Probemessung

Das Gesetz der Serie gilt bekanntlich insbesondere fürs Unglück : es kommt selten allein.

So auch am vergangenen Wochenende, als die Autofahrer in und um Bretten wegen Bauarbeiten am Alexanderplatz erneut von zusätzlichen Sperrungen und Umleitungen geplagt wurden. Zeitweise stauten sich die Autos auf etliche hundert Meter in der Ortsdurchfahrt von Diedelsheim, weil die Bahnschranken an deren Ende geschlossen waren. Mancher suchte einen Ausweg aus der Misere – und fand ihn in Höhe des Rathauses. Die Alte Poststraße in Richtung Gondelsheim ist zwar offiziell gesperrt, aber die Behörden hatten ja angekündigt, an diesem Wochenende beide Augen zuzudrücken. Jedenfalls, was die Missachtung von Verbotsschildern anbetrifft. Ausgerechnet am Freitagabend postierten städtische Ordnungshüter dort aber einen Radarwagen.
Und serienweise gingen Autofahrer, die ihrem Frust über den Verkehrsstau mit herzhaftem Druck aufs Gaspedal Luft machten, in die Falle. Einige, die beim Rasen ertappt wurden, wandten sich umgehend an die höchste Instanz der Stadtverwaltung und beschwerten sich bei Oberbürgermeister Metzger über solches „Raubrittertum“.
Diesem schien, dass den Autofahrern nun schon genug zugemutet worden sei – und erklärte die Radarkontrolle kurzerhand zur „Probemessung“. Die Ertappten werden zwar trotzdem Post von der Stadt bekommen. Aber statt einer Rechnung wird darin nur der Hinweis zu finden sein, dass es beim nächsten Mal (wenn die Ausrede
Stau nicht mehr gilt), teuer wird.

Die Themen dieses Tages in einem anderen Jahr :

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Verkehr abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Probemessung

  1. Matthias Menzel sagt:

    Nicht genug, dass die Nichtbeachtung von Verbotsschildern einfach als zulässig erklärt wird, nun genügt es offenbar, wenn massenhaft auch noch die zulässige Geschwindigkeit überschritten wird, um eine Radarkontrolle zur „Probemessung“ zu erklären. Zusammen mit Äußerungen wie „wir sind keine Raubritter“ oder im Artikel vom 24.1.2002 „Neues Meßgerät mit Datenspeicher“, indem es heißt dass, „Bußgeld und Verwarnung seien mit dieser Tempomessung nicht verbunden“, wird dem Autofahrer bedeutet, dass man es in Bretten wohl mit der Straßenverkehrsordnung nicht so genau nimmt.
    Auswirkungen wird dies auf die Disziplin im Straßenverkehr und damit auch auf die Anzahl der Verkehrsunfälle haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.