Ortschaftsrat plädiert für den Erhalt des Rüdtwaldes

BNN   12.September, 2003 | 2 Kommentare   Artikel 2290x gelesen

 

Gölshäuser fürchten Überflutung und schlechtes Klima
Klares Nein zur neuerlichen Industriegebietserweiterung
Von unserem Redaktionsmitglied Rudolf Baier

Bretten-Gölshausen. Widerstand gegen die Umwandlung von rund rund 40 Hektar Fläche des Rüdtwalds in ein Industrie- und Gewerbegebiet kommt aus Gölshausen. In die Reihe der Gegner einer Abholzung stellte sich auch der Ortschaftsrat des Stadtteils, berichtet Ortsvorsteher Manfred Hartmann: „Der Ortschaftsrat hat in nichtöffentlicher Sitzung darüber gesprochen und lehnt geschlossen die Erweiterung des Industriegebiets in den Wald hinein ab.“

Eine ganze Reihe von Gründen zählt der Ortsvorsteher für diese Haltung auf – und verweist zugleich darauf, dass sein Gremium seit zwei Jahrzehnten die immer neuen Erweiterungen des Industriegebiets Gölshausen mit getragen haben, zum Teil gegen den Widerstand der Bevölkerung. Doch eine neuerliche Ausweitung des Areals um Teile des Rüdtwalds (der nicht auf Gölshäuser, sondern auf Brette-ner Gemarkung liegt) brächte nach Einschätzung des Ortschaftsrats schwerwiegende Nachteile für den Stadtteil.

Etwa durch die notwendige Entwässerung. „Wenn der Wald zum Industriegebiet wird, fließt das gesamte Oberflächenwasser nach Gölshausen. Dafür reicht die Kanalisation nicht aus“, erklärt Manfred Hartmann. „Schon die Erweiterung in den Steinäckern machte Regenüberlaufbecken notwendig. Wenn jetzt weitere 40 Hektar hinzu kommen, schwappt die Kanalisation vollends über.“ Zwar sei erst ein riesiger Kanal im Dorf verlegt worden, aber im Bereich der Gymnastikhalle bestehe nach wie vor ein Engpass, der zu Überflutungen führe.

Auch der Autoverkehr von und zum Industriegebiet wird den Gölshäusern zu viel. Zwar geht der Ortsvorsteher davon aus, dass die Umgehungsstraße deutlich früher als bisher angekündigt fertig wird (siehe nebenstehender Bericht). Doch gerade dann, so vermutet er, wird mancher Autofahrer auf die Idee kommen, auf Schleichwegen durchs Dorf zu fahren. Aber die Stadt habe die vom Ortschaftsrat geforderten verkehrsberuhigenden Maßnahmen gestrichen – obwohl sie durch das Dorfentwicklungsprogramm gefördert würden. Für die Verkehrsberuhigung in der Eppinger Straße habe die Stadtverwaltung noch nicht einmal die Planung vergeben.

Schließlich sorgt man sich im Ortschaftsrat auch, dass eine Rodung des Waldes negative Auswirkung auf das Klima im Dorf und im Industriegebiet hätte. „Der Rüdtwald sorgt bisher für einen klimatischen Ausgleich. Der wäre dann nicht mehr gegeben.“ Die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen für die Ausweisung von Gewerbe- und Industriegebiet seien schon bisher eher nachlässig verwirklicht worden, beklagt der Ortsvorsteher. „Die Maßnahmen für die Steinäcker sind bei weitem nicht realisiert worden. Vorgeschrieben sind Streuobstwiesen, Bäume und Sträucher beim Feldbrünnle auf 30 Meter Breite. Aber geschehen ist noch nichts.“ Hartmann räumt jedoch ein, dass die Stadt hier wegen des notwendigen Geländeerwerbs auf Schwierigkeiten gestoßen sei.

Darüber, welche Schritte man für den Erhalt des Rüdtwaldes unternimmt, müsse man sich im Ortschaftsrat noch unterhalten, erklärt der Ortsvorsteher. „Eventuell hätten wir die Möglichkeit, über den Bebauungsplan die Abholzung zu verhindern.“ Persönlich hat Hartmann bei der Rüdtwald-Initiative seine Unterschrift für den Erhalt des Waldes abgegeben und teilt auch deren Forderung nach einem anderen Flächenmanagement in Bretten.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

Print Friendly, PDF & Email

Stichworte :, , ,


Kommentare

2 Kommentare

  1. -Ürk. am 22. Dezember, 2007 22:56

    Nach nunmehr vier Jahren bleibt am Ende eine große Enttäuschung.

  2. J-N am 23. Dezember, 2007 0:08

    Anhörungs- und Vorschlagsrecht des Ortschaftsrats Gölshausen waren nicht ausreichend, um überhaupt irgendwie Einfluß zu nehmen.

Name (erforderlich)

Email (erforderlich)

Website

Sagen Sie Ihre Meinung !