VVS befürchtet höhere Fahrpreise und Ausdünnung des Angebots- Kreisverwaltung sieht Gefahr zunehmender Zersiedelung
Ludwigsburg. Der demografische Wandel hat Auswirkungen auf alle Felder der Kreispolitik. Der Ausschuss für Umwelt und Technik hat jetzt die Folgen für den Nahverkehr, die Bautätigkeit und den Flächenverbrauch sowie die Abfallentsorgung diskutiert.

Von Ralph Gunther Zimmermann
Dass die Kreisbevölkerung zunächst noch steigen wird, ist unumstritten. Wie lange dieser Trend anhält und wie stark er ausfällt, darüber gehen die Einschätzungen auseinander. Das Statistische Landesamt unterstellt in seiner bis dato letzten Prognose eine günstige Wirtschaftsentwicklung und erwartet bis 2020 eine starke Zuwanderung in den Kreis. Dadurch würde dessen Einwohnerzahl noch einmal um rund 20 000 auf 534 000 steigen. Eine von der Region veranlasste Studie kommt zu niedrigeren Werten.

Inzwischen hat das Statistische Landesamt eine neue Vorhersage vorgelegt, die bereits von 2012 an für das gesamte Land von einem Bevölkerungsrückgang ausgeht. Regionaldirektor Bernd Steinacher sieht dadurch bereits die Prognose der Region bestätigt. Das ist zurzeit eine bloße Vermutung; Neue Vorhersagen für Regionen und Kreise sind erst für den Februar 2007 angekündigt.

Unumstritten ist allerdings, dass sich die Altersstruktur der Bevölkerung gravierend ändert. Die Zahl der Jüngeren sinkt, während immer mehr Personen, die älter als 60 Jahre sind, im Kreis und der Region leben werden. Dies trifft vor allem den öffentlichen Nahverkehr, der seine Fahrgastzuwächse der letzten Jahre den Schülern, Studenten und Auszubildenden verdankt. Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart rechnet durch den Rückgang des Schülerverkehrs im Jahr 2020 mit Einnahmeausfällen von 8,5 Millionen Euro. Zudem entfallen öffentliche Zuschüsse für Schülertickets in Höhe von rund fünf Millionen Euro.

Zwar steigt die Zahl der Senioren; diese setzen allerdings vermehrt auf ihr Auto. Der VVS hofft trotzdem bis 2020 auf ein Viertel mehr ältere Fahrgäste, was zu Mehreinnahmen von 3,3 Millionen Euro führen würde. Dies würde freilich die Rückgänge bei den Schülern nicht ausgleichen. Da zugleich die Zuschüsse für den Nahverkehr sinken, drohen höhere Fahrpreise und weniger Angebot.

Dies wäre umso verhängnisvoller, weil sich zugleich der Trend zur Zersiedlung fortsetzt. Die wachsende Bevölkerungszahl und der steigende Wohnraumbedarf je Einwohner lässt erwarten, dass der Wohnungsbau weiter zunimmt. Dies könnte dazu führen, dass die Städte immer mehr ausfransen und zugleich immer mehr Häuslesbauer in schwach besiedelte Bereiche mit niedrigen Baulandpreisen ausweichen. Damit würde das Verkehrsaufkommen in die Zentren mit hohem Angebot an Arbeitsplätzen und Einkaufsmöglichkeiten zunehmen. Zugleich zeichnet sich ein weiterhin hoher Bedarf an Gewerbeflächen ab. Die Kreisverwaltung will deshalb darauf hinwirken, dass zunehmend platzsparend gebaut wird und vor allem Brachen in den Ortskernen genutzt werden.

Eine zunehmende Flächenversiegelung würde gleichzeitig die Hochwassergefahr steigen lassen. Dem soll mit einem Ausbau der gesonderten Regenwassererfassung und Rückhaltebecken in Baugebieten entgegengewirkt werden. Bei einer steigenden Einwohnerzahl steht aus Sicht der Kreisverwaltung zudem zu befürchten, dass die Restmüllmenge über 85 000 Tonnen jährlich steigt. Dann müsste der Kreis an die Buchener Aufbereitungsanlage höhere Gebühren bezahlen, weil das so genannte Bestpreisfenster überschritten wäre.

Sprecher sämtlicher Fraktionen haben die Verwaltungsvorlage als informativ gelobt. Adolf Allmendinger (CDU) erwartet von der Verwaltung jetzt für die anstehende Schlussrunde der Demografiedebatte im Kreistag Lösungsansätze für die dargestellten Probleme. Zugleich solle der Kreis die Gemeinden als wichtige Partner in die Diskussion einbeziehen. Eberhard Weigele (FWV) forderte, die sich anbahnenden Veränderungen im Nahverkehr bei den laufenden Verhandlungen über eine neue Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs zu berücksichtigen.

Hans-Leopold Schlobach (SPD) bezeichnete drohende Fahrpreiserhöhungen beim VVS als familienfeindlich und als Standortrisiko. Eva Mannhardt (Grüne) schließlich forderte, auf das steigende Restmüllaufkommen mit höheren mengenabhängigen Gebühren zu reagieren. Auf den wachsenden Flächenverbrauch habe der Kreis wenig Einfluss. Immerhin aber, so die Grüne, könne man mit einer jährlichen Tabelle deutlich machen, welche Kommunen auf diesem Gebiet eine unrühmliche Rolle spielten.

Aktualisiert: 15.11.2006, 06:03 Uh

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Kommentare

4 Kommentare

  1. -oh- am 15. November, 2006 11:58

    Der Artikel bringt keine Neuigkeiten. Was allseits bekannt ist, wird wieder aufgewärmt. Außer den vorgetragenen Absichtserklärungen von Mitgliedern im Ausschuß für Umwelt und Technik ist nichts zu lesen. Es fehlt an einer handlungsfähigen Konzeption.

  2. - Za - am 15. November, 2006 12:16

    „Immerhin aber, könne man mit einer jährlichen Tabelle deutlich machen, welche Kommunen auf diesem Gebiet eine unrühmliche Rolle spielten.“
    Na toll. Welche Kommune schert sich darum? Ich kann mir sogar vorstellen, daß man dort aufgeführt werden will. Gilt man so als besonders unternehmerfreundlich. Kommunalpolitiker brauchen nötigenfalls eine Tabelle zur Selbstbeweihräucherung, um eine rühmliche Rolle bei den Unternehmern zu spielen. Dabei spielt jedoch der Flächenfraß eine untergeordnete Rolle.

  3. T/U am 15. November, 2006 12:31

    Wachsender Flächenverbrauch der Kommunen soll in einer jährlichen Tabelle veröffentlicht werden. Unrühmlich für die Stadt Bretten ist, daß sie dabei auf ein ungeeignetes Mittel zurückgreifen will. Sie will stadteigenen wertvollen Wald für einen angeblich wachsenden Bedarf an Gewerbeflächen abholzen. Dieses Unterfangen sollte in einer ganz besonderen Tabelle veröffentlicht werden. Da könnte Bretten Spitze werden.

  4. i-L am 15. November, 2006 14:15

    Kein Mensch darf sich über den „Waldflächenfraß“ oder netter ausgedrückt über den Waldflächenverbrauch der Stadt Bretten zugunsten eines örtlichen Unternehmens aufregen. Schließlich geht es um die Brettener Wirtschaftsförderung, die sehr einseitig und vorbelastet erscheint. Ganz abgesehen davon, daß sie zudem noch Chefsache, also von ganz besonderer Bedeutung, ist.

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