerb“.

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. hat mit der Ernennung Bretten’s zur „Naturschutzkommune 2007“ das lang ersehnte Feigenblatt für die beispiellose Naturzerstörung im Rüdtwald geliefert. So wurde aus der lobenswerten Absicht, Städte und Gemeinden für ihr Engagement im Naturschutz auszuzeichnen und sie weiter dazu anzuspornen, eine undifferenzierte „Preisverteilung durch Teilnahme“ und die Gelegenheit für Blender.
Vorwürfe muss man der DUH dahingehend machen, dass der Fragenkatalog derart undifferenziert war, dass es, trotz Flächenverbrauch von 200ha und Zerstörung von 22ha ökologisch hochwertigem Wald, möglich war, eine Stadt zur „Naturschutzkommune“ zu erklären. Dies ist eigentlich nur noch lächerlich !

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

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Kommentare

28 Kommentare

  1. pp am 23. November, 2007 16:14

    Was nun, Herr OB Metzger?

  2. -el- am 23. November, 2007 16:45

    Was kann schon passieren, wenn nicht einmal die Aussagen von Innenminister Rech und gesetzliche Bestimmungen beim OB Metzger einen Wert haben?
    Ist das „soziale Netz“ für die CDU Mitglieder dieser Art wirklich so stabil?

  3. -nz- am 23. November, 2007 16:47

    Dank an den BAK für diese hervorragende Information.

  4. proll am 23. November, 2007 16:48

    Preiswürdig ist Herr Metzger schon, allerdings in einer anderen Disziplin!

  5. Polak am 23. November, 2007 17:27

    ob die „Deutsche Umwelthilfe“ damit der Umwelt geholfen hat ???

  6. Fragezeichen am 23. November, 2007 23:33

    Hat die Deutsche Umwelthilfe die Angaben der Stadt Bretten überhaupt überprüft? Falls ja: wie, in welchem Umfang und mit welchem Ergebnis?

  7. P.R. am 23. November, 2007 23:34

    Die Stadt Bretten mit einem Naturschutzpreis auszuzeichnen bedeutet, dem Teufel einen Heiligenschein zu verpassen! Bravo Deutsche Umwelthilfe!

  8. Co.N. am 23. November, 2007 23:35

    Inwiefern hat dieser Wettbewerb der (Brettener) Umwelt geholfen?

  9. g-h-o am 23. November, 2007 23:35

    Liebe Bürgermeister aus Nah und Fern seid nicht neidisch. Ihr braucht das nächste Mal nur teilzunehmen. Eine Auszeichnung mit Urkunde ist euch in jedem Fall sicher. In der Zwischenzeit könnt ihr getrost beste Ackerböden als Baugebiet ausweisen oder gar Wald abholzen. Das ökologische Feigenblatt der Deutschen Umwelthilfe ist euch sicher.

  10. Tex. am 23. November, 2007 23:36

    Wirklich toll wie die DUH schwarzen Umweltfrevlern eine weiße Weste verpasst hat!

  11. P.A. am 23. November, 2007 23:38

    Mit der Auszeichnung der Stadt Bretten hat die Deutsche Umwelthilfe ihre Glaubwürdigkeit verloren!

  12. dem. am 23. November, 2007 23:38

    Ein Schlag ins Gesicht der 6000 Bürger, die sich für die Erhaltung des Rüdtwaldes eingesetzt haben.

  13. öko-freak am 23. November, 2007 23:46

    so viel ich weiß, ging doch die DUH aus den Reihen von BUND Mitgliedern hervor, sie wird intern auch das „uneheliche Kind“ des BUND genannt. Fragt sich, um bei dem Beispiel zu bleiben, mit wem der BUND dieses Kind gezeugt hat? Mit einem spendablen Freier für ein paar (Erd-)Kröten vielleicht, war (Bio-)Alkohol im Spiel, geschah es in einer Scheune oder im (Schweizer-) Hof?? Fragen über Fragen, sicher scheint nur zu sein, dass das Produkt der grünen Nacht mißraten ist….

  14. Alfredo Terra am 23. November, 2007 23:49

    Es ist naiv zu glauben, mit einem Stück Pappkarton (= Urkunde) Gemeinden vom Raubbau an ihren Gemarkungen abhalten zu können. Das sollte sich die DUH ins Stammbuch schreiben.

  15. G.S. am 23. November, 2007 23:49

    Mit diesem Wettbewerb kommt die Deutsche Umwelthilfe doch nur der Eitelkeit und dem Geltungsbedürfnis vieler (Ober-) Bürgermeister entgegen.

  16. W-L. am 23. November, 2007 23:50

    Die Vorgehensweise der DUH ist – zumindest was den Fall Bretten betrifft – unprofessionell und kontraproduktiv.

  17. Karl.F. am 23. November, 2007 23:51

    „Justitia“ urteilt gerecht mit verbunden Augen und der Waage in der Hand. Die DUH verleiht Bretten einen Umweltpreis – auch mit verbunden Augen. So muss sie die Umweltsünden nicht sehen, die einer Preisverleihung im Wege stehen könnten.

  18. Max am 23. November, 2007 23:52

    Wann und wo dürfen die Brettener Bürger diesen Naturschutzpreis sehen? Auf dem Weihnachtsmarkt könnte dieser doch ausgestellt werden. Gleich neben der neuen Eislaufbahn wäre ein guter Platz. Vielleicht gibt es dann noch eine Urkunde für Energieverschwendung zur Kühlung der Eisfläche.

  19. azi am 24. November, 2007 13:56

    Als Schüler habe ich vor Jahren bei der Haus- und Straßensammlung für die DUH Geld gesammelt. Leider!

  20. W.Pf. am 24. November, 2007 13:56

    Ein Umweltwettbewerb mit solchem Ergebnis kann nur als dilettantisch bezeichnet werden.

  21. F.B. am 24. November, 2007 13:57

    Auch die Deutsche Umwelthilfe hat kein Feigenblatt, das groß genug wäre, um die große ökologische Scham der Stadt Bretten bedecken zu können.

  22. G.Lu. am 24. November, 2007 13:58

    Da ist die DUH dem Metzger aber sauber auf den Leim gegangen!

  23. H.U. am 24. November, 2007 22:03

    Man sollte dem DUH das link zu dieser Seite nennen, damit man die eindeutigen Reaktionen der Brettener nachlesen kann.

    Ich hoffe, dass DUH landes- und bundesweit jegliche Reputation verliert. Wieviel zunehmender Schwachsinn wird noch in diesem Land passieren?

  24. Fagus am 26. November, 2007 23:22

    Erster Sieger in diesem bundesweiten Wettbewerb wurde Heidelberg!
    Der frühere Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) Prof. Dr. Klaus Töpfer gratulierte der ehemaligen Oberbürgermeisterin von Heidelberg mit den Worten:
    „Nachhaltige Entwicklung der Welt können wir nur erreichen, wenn wir sie auf kommunaler Ebene umsetzen. Eine der ersten, die das gemacht haben, war Beate Weber. Sie hat sich dieser Aufgabe schon sehr früh – 1990 – verschrieben. Sie hat versucht Nachhaltigkeit an die Menschen heranzubringen und mit den Menschen umzusetzen.“

    OB Metzger hat nicht mit, sondern gegen seine Bürger gehandelt. Er hat gegen den erklärten Willen von 6000 Bürgern Wald abgeholzt und so einen großen, nicht wieder gut zu machenden, Umweltschaden angerichtet.

    Auch hat er seine Bürger schon damals getäuscht als er seine „Ökologische Offensive“ vollmundig ankündigte aber damit scheiterte, weil sie wie eine Seifenblase platzte.

    Mit der verlogenen Schlagzeile in den BNN „Naturschutzpreis für Stadt Bretten“ hat er jetzt wieder versucht die Bürger zu täuschen.

  25. Lud am 27. November, 2007 11:45

    Was lese ich aus den bisherigen Kommentaren heraus?

    Metzger (als Leiter der Stadtverwaltung Bretten) ist einfach Spitze!

    Worin? In Umweltzerstörung!

  26. -A-H. am 27. November, 2007 11:51

    Es wäre möglich, dass in Bälde Preise für Umweltfrevler verliehen werden.

    Dann würde die Stadt Bretten nicht – wie berichtet – den 7. Platz bekommen.

    Sie wäre uneingeschränkter Anwärter auf den 1. Platz!

  27. P.L. am 27. November, 2007 22:17

    DUH: Lieber natürliche Dummheit als künstliche Intelligenz.

  28. Crixius am 27. April, 2008 14:09

    Es muss allen absolut bewusst werden das der OB seine Politik nur mit Hilfe der Medien geschafft hat.
    HABT IHR SCHON WAS KRITISCHES IN DER BRETTENER WOCHE GELESEN !!!
    Wer die Medien in der Hand hat, hat das Wahlvolk in der Hand.
    Schaut doch mal Google oder Wiki nach Rupert Murdoch.

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